Vogt - Mennonitische Ahnenforschung

Ausgewählte Auszüge von Ed. Esther Bergen aus Winnipeg, Manitoba in „Der Bote“

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

22 September 1993, Nr. 35, S. 11

(mehr s. das Buch von R.Friesen „Aus Preussen über Russland und Turkestan nach Amerika. Tagebücher von Elizabeth Schultz und Johannes Jantzen“ )

Welch ein Erbgut! (What a Heritage)

Ausgewählte Auszüge von Esther Bergen

Winnipeg, Manitoba

Das Buch „Welch ein Erbgut“...Heritage) wurde von Elizabeth Unruh Schultz geschrieben und von ihrer Großtochter, Annie Schulz Keyes, aus dem deutschen Original ins Englische übertragen. Elizabeth Schultz beschreibt ihre höchst interessante Lebensgeschichte, aus ihrer Kindheit bis zum hohen Alter. In folgender Serie möchte ich einige Begebenheiten und Erfahrungen, besonders aus der Zeit des Auszuges ihrer Familie aus Rußland nach Mittelasien, beschreiben.

Zuerst einiges aus ihrer Kindheit. Elizabeth Unruh wurde am 7 Oktober 1886 in Heinrichsdorf, Rußland, geboren. Sie war das älteste Kind ihrer Eltern, Cornelius Unruh. Als sie heranwuchs, war Elizabeth ein wackeres, aufgewecktes Kind, die viel Freude und Interesse am Leben zeigte. Ab und zu wurden ihr diese Eigenschaften zum Verhängnis. An einem Sonntag, während Elizabeth und ihre Schwester in den neuen Holzschuhen einen Spaziergang machten, ging Elizabeth aus Neugier zu nahe an einem Graben voll Wasser, trotzdem es die Eltern verboten hatten. Sie stolperte, und Kind und Schuhe fielen ins Wasser. Nicht nur Kind und Schuh`, sondern auch das neue Sonntagskleid waren durchnäßt. Glücklicherweise gelang es dem Dienstmädchen sämtlichen Schaden gutzumachen, ehe die Eltern von diesem Unfall erfuhren.

Als Elizabeth etwa neun Jahre alt war, zogen die Eltern mit der ganzen Familie der Molotschna Mennonitenkolonie, wo sie im Dorfe Gnadenheim fünf Jahre ansässig waren. darauf faßten ihre Eltern mit anderen Molotschnaern den Entschluß, sich der „Asienreise“ anzuschließen. Wirtschaften wurden verkauft und viele Vorbereitungen für dieses große Unternehmen gemacht.

Der Beweggrund dieser Reise ist uns aus der Mennonitengeschichte wohl bekannt, nämlich

1. Der von der russischen Regierung neu eingeführten Militärpflicht zu entrinnen und

2. Chiliastische Neigungen, die einen Zufluchtsort der Gemeinde Jesu Christi im Osten zu finden.

Die Einzelheiten der Vorbereitungen werden von verschiedenen Geschichtlern nicht einheitlich mitgeteilt. Elizabeth U. Schultz erzählt recht ausführlich, wie man sich zu solch einer Reise vorbereitete. Sie schreibt: „Zuerst wurden natürlich die Wirtschaften mit ihrem bäuerlichen Hab und Gut verkauft. Wir mußten auch daran denken, daß der Wagen wochenlang – vielleicht monatelang – unser heim sein würden, und sie mußten demgemäß gebaut werden. Vorne und hinten wurden Kasten für Kochgeschirr, Essen, Wasserbehälter und Pferdefutter angemacht. Unter dem Wagen wurde eine Laterne befestigt; über die hintere Radachsel ein Klapptisch und Stühle mit Ketten angehängt. (Beim Fahren machte dieses alles ein ungeheures Gerassel und Geklirr). Das Pferdegeschirr mußte in bester Ordnung sein. Auch viel anderes Proviant wurde herbeigeschafft.“

„Die Mütter hatten nicht weniger Arbeit. Brot und Zwieback wurden gebackt und geröstet. Frucht wurde getrocknet; Bohnen und Gerste zum Kochen zubereitet; Schweinefleisch geräuchert werden. Kleider wurden genäht und eingepackt. Man mußte sich mit unzähligen Kleinigkeiten versorgen. Jede Familie hatte ihr eigenes Zelt, worin sie essen und schlafen würden. Für mich schien es ein interessantes Abenteuer zu werden. Bald war die Zeit zur Abreise da. Doch die schmerzhafte Trennung von lieben Familiengliedern war für mich unvergeßlich. Würde man sich jemals wiedersehen?“

Fortsetzung folgt. (leider trotz meiner Recherche, konnte ich keine Fortsetzung finden – E.K.)