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Brief von Peter Abram Wittenberg, Donskoje, Neu Samara, in der "Mennonitische Rundschau" vom 27. Dezember 1922, Seite 9

 

Abgeschrieben von Lydia Friesen (geb. Esau) (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 27. Dezember 1922, Seite 9. (gotisch) von Lydia Friesen (geb. Esau).

 

 

Werter Herr Neufeld!
Ich bitte Sie, verschiedene Erkundigungen für mich freundlichst einzuholen. Ich habe in Amerika einen Vetteronkel mütterlicherseits, mit Namen Kornelius Wittenberg, früher wohnhaft gewesen im Terek, Südrussland. Meine Mutter war eine Anna Joh. Braun, Karassan, Südrussland, und der Vater Abraham Abraham Wittenberg ebenfalls wohnhaft gewesen in der Krim, im Dorfe Karassan, 12 Werst ab von Bahnstation, "Kurman - Kemeljtschie". Im Jahre 1894 zogen sie aus der Krim nach Neu - Samara, Busuluker Kreis, Dorf "Donskaja" bis jetzt 1922. -- Die Eltern fuhren im Spätherbst 1918 nach Sibirien zur sogenannter Barnauler Ansiedlung zu den Kinder (meinen Geschwistern) und wurden durch den Bürgerkrieg, der inzwischen ausgebrochen war etwa 2 jahre festgehalten. Die Mutter wurde daselbst krank, und starb am 15. November 1919. -- Der Vater konnte endlich nach 2jähriger Abwesenheit heimkehren. Er kam im August 1920 nach Hause. -- Er wurde im Januar 1922 auf´s Krankenlager geworfen und starb an Fleckentyphus am 10. Februar 1922. Er war alt geworden 73 Jahre. -- Ich war abwesend, denn ich war im Auftrage unserer Ansiedlung nach Sibirien gefahren, um Brot für unserer hungernden Brüder zu holen, und kehrte erst nach 6monatlicher Abwesenheit heim, indem es mir mit noch andern Brüdern zusammen gelungen war, etliche Waggon Weizen für Kleider einzutauschen, und selbigen nach unserer Ansiedlung zu bringen, wo selbiger schon spät im Frühjahr eintraf, zum Aussäen zu spät, aber da viele keinen andern, oder nur sehr wenig Weizen zum säen hatten, so wurde eben von diesem Weizen ausgesät, in der Hoffnung, der viele Regen, der ja doch kommen würde, würde ihn schon aus dem Erdboden ziehen. Aber unsere Hoffnung ist zu Schanden geworden, denn der Regen ist ausgeblieben, und der Weizen der so spät gesät, und zudem noch in Stoppel eingedrillt war, verspricht fast überall nur die Aussaat zurückzubringen. Wovon wieder das ganze Jahr leben? Unsere Familie besteht aus 8 Seelen; meine Frau eine geborene Margaretha Gerhard Martens, geb. in Friedensdorf, Gouv. Taurien, unser ältester Sohn Abram 18 Jahre alt, unser zweiter Sohn Peter 16 Jahre als, Tochter Tina 14 Jahre alt, Tochter Agaetha 9 Jahre alt, Sohn Alexander 6 Jahre alt, und Tochter Lydia 4 Jahre alt. -- Unser jüngstes Töchterlein Margaretha, im Alter von 14 Monaten, starb vor drei Wochen an Lungenentzüdung. --
Wir möchten auch so gerne nach Amerika gehen. Wir würden es so gerne sehen, wenn von unserer Freundschaft dort sich solche finden möchten, die uns könnten Freikarten schicken. -- Wir würden in Amerika herzlich gerne abarbeiten, was wir schuldig werden müßten. --
Es muß in Amerika noch ein Vetteronkel Lenzner sein soviel uns bekannt ist, in der Stadt Winnipeg, Man.
Im Voraus dankend Ihr
Peter Abraham Wittenberg. Gouv. Samara, Post Pleschanovo.

 

 

Auszug aus einem Privatbrief von Peter Abram Wittenberg, Donskoje, Neu Samara, in der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 6. September 1922, Seite 13. Abgeschrieben von Lydia Friesen (geb. Esau).
   
Zuletzt geändert am 12 Oktober, 2019