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Brief von Heinrich und Agatha Kliewer, Dolinsk, Neu Samara, in der "Mennonitische Rundschau", vom 24. April 1901, Seite 6

 

Abgeschrieben von Lydia Friesen (geb. Esau) (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 24. April 1901, Seite 6. (gotisch) von Lydia Friesen (geb. Esau).

 

 

Samara, Dolinskoje, den 8. März. 1901. Zuvor einen Gruß an den lieben Editor und alle Rundschauleser. Weil wir nicht die Adressen aller unserer Bekannten und Verwandten haben, so dachte ich, sei es vielleicht am besten, wenn wir unsere Trauerbotschaft durch die "Rundschau" veröffentlichen. Unsere liebe Mutter ging am 10. Dezember, 1900, 2 Uhr Nachts in die ewige Seligkeit ein, dahin, wo kein Schmerz noch Leid mehr sein wird. Sie litt an einer schmerzenhaften Krankheit (Krämpfen), welche ihren sehr plötzlichen Tod herbeiführte. Ja, des Abends fühlte sie noch munter, und des Nachts um 2 uhr war sie eine Leiche. Wir konnten nicht einmal Abschied von ihr nehmen. Aber wir trösten uns damit, daß wir uns einst in der Ewigkeit wieder treffen werden, denn sie hat uns  den Trost hinterlassen, daß sie selig sterbe. Sie sagte noch kurz vor ihrem Tode, daß sie ganz bereit sei zum Sterben. Sie ist alt geworden, 43 Jahre und 7 Tage, geboren zu Liebenau im Jahre 1857, den 3. Dezember und hat in der Ehe gelebt 21 Jahre, und sie ist Mutter geworden über 11 Kinder, von welchen ihr fünf vorangeelt sind. Nun hat der Herr sie erlöst von allem irdischen Weh, und sie in sein himmlisches Freudenreich versetzt. Uebrigens erfreuen wir uns allesamt guter Gesundheit, nur der Vater war bisweilen ein wenig kränklich. Ist aber jetzt schon wieder gesünder. Vier Kinder sind noch zu Hause, der jüngste Bruder ist zwei Jahre alt.
Nun komme ich im Geiste zu euch, l. Freunde, in Amerika und frage, warum ihr nicht einmal schreibt. Jakob Funcken, Minnesota, es ist uns sehr schade, daß ihr nicht konntet zu uns kommen, als ihr in Rußland waret, so bitte ich euch, wenigstens brieflich zu uns zu kommen. Die Photographie und die übrigen Sachen haben wir alle erhalten. Peter Heinrichs, Minnesota, habt Dank für euren Brief, den wir den 5. Januar 1901 erhielten. Wir hatten schon etliche Male an euch und an Jakob Funcken geschrieben, aber keine Antwort, erhalten. Sind unsre Briefe nicht hingekommen, oder wollt ihr nicht schreiben? Kornelius Voth, Johann Franz und Gerhard Kliewer, warum schreibt ihr nicht einmal? Ich suche jede der "Rundschau" Nummer durch, ob nicht von euch Amerikanern etwas darinnen ist, aber vergebens. Nun gehe ich zurück nach Rußland, und zwar nach der Krim. Onkel Heinrich kliewer, warum schreiben sie nicht einmal? schicken sie uns bitte ihre Adresse. Peter Unruh, Spat, kann einen Gruß vom Vater an dich abgeben. Er läßt auch um ein Schreiben von dir bitten. Nun komme ich zu unserm gewesenen Nachbarn, Abraham Dück. Ihr werdet wohl fragen, wer ich sei. Daß ich nicht einmal geschrieben hab, werde ich euch gleich sagen. Schickt nur die Adressen, dann werde ich gleich schreiben. Abraham und David, denkt einmal 10 Jahre zurück, dann werdet ihr wissen, wer eure Nachbar in Rudnerweide war. Weil ich nun schon auf der Wanderschaft bin, so reise ich aus der Krim nach der Kolonie und zwar nach Rudnerweide. Zuerst komme ich zu unsere Großmutter. Was machen sie denn ganz allein? Wir würden uns sehr freuen, einmal einen langen Brief von ihnen zu bekommen. Auch von Onkel Heinrich Block und Onkel Kornelius Kliewer würden wir gerne Nachricht erhalten. Und ihr l. Großeltern Andreas Blocken, in Orenburg, wir wünschen euch eine schöne Gesundheit und das beste Wohlergehen. Johann und Peter Bergmanns, Jakob Kliewer und Peter Boldten, wir bitten euch alle um Briefe. Abraham Bergmanns und Johann Dück, Selenaja, bitten wir um Lebenszeichen.
Grüßend,
Heinrich und Agatha Kliewer.
Unsere Adresse ist wie folgt: Peter Kliewer, Kol. Dolinskoje, Station Sorotschinskaja, Gouv. Samara, Rußland.

 

 

Brief von Peter Kliewer, Dolinsk, Samara, aus der "Mennonitische Rundschau" vom 29. Juni 1898, Seite 3.

Brief von Heinrich und Agatha Kliewer, Dolinsk, Samara. In der "Mennonitischer Rundschau" vom 8.05.1907, Seite 6 - 7.

   
Zuletzt geändert am 1 April, 2019