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Brief von Donskoje, Neu Samara, in der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 30. September 1908, Seite 7

 

Abgeschrieben von Lydia Friesen (geb. Esau) (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 30. September 1908, Seite 7. (gotisch) von Lydia Friesen (geb. Esau).

 

 

Donskaja, Gouv. Samara, den 14. Aug. Endlich ist auch für die Neu-Samarer Ansiedlung eine Fortbildungsschule in Sicht! Das Bedürfnis nach einer solchen bestand ja schon lange; weil aber der Sache von vielen Personen Mißtrauen entgegengebracht wurde, so schob man sie bislang auf "bessere Zeiten" hinaus. Einzelne suchten sich dann wohl selbst zu helfen, indem sie ihre Söhne einmal dem Herrn Korn. Neufeld, zur Zeit auf Dawlekanowo, Gouv. Ufa, anvertauten, ein andermal sich einen Gymnasiasten der 7. Klasse kommen ließen, die, nebenbei bemerkt, beide gute Erfolge erzielten; doch zu etwas Beständigem kam man nicht. Da versammelten sich am 15. Dezember v. J. einige Freunde der Sache im Pleschanower Schulhause und es wurden mehrere Personen mit den nötigen Vorarbeiten betraut. Diese verschafften sich die Vereins- und Schulstatuten mehrerer Zentralschulen und warben Mitglieder, und so wurde am 12 März d. J. die erste Mitgliederversammlung abgehalten. Nachdem die Verwaltung gewählt, das Schulgeld auf 25 Rubel festgetzt und über ein paar ein andere Fragen beraten worden war, ging man an die Entscheidung der Ortsfrage. Ea kamen drei Dörfer in Frage: Lugowsk, Pleschanow und Donskaja. Nun wurde längere Zeit verhandelt, bis schlißlich die Ballotage mit 37 gegen 17 Stimmen für Donskaja entschied. Jetzt wurde die Frage laut: woher bekommen wir einen Lehrer? Da angenommen werden mußte, daß sich für unsere einstweilen bescheidenen Verhältnisse recht wenig Liebhaber finden dürften, so wurde dem Lehrer von Bogomasow, Hein. Willms den Antrag gestellt, die Schule zu übernehmen, worauf dieser einging. Herr Willms blickt auf eine siebzehnjährige Thätigkeit zurück, und er dürfte nach Ansicht des Verfassers auch für die neue Stellung nicht ungeegnet sein. Zum Schullokal wird fürs erste Jahr das Lugowsker alte Bethaus eingerichtet. Im nächsten Jahr wird  ma?? hoffentlich ein Haus bauen.
Die Erntearbeiten sind in vollem Gange. Mit dem Mähen wurde am 15. Juli begonnen. Obgleich es damit anfangs recht langsam ging, so war doch nach zwei und einhalb Wochen alles gemäht. Jetzt ist schon vieles gedroschen, ja manche pflügen bereits das abgeerntete Land. Der Ernteertrag ist weit besser, als man noch vor wenigen Wochen erwartete. Denn da wir vom 13. Mai bis 23. Juli - von ein paar Spritzregen abgesehen - keinen Regen hatten, so rechnete mancher schon stark mit einer Ernte, wie vor zwei Jahren. Weil aber das Wetter meistens kühl war, so hofften die meisten doch, daß es noch etwa drei Tschetw. geben könne. Jetzt aber sehen wir, daß es fünf bis sechs giebt. Gott macht an uns Jes. 28, 29 wahr. Ihm sei Dank!
J. B--nn.
Nachschrift am 15. Aug. -- Heute nacht ist alles steifgefroren. Das Thermometer zeigt 1. Gr. R.

   
Zuletzt geändert am 27 September, 2020