Altonau, Nr. 9, gegr. 1873
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Sagradowka Kolonie

 

 

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Bilder und Fotos Sagradowka Kolonie.

KarteZagradovka Colony“ by W. Schroeder. Mennonite Historical Atlas. First Edition. William Schroeder. Winnipeg. 1990.

KarteZagradovka Colony in Mennonite historical atlas. 2nd ed., rev. and expanded.  Maps by William Schroeder. Text and some Maps by Huebert, Helmut T. Winnipeg. 1996. S. 46.

Сведения о переселении в Сибирь меннонитов из колонии Заградовка (Орловская волость), распологавшейся в Херсонском уезде, Херсонской губернии 1906-12. (russisch) von Viktor Petkau.

Mennonitische Orte in "Spisok naselennych mest Chersonskoj guberniji". Cherson. 1896.(altrussisch) von Viktor Petkau.

Deutsch-mennonitische und judische Siedlungen im Gebiet Cherson in "Список населенных мест Херсонской губернии (по данным Всероссийской сел.-хоз. переписи 1916 г.). Александрия. 1917. (altrussisch) von Viktor Petkau.

Mennoniten in "Описание Херсонской Земской сельско-хозяйственной и промышленной выставки 1890 года". Херсон. 1891. (russisch) von Viktor Petkau.

Mennonitische Orte und Guts in "Планы дач Генерального и Специального межеваний Херсонской губернии, Херсонского уезда. Из Российского Госархива древних актов." (altrussisch) von Viktor Petkau.

Buch: Das Mennonitentum in der Ukraine; Schicksalsgeschichte Sagradowkas. Neufeld, D. Emden: Selbstverlag, 1922. 40 S.

Buch: Sagradowka. Die Geschichte einer Mennonitischer Ansiedlung im Süden Russlands. Lohrenz, Gerhard: Rosthern: Echo-Verlag Buch 4, Rosthern, Sask., Kanada 1947. 113 S.

Sagradowka in Liste der mennonitischen Industrie- und Handelsunternehmen in Russland (in "Suchen" Ortsnummer " D0197" eingeben).

 

Skizze der Sagradower Siedlung. Gezeichnet von Helene Isaak.
   
Topographische Karten (Heereskarten) von Sagradovka Kolonie aus den Jahren 1943-44.
 
Ausschnitt aus der topografischer Karte Teil von Sagradowka 1923. (russisch) mennonitische Orte von Viktor Petkau hervorgehoben.
   
Auszug aus der Karte Ujesd Cherson (mit Sagradowka Kolonie und nahelegende Guts) 1910. Mennonitische Orte und Guts von Viktor Petkau hervorgehoben. (russisch)
   
Interaktiver Dorfplan Nikolaifeld, Sagradowka Kolonie. Erstellt von Anna Isaak (geb. Görzen). Zugeschickt von Waldemar Birt.
   
Dorfplan Nikolaifeld, Sagradowka. Gezeichnet von Walter Epp. Von Walter Epp.
   
Dorfplan Tiege, Sagradowka 1940. Gezeichnet von Walter Epp. Von Walter Epp.
   
Dorfplan Neu-Schönsee, Sagradowka 1942. Gezeichnet von Walter Epp. Von Walter Epp.
   
Dorfplan Alexanderfeld, Sagradowka. Gezeichnet von Walter Epp. Von Walter Epp.
   
Dorfplan Friedensfeld, Sagradowka 1942. Gezeichnet von der Stumpp Gruppe 1942. Von Walter Epp.

 

 

Die Sagradowka Kolonie

(Aus dem Buch: Sagradowka. Die Geschichte einer Mennonitischer Ansiedlung im Süden Russlands. Lohrenz, Gerhard: Kanada 1947.)

 

"...Im Gouvernement Cherson, am Fluss Ingulez, liegt das große Russendorf Sagradowka. Seinen Namen hat es von dem Gutsbesitzer, dem das umliegende Land und mit ihm auch die Bauern des Dorfes als Leibeigene gehörten. Dieser Mann hieß Sagradskij und soll ein Pole gewesen sein. Später war dieses Land im Besitz eines Mannes namens Kotschubej Leo...
"...Als 1871 die Molotschna-Mennoniten nach einem größeren Landstück Ausschau hielten, war Leo Viktorowitsch Kotschubej bereit, den Rest seines sehr schönen Guts zu verkaufen. Die andere Hälfte, die am linken Ufer lag, hatte er 1870 an lutherische und katholische Siedler verkauft. Diese gründeten die Kronauer Siedlung...
"...Der Kauf wurde am 15. Juni 1871 abgeschlossen. Das gekaufte Landstück betrug 21276 Desjatin des allerbesten Landes. Noch im Sommer 1871 schnitt die Molotschnaer Landkommission die Dorfpläne zu. Sagradowka war die erste Tochtersiedlung der Molotschna Kolonie. 1872 wurden die ersten sechs Dörfer besiedelt...
"...Die Sagradower Siedlung mit einer eigenen Verwaltung erhielt den Namen „Ohrloffer Wolost". Ganz am Anfang ist die Wolostverwaltung auf dem Chutor nahe dem Dorf Ohrloff gewesen. 1874 entschloss man sich, ein Wolostgebäude in Tiege, mehr zentral gelegen, zu erbauen...
"...Der erste Oberschulze war ein Sukkau (1872-75). Jakob Reimer aus Neu-Schönsee hatte der Wolost 16 Jahre als Oberschulze gedient (1878-1896). In den Dörfern, in denen Freikäufer ansiedelten, bestand die Wirtschaft aus 65 Desjatin Land. In den Losdörfern hatte die Wirtschaft 32,5 Desjatin. Die Hofstellen waren 210 Fuß breit und 560 Fuß lang, was genau eine Desjatine ausmachte. Die Straße war 210 Fuß breit. Hinter den Gärten verlief ein Weg. An der anderen Seite des Weges musste jeder Bauer ein Wäldchen so breit wie seine Hofstelle und etwa 40 Fuß tief anpflanzen und sauberhalten...
"...Jedes Dorf erhielt außer seinem Namen auch eine Nummer; auch jede Wirtschaft im Dorf erhielt eine Nummer. Jeder, der ansiedeln wollte, zog in der Molotschna ein Los; die Nummer, die ihm zufiel, bestimmte seinen zukünftigen Wohnort. Ein Freikäufer musste die Hälfte des Preises gleich bezahlen. Der Gutshof, der sich im Russendorf Sagradowka befand, war auch mitgekauft worden. Er bestand aus einem Steinhaus, Pferdestall, einem gewölbten Keller und Obstgarten. Das ganze war mit einer 10 Fuß hohen Steinmauer umgeben...
"...1898 wurden die Wege, die von einem Dorf zum anderen führten, von beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt. Doch der arme, unwissende Russe konnte der Versuchung nicht widerstehen: die kleinen Bäume wurden ausgerissen und als Peitschen benutzt, die Größeren als Deichseln. Wollte er durch eine deutsche Siedlung fahren, so nahm er gleich auch eine Axt mit, um die Gelegenheit auszunutzen. Jahrelang pflanzten die Leute nach, sie machten um jeden Baum einen Zaun, doch vergebens. Der Plan musste aufgegeben werden. 1925 standen nur noch ganz wenige von diesen Bäumen.
"...In den ersten Jahren waren die Ansiedler nicht in der Lage, sich Arbeiter anzunehmen. Sobald sich die Verhältnisse besserten, mietete man Russen für die arbeitsreichste Zeit des Jahres...
...1890 wurde die zweite Katharinen- Eisenbahn bis in die Nähe der Ansiedlung gebracht
Die Station Nikolo-Koselsk, 15 Werst von der Ansiedlung entfernt, wurde das Tor, durch das die Außenwelt leichter zu erreichen war. 1916 wurde die Eisenbahnstrecke Cherson-Meresa, die ganz in der Nähe der Ansiedlung vorbeiging, fertig gebaut, und in der Station Belaja-Kreniza erhielt die Kolonie eine Verbindung mit dem Hafen und einer Großstadt des Landes...
"...Wie in anderen Siedlungen hatte auch Sagradowka eine Feuerversicherung. Brannte jemandem das Haus ab, so wurde er bar entschädigt, und auch die Nachbarn halfen unentgeltlich, den Schutt wegzuräumen...
"...Die Dörfer, die an den russischen Besitz grenzten, hatten oft Schwierigkeiten damit, dass die Russen ihr Vieh in deutsches Getreide ließen. Um diese Misswirtschaft zu verhindern, mieteten sich einige Dörfer einen oder zwei bewaffnete Kosaken als Wächter...
"Diese Praxis musste aber bald aufgegeben werden, denn die Wächter behandelten die Russen so, dass sich die russische Bevölkerung sehr empörte. Nach dem russischen Gesetz musste jedes Dorf einen Polizeibeamten (Desjatzkij) haben, und in der Wolost stand der "Sotskij" (Schulze) vor.

...1880 hatte die Regierung beschlossen, im südlichen Russland sechs Kasernen für mennonitische Dienende zu erbauen. Im Chersoner Gouvernement wurde Kronsland (3000 Desjatin) zur Verfügung gestellt. Auf diesem Lande befanden sich ein Brunnen und ein Stück Wald. 1882 baute man hier die ersten Gebäude, von denen das erste 1906 abbrannte. In jeder Stube wohnten 10-11 Kerle. 1914 gab es auf dieser "Wladimirower" Forstei 131 mennonitische Dienende. Ihre Arbeit war meistens Waldarbeit, denn hier musste Wald gepflanzt werden-800 Bäume pro Tag/Mann...
...Unter den Mennoniten Russlands war die Geburtsrate so hoch, wie das biologische Gesetz es erlaubte. Es ist berechnet worden, dass sich die mennonitische Bevölkerung alle 25 Jahre verdoppelte. In Sagradowka dauerte es auch nicht lange, bis jede Wirtschaft in den 16 Dörfern besetzt war. Die Preise fürs Land stiegen. So zogen schon 1893 etliche Familien an den Don; 1894 ging eine große Anzahl nach Ufa; 1900 ging ein Teil der Ansiedler nach dem Terek. Die größte Abwanderung aber fand 1908 statt. 1907 wurde den Umsiedlerwilligen in Sibirien von der Regierung das Land geschenkt. Nicht ein einziger Großwirt verkaufte sein Land in Sagradowka und ging nach Sibirien, aber ihre verheirateten Söhne gingen fast alle. Wer nicht gerade eine Wirtschaft sein eigen nannte, verschwand von Sagradowka. Besonders bemerkbar war es am Ende des Dorfes, dem Anwohner-Ende, wo nach der Abwanderung die stille und leere Häuser standen...
...Juli 1914. Es fing die Hetze gegen die Deutschen an. Sie waren plötzlich fremde Eindringlinge, denen man nicht trauen konnte, obwohl das Verhältnis zwischen den Deutschen und den Russen niemals schlecht gewesen war. Unsere Dreschmaschinen fuhren in die Russendörfer und droschen den Soldatenfrauen unentgeltlich das Getreide. Unsere Wolost gab jeder Soldatenfrau der umliegenden Russendörfer eine gewisse Mithilfe pro Monat. Namhafte Summen wurden immer wieder der Regierung geschenkt. Trotz allem verfügte die russische Regierung am 2. Februar 1915, dass allen Deutschen Land enteignet werden solle. In Scharen zogen damals die Russen durch unsere Dörfer und beschauten sich ihre zukünftigen Heime...
...Es war daher für unsere Mennoniten erfreulich, als im März 1917 die Kaiserregierung fiel. Als aber im November 1917 die Bolschewiken an die Regierung kamen, da war es mit Frieden und Sicherheit bald vorbei. Die umwohnenden Russen erhielten Land, Pferde und Ackergeräte von unserer Wolost. Als 1918 die Deutschen unser Gebiet besetzten, mussten die genommenen Sachen wieder zurückgebracht werden. 1918 hatte die Ansiedlung nur noch 4067 Einwohner...
...Wir hatten uns aller mennonitischen Tradition zum Trotz von den Deutschen bewaffnen lassen. Nach Abzug der Deutschen bedrohten organisierte ruchlose Banden unser aller Recht und unsere Sicherheit. Viele zitterten erschreckt und entsetzt um ihr Leben, und da will der Mensch sich so gerne helfen. Eine Zeitlang konnte unsere auf Wache stehende Jungmannschaft die Banditen aus unserer Ansiedlung fernhalten. Im Frühling 1919 mussten wir die Waffen abliefern. Im Sommer kamen immer wieder Banden und beraubten uns, nahmen Pferde, Kleider und Droschken. Ob nun Rote oder Weiße an der Regierung waren, immer ging der Bürger mit Angst zu Bett. Bewaffnete Banden zogen im Land umher, raubten und mordeten ungestraft. Die schlimmste war die"Machnobande", die im Herbst 1919 sechs unserer Dörfer überfiel.
...Das Land wurde von der Regierung unter allen Einwohnern, die auf dem Lande wohnten und bauern wollten, gleichmäßig verteilt. Der Besitzer wurde als Verbrecher hingestellt; der Arme, ob verschuldet oder unverschuldet, galt immer als der Edle und Unterdrückte; er wurde gegen die Wohlhabenden aufgestachelt..."
...1922 waren die Häuser, in denen es noch Brot gab, fast fortwährend von Hungernden belagert. Es waren nicht Mennoniten, sondern Fremde. Unter Hecken und Zäunen lagen sie und starben, ohne dass auch noch jemand nach ihnen schaute...
...Im Frühjahr 1922 wurden dann die"Amerikanischen Küchen" eingerichtet, ohne die auch mancher der Unseren verhungert wäre. Im Herbst 1922 wurde es etwas ruhiger. Überfälle und Morde wurden etwas seltener. Die Regierung wurde stärker. Mehr und mehr wurden fremde Kommunisten in die Dörfer geschickt, in deren Hände die Verwaltung gelegt wurde. Viele von ihnen waren gemeine Verbrecher. Der Wunsch vieler Mennoniten war, Russland zu verlassen. Als sich in den Jahren 1924-1927 die Möglichkeit ergab, verließen viele Russland...
...1924 gab die Regierung uns ein wenig mehr Freiheit, und 1927 ging es vielen von uns recht gut. Doch schon 1928 änderte die Regierung plötzlich die Taktik: die Kollektivierung wurde strengstens durchgeführt; niemand durfte mehr auswandern; viele wurden in die Verbannung nach Sibirien geschickt. Um nun ihre Sklaven auch ganz gefügig zu machen, ließ die Regierung sie immer wieder hungern. Im Frühling 1933 starben als Resultat dieser Raubwirtschaft im Süden Russlands Millionen von Menschen, viele davon auch in unseren Dörfern. Gottesdienste wurden sehr selten abgehalten. Trauungen waren nicht mehr nötig; die Leute ließen sich einfach zusammenschreiben und richteten dann einen großen Tanz aus, auf dem der Branntwein reichlich floss. Die Prediger, die noch nicht verbannt waren, jagte man aus den Dörfern...
...1937-1938 gab es neue große Verhaftungen. Wer erst einmal genommen war, kam selten zurück.
...Dann kam der Krieg 1941. Die Sagradower mußten auch mit den zurückziehenden Russen fort, kamen aber alle 1941 in deutsche Gefangenschaft und kehrten wieder in ihre Dörfer zurück. Unter den Deutschen lebten sie besser. Im Oktober 1943 hieß es, die Heimat zu verlassen und westlich zu gehen. 3.500 Einwohner der Siedlung zogen mit der deutschen Wehrmacht mit in den Westen. Per Wagen, zu Fuß und auch per Bahn wurden tausende Meilen zurückgelegt. Im Warthegau wurden die Sagradower mit vielen anderen angesiedelt und eingebürgert. 1944 wurden unsere Männer in die deutsche Wehrmacht eingezogen. Im Frühling 1945 wurden die Sagradower von den Russen in Güterzügen wieder zurück nach Russland verschleppt, leider nicht mehr in ihre Heimat, sondern in das eisige Sibirien...."

 
Zuletzt geändert am 23 März, 2017