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Brief von Gerhard und Helena Rahn, in der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 3. Juli 1907, Seite 5

 

Abgeschrieben von Lillia Nickel, alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 3. Juli 1907, Seite 5. (gotisch) von Lillia Nickel.

 

 

Butterfield, den 19.Juni 1907.
Einen Gruß der Liebe an den Editor und an alle Leser zuvor!
Da ich heute von einem gewissen Jakob Enns, früher Rückenau, einen Brief bekam, so wünsche ich durch die Werte Rundschau ihre Geschwister aufzusuchen. Werde den Brief hier wörtlich folgen lassen, hoffentlich bekommen ihn dann die Gesuchten zu lesen

Der Brief lautet:

Krassikov, den 17 Mai 1907.

An euch liebe Geschwister und Freunde. Wünsche euch allen die (……)Meine Frau und Johann sind krank, wir hätten schon lange gerne einmal geschrieben, aber wissen nicht wo ihr alle wohnt, werden euch durch Gerhard Rahn alle aufsuchen und dann könnt ihr es alle einen den anderen zustellen und alle Teil daran nehmen. Muss noch berichten, dass wir fünf Kinder haben, vier Knaben und ein Mädchen.
Nun Ihr lieben Schwägerinnen, Eure Männer, meine Brüder, Klaas, Daniel, Kornelius, Enzen sind, wie wir gehört haben, alle gestorben, seid Ihr noch alle Witwen? Meine Schwester Eppen, leben die noch? Ihr werdet wohl wissen, wo sie alle wohnen. Wir haben einen sehr schweren Winter gehabt, hatten eine Missernte; ihr habt es vielleicht schon gehört. Wir kommen auch zu euch mit einer Bitte, vielleicht habt ihr auch für uns ein gutes Herz. O, ihr lieben alle, wenn ihr warme Liebe zu uns habt, so wird es euch nicht schwer fallen, ein wenig mitzuhelfen. Hier haben schon mehrere von dort Mithilfe bekommen, denn es sieht auch jetzt nicht sehr gut aus, es ist fast immer Nordwind, haben einen kalten Mai. Es hatte diese Nacht ziemlich gefroren, hat auch nur wenig geregnet. Wer weiß, was der Herr in diesem Jahr uns schenken wird. Ob es nicht auch wieder den Brotkorb hoch hängen wird? Ihr werdet wohl alle wissen wo die Bergthaler wohnen, von meiner Frau Seite ihre Onkel und Tanten.
Meine Frau ist Peter Funken, Anna, dort sind alle unsere Freunde. Als die Blumenfelder nach Amerika gingen, starb ja meiner Frau Vater, Da waren die Blumenfelder noch auf dem Begräbnis. Wir sind von allen Freunden verlassen. Da sind auch noch von meiner Frau Mutter ihre Brüder dort, Abraham, Peter und Franz Harders, leben auch die noch? Oder lebt noch jemand von ihnen? Ihr könnt alle teilnehmen und alle eine gute Hand entgegenstrecken, denn wir würden es mit großem Dank annehmen, denn es ist hier teure Zeit. Hier kommt auch Geld von her, aber zu uns noch nicht.
Kehlers, wo wohnen die, oder seid Ihr nicht weit auseinander? Die Frau Kehler ist meiner Frau Tante; geht es euch allen gut im Irdischen? Oder Ihr Nichten und Vetter, seid auch ihr so gut und helft uns mit. Und wenn Ihr schreibt, schickt uns doch eure Adresse, wenn ihr diesen Brief erhalten habt, berichtet doch gleich zurück, denn wir werden gleich Antwort
geben. Wir wohnen in Krassikov auf Samara. Gerhard Rahn wird Euch vielleicht die Adresse in den Brief legen, dass Ihr alle schreiben könnt, denn wir würden uns sehr freuen. Und so freue auch ich mich und lasse die Adresse hier folgen: Jakob Enns, Gouv.Samara, Orenburgische Eisenbahn, St. Sorotschinskaja, Post Pleschanov, Kol. Krassikow, Russland.
Alle Freunde und Bekannte sind mit eingeschlossen.
Die Witterung ist noch immer so, alle Tage Wind und Sturm, hoffen immer auf Regen. Ich werde für diesmal aufhören, denn wenn wir erst Antwort bekommen werden, dann werden wir mehr schreiben, bitte aber unsere bitte nicht abschlägig zu machen. Zum Schluss seid alle aufs herzlichste gegrüßt. Wünsche , dass dieser Brief Euch alle bei der besten Gesundheit antreffen möchte.
Lieber Freund Gerhard Rahn, ich komme mit der Bitte zu dir, als guter Bekannter, wirst vielleicht so gut sein und dieses Schreiben nach unseren Geschwistern Funken schicken, oder wer da zunächst wohnt. Es kommen so viele zu dir , aber versage deswegen nur nicht, denn jeder Arbeiter wird belohnt, wenn auch nicht von Menschen, dann doch vom himmlischen Vater; so bitte ich dich, lege auch du eine Fürbitte für uns ein, denn ich bin Jakob Enns von Rückenau, wirst mich gut kennen. Seid alle sehr von uns gegrüßt.
Jakob und Anna Enns.
Soweit der Brief.
Möchte auch gleich den Vater Peter Wiens, Ebenfeld, in Krassikow wissen lassen, dass ich seinen Brief erhalten und denselben seinen Brüdern zugestellt habe; so auch den Brief von Johann Friesen erhalten und auch seinen Brüdern zugestellt. Sage den Brüdern in Manitoba und Kansas herzlichen Dank für die Gabe an seiner Statt. Danke auch den Geschwistern Johann Stobben, für den schönen Brief. Wie hätte sich doch meine liebe dahingeschiedene, deine einzige Schwester, gefreut, so einen Brief während sie noch lebte, zu erhalten. Aber sie ruht schon lange in kühler Erde. Und so seid auch Ihr mir noch im Gedächtnis. Lieber Onkel Martin Hübert, ob sie auch wissen, dass hier in Minnesota noch einer Ihrer Enkel wohnt?
Grüße sie sehr samt meine Freunde in Neukirch. So auch Sch. Heinr. Hildebrant. Den Gruß von dir und Vetter Abr.Hübert, Friedensruh, erhalten; sage dafür Dank mit dem Wiedergruß; auch an die Siemens, Hirschau, deren Gruß ich in der Rundschau fand.
Wir sind alle schön gesund, gottlob. Dem einzigen Bruder Joh. Rahn noch besonders einen Gruß. Seinen Brief erhalten. Ob die liebe Schwägerin P. Hübert noch immer leident ist? Es tut mir wirklich leid, dass Ihr in Samara davon nichts erwähnt habt. Sollte sie noch am Leben sein, dann rufe ich tröstend mit dem Dichter zu, nämlich die Freude, die allen Überwindern zuteilwerden… wenn es heist:

Kein Ohr hat je gehöret,
Kein menschlich Aug geseh´n
Die Freud´so den bescheret,
Die Gott hat ausesehn
Sie werden Gott anschauen
Mit hellem Angesicht
Lieblich mit ihren Augen,
Das ewig ware Licht.

Dieses möge allen Leidenden ein Trost und Freudenwort sein. Schließe denn also mit dem Gruß der Liebe an alle, die sich meiner erinnern, sowohl hier als dort in Russland.

Gerhard und Helena Rahn.

Anmerk. –Ich möchte gerne wissen, wessen Sohn Jakob Enns ist, -Editor.

 

 

Anmerkungen von Lilia Nickel:

Jakob Enns, (#1026016), * abt 1847 Rückenau, Molotschna, Süd Russland, † Krassikov, Neu Samara?
Ist der Sohn von Abram Enns,(#265390), * 28.08.1785 in Preußen, † abt.1854 in Rückenau, Molotschna, Süd Russland.
Anna Peter Funk, (#186696) und #1026017, * 25.10.1861, †Krassikov, Neu Samara?

Eure Männer, meine Brüder, Klaas, Daniel, Kornelius, Enzen, sind:

Daniel Enns, (#265757), * 30.08.1826, †29.10.1879 in Minnesota, USA.
Klaas Enns, (#70438), * 15.09.1829, †14.08.1880 in Minnesota, USA.
Kornelius Enns, (#158132), * 11.02.1835, †01.07.1892 in Minnesota, USA.

Schwester Eppen:

Elisabeth Enns, (#39175), * 22.02.1844, † 28.03.1917 in Minnesota, USA.
Peter Epp, (#12678), * 08.05.1838 Rosenort, Molotschna, Russia, † 11.11.1914 in Minnesota, USA

   
Zuletzt geändert am 19 September, 2019