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Industrie und Gewerbe in Osterwick, Chortitza Kolonie
Diese Information ist zum groessten Teil aus dem Buch "Osterwick 1812-1943" von J. Neudorf, H. Neudorf, D. Rempel. 1973. Clearbook. B.C. entnommen. Am ende jedes Textes in Klammern steht die Seite. Ich habe nur versucht einige Personen zuzuordnen. In dem Bericht der Chortitzer Wolostverwaltung ueber das Vermoegen der Handel- und Gewerbetreibenden im Jahre 1908 sind 14 Unternehmen und Gewerbe in Osterwick verzeichnet und ihr Wert im Jahre 1908.
 
Fabrik Dietrich B. Schulz & Erben (Osterwick)

Benjamin Schulz (#573990) hatte 1857 eine Werkstatt fuer Wagenproduktion gegruendet. Sein Sohn Dietrich B. Schulz (#266858) (1846- 1908) baute sie zu einer grossen Fabrik aus. Er war ein sehr tuechtiger Mann hat viel fuer seine Arbeiter und auch fuer arme Leute getan. Nachdem seine Frau, geb. Wiens gestorben war, heiratete er die Witwe Peter Koop, eine Schwester seiner ersten Frau. Peter Koop (#148253) war der Mitgruender und Teilhaber der Firma Koop in Chortitza. AIs er starb, wurde seiner Witwe der Anteil an der Fabrik ausgezahlt. Dieses Kapital wurde dann in der Schulz Fabrik in Osterwick angelegt. Diese Schulz Fabrik beschaeftigte ca 100-150 Arbeiter; in der drocken Zeit waren es auch mehr. Die Erzeugnisse waren landwirtschaftliche Maschinen, wie: Putzmuehlen Bugger, Drillen, Maehmaschinen, etc. Die Erzeugnisse wurden bis zur Station Kanzerowka an der 2. Katherinenbahn zum Versand gebracht. Auch verschiedene Rohstoffe und Fabrikate fuer die Fabrik wurden ueber Kanzerowka bezogen. Vor der Erbaung der Eisenbahn musste man den Versand und Empfang ueber Chortitza und Alexandrowsk bewerkstelligen. Viele Erzeugnisse der Fabrik wurden von den Bauern des Dorfes und der Umgebung direkt von der Fabrik abgeholt. In Kachowka, am linken Dnjeprufer, suedlich von der alten Kolonie und auch in Sibirien in der Naehe von Omsk hatte die Schulz Fabrik Verkaufslager ihrer landwirt-schaftlichen Maschinen. Urspruenglich plante die russische Regierung die Bahnlinie von der Einlager Bruecke nicht ueber Kanzerowka und Chortitza, sondern zwischen Chortrtza und Schoenhorst nach Nikopol zu bauen, weil das Gelaende bei Chortitza unguenstig war. Man musste einen sehr hohen Damm schuetten, die grosse Schanze musste umgangen werden, ueber-haupt einen sehr grossen Umweg machen. Die Bauern waren fuer den ersten Plan. Sie wollten die Eisenbahn nicht in der Naehe haben; sie befuerchteten den Einfluss der In-dustrie, wie gepflasterte Strassen, viele russische Arbeiter (Revolution), Arbeiterwohnungen, Ackerland musste verschnitten werden u.s.w. Die Vordermaenner und die Industriellen strebten die Durchfuehrung des zweiten Planes an, damit sie bessere Verbindungen bekamen. Der verdienstvolle Lehrer Abram Abramowitsch Neufeld (#69183) und der Muehlenbesitzer Jacob Romanowitsch Niebur (#?) fuhren mit einer Eingabe fuer den zweiten Plan zum Ministerium nach Petersburg. Es gelang ihnen den Minister zu ueberzeugen, dass die Bahnlinie ueber Chortitza fuer die Ent wickelung der Wirtschaft in jener Gegend guenstiger waere. In der Schulz Fabrik gab es folgende Werkstaetten: Giesserei, Schlosserei, Tischlerei, Faerberei, Schmiede und Kraftstation mit einer Dampfmaschine und Dinamo fuer Erzeugung des elektrischen Stromes.

    Leiter der Fabrik war D.B. Schulz. Nach seinem ploetzlichen Tode (Herzschlag) Jahre 1908(?) uebernahmen seine Soehne und Stiefsoehne, Peter Schulz (#266860), Betriebslleiter, Jacob Schulz (#459095), Ingenieur, Jacob Koop (#208694), Techniker Ingenieur, Peter Koop (#208695), die Zwillinge Heinrich (#208797) und Abram Koop (#208840) die Fabrik. Die Meister waren: Siemens, Schlossermeister, Tischlermeister - Winter: Sawatzky - Faerbermeister; Abram Koop - Giessermeister. Die Fabriken D.B. Schulz, wie auch B. Rempel waren von grosser Bedeutung fuer die maschinelle Entwickelung der Landwirtschaft in den Kolonien. Diesen Bericht sandte Nikolai J. Klassen ein. Das meiste Material dazu hat er von den Nachkommen des Jacob P. Koop erfahren.
    Peter Dietr. Schulz (#266860) wurde am 29. Juli 1871 in Osterwick geboren und starb am 18. September 1914. Waehrend des Sommers war er zu einer Kur wegen einem Herzleiden nach Deutschland gefahren. Waehrend seines Aufenthalts dort brach der erste Weltkrieg aus. Es gelang ihm ueber Schweden nach Hause zu kommen. Er starb bald nach seiner Heimkehr. Photo
    JACOB P. KOOP (#208694) Er war einer der Mitteiihaber der Firma Dietrich B. Schulz & Erben und seines Berufs Techniker-Ingenieur. Nachdem die Firma von den Sowjets beschlagnahmt wurde, zogen die Koops nach Zaporozhje (Schoenwiese). Hier wurde Koop eines Nachts von einem "Urkagan" ermordet. Seine Frau war die Tochter des Wolostschreibers Jacob Klassen (266560) aus Chortitza. Sie nahm regen Anteil am Schulwesen des Dorfes und war eine der Gruenderinnen des Frauenvereins in Osterwick, der seine Taetigkeit anfangs dieses Jahrhunderts begann. Photo
    Jacob D. Schulz (#459095) war der juengste Sohn des Gruenders der Firma Schulz Fabrik, wurde in Osterwick geboren, wo er die Dorfschule besucht. Nachdem er die Zentralschule in Chortitza absolviert hatte, besuchte er die technische Schule Alexandrowsk (Zaporozhje), aus der tuechtige Ingenieure herauskamen Nach dem Tode seines aelteres Bruders im Jahre 1914, wurde er sein Nachfolger. Er leitete das Unternehmen bis die Sowjets ans Ruder kamen und alles Privateigentum nationalisierten. in den 30ger Jahren wurde auch er verbannt und ist zweifellos in derselben umgekommen, Seine Frau war Margareta geb. Janzen (Brauerei-Janzens #459072) aus Schoenwiese. Sie nahm regen Anteil am Frauenverein. Sie war es auch, die die Anregung zur Gruendung des Kindergartens in Osterwick gab. Auch sie musste Osterwick verlassen; wohnt heute Novosibirsk, Sibirien. Photo
   
Aus dem Buch Osterwick S. 118-121
     
    Dietrich Schultz hatte im Jahre 1908 eine Maschinenfabrik mit einen Wert von 35.000 Rubel in Osterwick (Liste 1908)
     
   
   
Fabrik Bernhard W. Rempel (Osterwick)
     
    DIE FIRMA BERNHARD W. REMPEL (#319479). 1885 ist uns als Gruendungsjahr dieses Unternehmens angegeben worden. Im Jahre 1895 wurde eine Dampfmaschine eingestellt, die als Antrieb der Maschinen diente. Man darf wohl annehmen, dass ein Franz Peters (#586914) den Anfang des Unternehmens gemacht hat, und Bernhard W. Rempel, ein Schmied von Beruf, es erwarb, als Peters nach Orenburg uebersiedelte. Der Gewaehrsmann, dem ich manches Material zu diesem Bericht verdanke, hat mir mitgeteilt, dass es drei- und vierscharige "Franz Peters Pfluege" im Dorfe gegebeen hat, die auch in Osterwick hergestellt wurden. Sein Vater (Johann Schoenfeld) habe einen solchen gehabt und bis zu seinem Tode seine Saaten mit diesem bestellt. Es war dieses wohl der Pflug, der unter dem plattdeutschen Namen "Schroazplog" bekanntt war. Pflugbaum, Raeder und Saeapparat waren aus Holz hergestellt. Der Sae-apparat war vorne am Pflug angebracht und wurde vermittels einer Kette von einem der Hinterraeder aus in Betrieb gesetzt. Die Saat fiel strackszu Boden und wurde dann von den Scharen untergepfluegt. Spaeter stellten Rempels den Pflug in verbesserter Auflage her. Besonders guten Rufes erfreuten sich Rempels Jaetpfluege (cultivators), die zum "Durchfahren" der Bastan, der Kartofel-Kuerbis- und Maisfelder gebraucht wurden und unseren Bauern unentbehrlich waren. Ausserdem bauten sie einscharige eiserne Pfluege, Putzmuehlen, Maehmaschienen Lobogrejkas), und die Ringelwalze (underground Packer). Soviel mir bekannt ist, wurde letztere in keiner anderen Fabrik der alten Kolonie hergestellt. Mit der Ringelwalze wurde das Feld, nachdem man ihm die Saat anvertraut hatte, gepackt, um das Saatbett recht dicht zu machen und das Keimen zu foerdern. Gelegentlich fand dieses Geraet auch eine andere Verwendung. Manchmal, wenn Tau-wetter, von Regen begleitet, in zu frueher Jahreszeit einsetzte und dann in Frost umschlug bildete sich eine Eisdecke ueber einem mit Winterkorn besaetem Feld und drohte Saat zu ersticken. Um diesem vorzubeugen, fuhr man mit der Ringelwalze ueber solches Feld und brach die Eisdecke auf. Die Firma hatte eine Belegschaft von ungefaehr 50-75 Mann. Etwa um 1906 eroeffnete sie Niederlage Millerowo. Bernhard W. Rempel hatte seinen Sohn als Teilhaber am Geschaeft aufgenommen. Nachdem er in den Ruhestand trat, uebernahm sein Sohn Heinrich, vielseitig begabter Mann, die Leitung. Einer der Schwiegersoehne, Heinrich Penner, stand der Niederlage in Millerowo vor; der andere, Peter Froese, war dem Leiter behilflich. Was das Rempeische Unternehmen von Anfang an mit Erfolg gekroent gewesen, so bluehte es unter der neuen Leitung erst recht auf. Dann fiel es der Revolution zum Opfer. Blte erinnert nur das gewesene Kontor daran, dass hier einmal ein bluehendes Geschaft, von einem unternehmenden Mennoniten angefangen, gestanden hat.
   
Aus dem Buch Osterwick S.
    Bernhard Rempel hatte im Jahre 1908 eine Maschinenfabrik mit einen Wert von 25.000 Rubel in Osterwick (Liste 1908)
     
   
   
Klas Harders Dampfmuehle (Osterwick)
     
    Klas Harder (1843-1914; #491405) und Johann J. Neudorf (#174382) stellten den Putzmuehlenbau ein und bauten eine zweistoeckige Dampfmuehle in Osterwick, die im Jahre 1894 in Betrieb gesetzt wurde. Die Muehle liferte gutes Mehl und war eintraeglich. Doch Johann Neudorf verkaufte im Jahre 1899 seinen Anteil an derselben Harder.
Im Sommer 1912 schlug der Blitz in die Muehle ein und entbrannte sie. Die aus Ziegeln aufgefuehrten Waende blieben doch stehen. Sie wurde wieder in Stand gesetzt und neu ausgeruestet. Schon nach kurzer Zeit wurde wieder zu mahlen angefangen. Waehrend der Revolution ereilte sie das naemliche Schicksal wie auch alle anderen Privaten Unternehmungen, und sie wurde eine Zeitlang ausser Betrieb gestellt. Waehrend der N. E. P. Periode gab die Regierung manche solcher Unternehmungen in Pacht an Privatpersonen. Peter G. Sawatzky, Osterwick, pachtete die Hardersmuehle fuer etliche Jahre. Der Absatz war gut und der Gewinn nicht schlecht. Die Scherereien, die Sawatzky oft waehrend mit den Regierungsbeamten hatte, zwangen ihn, den Pachtkontrakt zu quitieren und nach Canada auszuwandern.
Die deutsche Wehrmacht hat die Harders Muehle beim Abzug niedergebrannt.
Klas Harder war wohlhabend geworden. Trotzdem blieb er schlicht und einfach. Der groesste Luxus, den er sich erlaubt hatte, war sein schoenes, grosses Wohnhaus, das er sich bauen liess; es war aber kein Palast. Die innere Einrichtung unterschied sich wohl kam von der eines gewoehnlichen Bauernhauses.
Auch war er Pferdeliebhaber. Es wurde viel Mehl an die Kunden im Dorfe abgeliefert, so hielt Ohm Klas sich immer etliche schoene Tiere. Sein Kutscher, Johann Dyck, der gut mit Pferden umzugehen wusste, hatte manchmal Muehe, die jungen Hengste in Schach zu halten.
   
Aus dem Buch Osterwick S. 116
   

Nikolai Harder hatte im Jahre 1908 eine Dampfmuehle mit einen Wert von 25.000 Rubel in Osterwick (Liste 1908)

Heinrich Vogt war der Meister in der Muehle. Klas Harders Schwiegersohn Dietrich Peter Klassen leitete die Muehle nach seinem Tod. (WV)

     
     
    Putzmuehlenbauer Johann Neudorf. (#174382, Photo) Johann J. Neudorf wurde am 27. Sept. 1839
in Osterwick geboren. Seine Eltern waren Johann Neudorf und Maria (geb. Hildebrandt). Er trat in den Ehestand mit Helena Klassen geb. 15. Aug. 1842) am 27. Sept. 1862, in Osterwick. Sie wohnten angrenzend bei der
Dorfschule. Wie schon erwaehnt, beschaeftigte er sich anfaenglich mit Putzmuehlenfabrikation. seine Werkstatt hatte er auf seinem Hinterhof. seinn Sohn Johann arbeitete auch in dieser Werkstatt. Im Jahre 1894 baute er mit Klas. Harder, in Osterwick, eine zweistoeckige Dampfmuehle, in welcher gutes, weisses Mehl hergestellt wurde. Doch im Jahre 1899 verkaufte er seinen Teil, an Harder, und erwarb sich, 10 Werst suedwestlich von Osterwick ein groesseres Landstueck. Auf diesem Gut hatte er einen Verwalter, sie selbst wohnten in Osterwick. In der Revolutionszeit wurde sein Land, von den Russen in Besitz genommen. Seine Frau starb am 25. Maerz, 1919. Er starb im selben Jahr, am 17. Dec. an Typhus. Sie sind beide auf dem Friedhof, in Osterwick begraben worden.
   
Aus dem Buch Osterwick S. 117
     
     
    Jacob J. Dyck (#349198), geb. am 16. Juli, 1875, gest. den 2. Maerz 1921. Zu einer Zeit besass er eine Schlichtmuehle in Osterwick. Spaeter verkaufte er sie an Jul. Janzen und baute mit seinem Schwiegervater, D. Klassen (#103944), in Nikopol eine Dampfmuehle. (Osterwick S. 123)
     
     
    Es gab auch Muehlen mit Motorantrieb, in denen Mehl fuer Vollkornbrot hergestellt und auch Futterkorn gemahlen wurde. Sie duerfte von David D. Klassen der seines Zeichens ein Muehlenbauer war, errichtet worden sein. Spaeter erwarb Julius Janzen, ein Bauer des Dorfes sie. Zuletzt ging sie in die Haende Kusma A. Vetochin, den schon auf anderer Stelle erwaehnten Kaufmann, ueber. (Osterwick S. 111)
     
   
    Heinrich Funks Trettmuehle. (Osterwick S. 111)
     
   
   

Windmuehle Jacob Funk, verkauften Funks an Heinr. J. Rempel , spaeter erwarben Peter Sawatzkys sie. Wer der letzte Besitzer derselben war, ist mir nicht bekannt. (Osterwick S. 111)

Heinrich Rempel hatte im Jahre 1908 eine Windmuehle mit einen Wert von 1.000 Rubel in Osterwick (Liste 1908)

     
   
    Windmuehle Abram Schellenberg (1908). Schellenbergs wanderten etliche Jahre vor dem ersten Weltkriege nach Canada aus. In den 20ger Jahren gruendeten sie in Saskatoon, Sask. ein Grossgeschaeft (Wholesale), das auch heute noch unter dem Namen "Shelly Bros." besteht. Zugleich eroeffneten sie in der ganzen Provinz eine Reihe Kleingeschaefte die unter dem Namen "O.K. Economy". (Osterwick S. 111)
     
     
    Windmuehle Johann Sawatzky (frueher Abram Schellenberg) 1914 vom Blitz abgebrandt.(Osterwick S. 111)
     
   
   

Die dritte Windmuehle stand auf einer Anhoehe noerdlich vom Dorf. Im Jahre 1908 gehoerte sie Abram Rempel und spaeter eine Reihe von Jahren - Abr. I. Klassen. (Osterwick S. 111)

Abram Rempel hatte im Jahre 1908 eine Windmuehle mit einen Wert von 2.200 Rubel in Osterwick (Liste 1908)

     
   
   

Putzmuehlenbauer Johann Klassen. Unser Vater Johann Klassen war abwechselnd Bauer, dann Tischler, dann Baumeister. Der groesste Betrieb war die "Putzmuehlenfabrik", eigentlich nur groessere Werkstatt mit der Hoechstzahl von 30 Arbeitern. Dann wieder Bauer, manchmal auch alles zu gleicher Zeit. Da er sich auch mit Bau von Getreide-Elevatoren und Pfluegen und anderem landwirtschaftlichen Werkzeug abgab, wurde der Betrieb immer mehr erweitert. Bis Vater dann infolge von unerfreulichen Entwickelungen auf politischem, wirtschaftlichem und anderen Gebieten nach dem unglueckseligen russisch-japanischem Krieg kurz abbrach und Osterwick verliess (was wir Osterwicker "Patrioten" ihm nie ganz verzeihen konnten) und zunaechst nach Neu-Rosengart, sodann nach dem zerstoerten Neu-Kronsweide zog, um dieses wieder mit aufbauen zu helfen. Vater starb im Jahr 1935, wurde 74 Jahre alt. Bericht vom Sohn Peter Klassen, Photo. (Osterwick S. 116)

Johann Klaassen hatte im Jahre 1908 eine Tischlerei mit einen Wert von 3.900 Rubel in Osterwick (Liste 1908)

     
     
    David Klassen. Er war Baumeister und tat sich besonders durch den Bau von Windmuehlen hervor. Im Jahre 1872 hat er auch die Kirche in Osterwick erbaut. Photo. (Osterwick S. 123)
     
   
    Eines guten Rufes erfreuten sich zwei Stellmachereien (Wagenwerkstaetten) in Osterwick. Beide wurden mit Pferdegang (Rosswerk) in Betrieb gesetzt. Eine gehoerte Johann P. Dyck (#143318 anders) (1908), die andere Johann F. Schoenfeld (#208323). Johann P. Dyck (1841 - 1916) war ein Wirt, Dorfschulze in Osterwick anfang 1890, Konsummitglied. (Osterwick S. 111, 122)
     
     
    Faerberei Abram P. Harms (Diakon) und stand auf der Kreuzung der Grossen- und Enjlandstrasse. Landwirt betrieb die Faerberei als Nebenberuf. (Osterwick S. 112)
     
     
    Faerberei Johann K. Braun (#494965) (geb. am 24. Juli, 1870 in Osterwick. gest. den 2. Febr. 1920) stand an der Schoenhorsterstrasse. Seine Werkstatt hatte er auf seinem Hof. Landwirt betrieb die Faerberei als Nebenberuf. (S. 112), Photo. (Osterwick S. 123)
     
     
    Jacob J. Neudorf Ziegelei. (Osterwick S. 124)
     
     
     
    Schuster Schmieling Schuchman, ein Bruder des auf anderer Stelle erwaehnten Schnieda-lsaak. (Osterwick S. 112)
     
     
    Niederlein war laengere Jahre Schuster des Dorfes. Er war Reichsdeutscher und gerade vor dem ersten Weltkrieg zurueck ins Heimatland. (Osterwick S. 112)
     
     
    Nach dem ersten Weltkrieg eroeffnete Franz Teichroeb eine Schusterwerkstatt in Osterwick. Spaeter wurde er Feldscher-Veterinaer im Kolchos. (Osterwick S. 112)
     
     
    Podorwan, ein Russe und Mitglied der russischen Stundistengruppe in Osterwick, viele Jahre in der dem Dorfe gehoerenden Schmiede dieses Handwerk betrieben, wurde auch ein Opfer des "Grossen Sterben", der Typhusepidemie. (Osterwick S. 112)
     
     
    Jankel, ein Sohn Schnieda-lsaaks, war Schmied von Beruf. Er betrieb seinen Beruf der Schmiede der gewesenen Johann D. Klassens Werkstaette. Er musste diese schliß als er zum Militaer einberufen wurde, und waehrend des ersten Weltkrieges als Solddat der russischen Wehrmacht gekaempft hat. Ob er nach dem Kriege nach Osterwick zurueck kehrte, ist mir nicht bekannt. (Osterwick S. 112)
     
     
    Schneiderwerkstaetten: Nachdem Isaak Schuchman das Handwerk aufgegeben hatte war "Schnieda-Jehauntji" der fuehrende Schneider des Dorfes. Auch er war juedisicher Konfession. Er war klein von Wuchs, daher wohl der Name, sein Familienname war Levin. Ich habe ihn als einen stillen Mann in Erinnerung. Nach seinem Tode fuehrte sein Sohn Henoch das Geschaeft weiter. Auch dieser ist schon vor einer Reihe von Jahren gestorben. (Osterwick S. 112)
     
     
    Ausser diesen war da noch ein Schneider Masin, auch ein Jude. Ich hatte immer den Eindruck, das er beim Verteilen der Gaben etwas zu kurz gekommen war. Er ist nie auf den gruenen Zweig gekommen. (Osterwick S. 112)
     
     
    In allen Traenken Osterwicks gab es Fische. Das Dorf verpachtete die Fischerei Gerhard Sawatzky, ein Bauer des Dorfes, betrieb diese als Nebenberuf und hat viele Jahre die Traenken in Pacht gehabt und manch einen Osterwicker mit frischen Fischen versorgt. (Osterwick S. 112)
     
     
    Zu Anfang dieses Jahrhunderts legte Abram D. Paetkau auf dem alten Koegel seines Vaters einen etwa 2 Desjatinen (=5.4 acres) grossen Obstgarten an. Er spezialisierte sich auf Winteraepfel, die, als der Garten erst ertragfaehig war, auch guten Absatz fanden. Eine uns erhaltene Photographie zeigt, wie solche zum Versand in Kisten verpackt werden. (Osterwick S. 112)
     
     
    Die einzige professionelle Einrichtung (ausser den Schulen) in Osterwick war Apotheke. Etwa um 1907 oder 1908 liess Jacob J. Friesen an der Strassenseite seines wesens an der Grossen Strasse ein zweistoeckiges Ziegelhaus bauen. Im unteren Stock richtete Herr Gesseliew, ein Drogist, eine Apotheke ein. Der obere Stock diente und seiner Familie als Wohnung. (Osterwick S. 112)
     
   
   
Der Konsum (Osterwick)
     
    Der Konsum. Wie schon erwaehnt, es duerfte um das Jahr 1902 gewesen sein, als der "Konsumen Erfolg" (russ. Obschtschestwo Potrebitelej Uspech) gegruendet wurde. Er war algemein unter dem Namen Konsum bekannt. Das Unternehmen trug seinen Namen mit recht. In wenigen Jahren ehtwicketle es sich zu einem der groessten und solidesten Kaufladen der alten Kolonie.
Eine Liste mit den Namen der Gruender ist uns nicht erhalten geblieben. Wir koennen aber mit Bestimmtheit annehmen, dass die Namen wie Dietrich B. Schulz, Peter D. Schulz, Johann P. Dyck, Johann J. Dyck, Johann J. Neudorf, Jacob J. Friesen unter dennen gewesen sind. Das Mitgliedsbuechlein meines Vaters trug die Nummer 27. Soweit ich mich zurueckerinnere, war er Mitglied seit Bestehen der Co-operative. Der erste Vorsteher des Konsums war Wilhelm Klassen, ein Bauer des Dorfes. Nach einem Jahre gab er aber den Posten auf und Abram Froese von Rosental wurde sein Nachfolger. Auch dieser blieb nur ein Jahr, und wieder wurde Wilhelm Klassen der Leiter des jungen Unternehmens. Den Erfolg desselben hatten die Mitglieder in erster Linie diesem Manne zu verdanken. Er war ein tuechtiger Geschaeftsmann, der den Ruf hatte sich von keinem Juden uebers Ohr hauen zu lassen, besonders wenn es sich um Schnittwaren" (Textilwaren) handelte.
Wilhelm Klassen war nicht unerfahren, in Handelsangelegenheiten. Er war ein Sohn von Hoerklassens (Heetjakloasses), die in Kronstal einen Kaufladen betrieben hatten und hatte von Kindheit auf Gelegenheit gehabt Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sammeln. Oft fuhr er bis Warschau, dessen Webereien weit und breit bekannt waren und auch Lodz, dessen Lederwaren sich eines guten Rufes erfreuten, um persoenlich, die hier dem Konsum benoetigten Waren zu waehlen und Bestellungen zu machen. Nicht lange blieb der Konsum auf der vorher erwaehnten Stelle. Schon nach wenigen Jahren seines Bestehens war er in der Lage, nur etliche Hofstellen oestlich von ersterer, ein gerauemiges, modernes Geschaeftshaus zu errichten, das noch heute besteht und als Verkaufsstelle benutzt wird.
Wilhelm Klassen blieb Leiter des Konsums bis zu seinem Tode am Typhus am 12. Februar 1920. Sein Nachfolger wurde David D. Klassen, ein langjaehriger Verkauefer deselben. Als die Sowjetregierung die Enteignung aller Privatunternehmen durchfuehrte, fiel der Konsum dieser zum Opfer.
   
Aus dem Buch Osterwick S. 113
   
Foto, Ehemalige Konsumladen wird noch als laden genutzt 1999. DS 187
    Konsumhandlung mit einen Wert von 22.200 Rubel in Osterwick (Liste 1908)
     
     
    Osterwicks Kaufladen ca 1902 aufgegeben Namen unbekannt. (Osterwick S. 113)
     
     
    Gesaeft "Kusma" Andrejewilsch Vetochin gest 1943. Russe, "Starover", sehr menschenfreundlich, einer bedeutende Geschaeftsmann in Osterwick. (Osterwick S. 114)
     
     
    Isaak Schuchman. Gleich neben dem Konsum, nur durch eine schmale Gasse getrennt, war der kleine Kramladen des Isaak Schuchman. Er war seines Zeichens eigentlich ein Schneider. Als er aelter wurde, gab er das Handwerk auf und folgte der Neigung, die so vielen seiner Rasse (er war alttestamentlicher Jude) eigen ist und eroeffnete einen kleinen Laden, in dem man gesalzene Heringe, grtrocknete Fische, Limonaden, Zuckerwerk, Bier, Wein und andere Kleinigkeiten haben konnte. Der Laden war die ganze Woche hindurch, weder Samstag noch Sonntag ausgeschlossen, offen. (Osterwick S. 114)
     
     
    Johann J. Kasdorf (#531720?)(1826- 1907) Podwodzeit, 2 mal Schulze von Osterwick, Wolostsrichter. Photo. (Osterwick S. 129)
     
     
     
    1. Osterwick 1812-1943 J. Neudorf, H. Neudorf, D. Rempel. 1973. Clearbook. B.C.
    2. Bericht der Chortitzer Wolostverwaltung ueber das Vermoegen der Handel- und Gewerbetreibenden im Jahre 1908 Michael Penner. 2005
    3. Diese Steine A. Reger und D. Plett 2001. Manitoba
   
Zuletzt geaendert
   
am 26 Dezember 2005