Vogt - Mennonitische Ahnenforschung

Gaben für die Auszugsgemeinde und Nachrichten aus Asien in "Christlicher Bundesbote" vom

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

15 Januar 1883, Nr. 2, S. 5;

1 April 1883, Nr. 7, S. 6 und

15 Juni 1883, Nr. 12, S. 5 - 6

15 Januar 1883, Nr. 2, S. 5

Gaben für die Auszugsgemeinde in Central Asien.

Sind bei der Redaktion eingegangen und an den Bestimmungsort weiterbefördert, wie folgt:

Von der Gemeinde bei Springfield, Dakota für die –

Gemeinde des Aeltesten Jacob Janzen, Asien - $ 20.

Von Corn. Unruh, Dakota für –

Corn. Eckert, Asien - $ 28.

1 April 1883, Nr. 7, S. 6

s. - Korrespondenz von E. Riesen aus Chiwa (entnommen aus dem „Gemeindeblatt“) in der "Mennonitische Rundschau" Nr. 16 vom 18. April 1883.

15 Juni 1883, Nr. 12, S. 5 – 6

Nachrichten aus Asien.

(einem Privatbrief entnommen.)

Mennoniten Ansiedlung am Amu – Darja, 12. März a. St. (alter Stil – E.K.), 24. März n. St. (neuer Stil – E.K.) 1883.

Meine Gedanken sind öfters im fernen Amerika, wo so viele meiner Verwandte und Freunde und Glaubensgenossen leben. Und wir ziehen im fernen Asien umher und können keine Ruhestatt finden. Anfangs Oktober vorigen Jahres kamen wir an unserm jetzigen Aufenthaltsorte an; in einigen Wochen hatten wir uns warme Winterquartiere gebaut, freilich nur roh gezimmerte Erdhütten, aber sie haben uns die nöthigen Dienste geleistet, wir dachten nun an`s Pflügen, an eine mehr planmäßige Ansiedlung; da erhielten wir Anfangs März den befehlt, uns in 12 Tagen reisefertig zu machen, um Chiva zu verlassen, darauf schickten wir sofort 3 Brüder nach Petro – Alexandrowsk, denen General Grottonhelm mittheilte, daß ihm der Generalgouverneur von Turkestan eine Depesche übermittelt hätte des Inhalts, daß er keine Mennonitenansiedlung am linken Ufer des Amu – Darja wünsche. Infolge dessen mußte uns der Chan von Chiwa genannten Befehl zukommen lassen. Der uns wohlwollende General Grottonhelm hat dem Chan befohlen, uns noch bis zum 1. April zu dulden. Dies ist in Kurzem unsre gegenwärtige Lage. Zwei einhalb Jahren wandern wir schon, und es hat den Anschein, daß unser Fuß noch nicht ruhen soll! Wir finden nicht, was wir suchen: einen Ort, wo wir in Geduld dem Herrn Jesu nachfolgen durften. Durch das lange Reisen sind unsere Geldmittel fast erschöpft, die Reicheren der Brüder haben in der großherzigsten Weise den zahlreichen unbemittelten von dem Ihren dargeboten, haben mit ihnen getheilt. Wieder werden wir vom Pflügen abgehalten; Gott weiß wie es werden wird; aber ja, Er weiß es und erbarmet sich aller seiner Geschöpfe.

Haben Sie dort volle Gewissensfreiheit? Findet keine Verpflichtung zu staatlichen Dienstleistungen statt? Wird man nicht gezwungen persönlich an der Gerichtsbarkeit des Landes theilzunehmen, an Schwurgerichten und örtlichen Gerichten?

Gott helfe auch uns, unser Weg führt durch tiefe Wasser. Aber das ewige Reich Jesu Christi bleibt. Ich frage mich oft, woher es kommt, daß es uns so geht, und kann nicht genugende Antwort finden. Läutert der Herr nur? Oder widersteht Er? Wunderbar ist sein Hülfe auf den vielen Reisen. Immer hat Er uns behütet. Niemand hat besondern Schaden genommen, und doch haben wir 4000 Werst gemacht, sind durch Wüsten gezogen, haben reißende Flüsse passiert, sind auf Kameelen weiter gewandert und zu Wasser gereisst. An Krankheiten sind ungefähr 100 Personen erlegen (darunter 60 – 70 Kinder.) Auch wir haben eins abgegeben.

Ein lieblicher feiner Knabe war unser Peter. Er ruht nun in bucharischer Erde, innerhalb eines alten Festungsvierecks, seine Seele beim Lammerhirten. Ihm ist wohl. Er ahnte dem, nach dem er hieß: ich meine meinen Vater. Wir haben ihn aber gewöhnlich Petrus genannt, und er war auch ein kleiner felsenmann; lange hat sich sein kräftiges Leben gegen die schleichende Klimakrankheit, der so Viele, so Viele erlegen sind, gewehrt, bis er am 14. November 1882 (einen Tag vor meinem Geburtstage) erlöst wurde. Ja, alle Gefangenen Zions wird der Herr erlösen. O, barmherziger Herr, laß mich auch Dein Gefangener sein! Wohl haben wir schweren Stand, aber am schwersten ist`s um die eigene Geduld. Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht, spricht Jesu Mund; aber das Joch, das wir uns durch Zärtlichkeit gegen unsern Willen auflegen, das ist nicht sanft und nicht leicht. So bleibt uns den kein anderer Weg als: Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünden zu vergeben, das ist der Weg, darauf auch die Thoren nicht irren mögen. Ich habe oft keine Freudigkeit zum Schreiben finden können; ich habe oft nicht die nöthige Ruhe und Klarheit in mir gehabt. Nun, Gott wird ja um des Todes Jesu Christi willen alle zerstreuten Kinder Gottes zusammenbringen, dann werden wir die wunderbaren Wege Gottes anbeten und das Lamm preisen, das uns durchgebt: Und Gott wird ja bald nach Seinem Wort Seine Verheißungen erfüllen und wird kommen uns zu sich nehmen, damit wir sind, wo Er ist, dann wird Er abwischen alle Thränen von unsern Augen. Er helfe uns, daß wir nur Treue und Glauben bewahren unter allen Umständen, daß wir nur Ihm leben und sterben. Der Feind lockt und tobt, schreckt und schmeichelt, kommt mit Lust und Last dieser Welt, unsre Herzen zu bestricken und niederzureißen. Er verdeckt Jesu Wort, um uns zum Klein- und auch zum Unglauben zu verführen und uns des ewigen Lebens zu berauben. Dieser Kampf ist hüben und drüben. Wir müssen unsere Zuflucht zu Jesu, dem Hohenpriester nehmen, der uns versöhnt und gerecht gemacht hat vor dem Vater. Ach, daß wir doch den Kampf alle siegreich beständen in unseres Mittlers Kraft; daß wir in Bekenntniß und Leben, in Wort und Wandel ihm recht treu nachfolgten , damit wir durch seine Gnade die Krone des Lebens empfangen. Da ich nicht weiß, ob Sie über unsern Zug schon Nachricht haben, so will ich einen kurzen Ueberblick unserer Reise geben. 1880 Mitte August verließen wir den Trakt; der erste Zug war ungefähr zwei Monate früher abgezogen. Nach uns fuhren die Molotschner Brüder, 60 Wagen. Am 24. November kamen wir in Kaplanbek an, das ist eine kleine Kronsbesitzung, 20 Werst von der Stadt Taschkent, lieblich gelegen. Dort trafen wir die Geschwister des ersten Zuges, die für uns schon Wohnungen fertig gemacht hatten. Die Molotschner erhielten in Taschkent Winterquartier. Im Monat Mai trennten sich die Trakter von den Molotschnaern wegen besondern Auffassungen der Taufe und des Aeltestenamtes. Das war traurige Zeit; dazu fanden wir auch nicht die gehoffte Freiheit. Da entschlossen sich die Kaplanbeker nach Buchara zu gehen, trotzdem wir und auch eine Deputation, die wir dorthin geschickt hatten, abschlägige Antwort erhielten. Am 24. Juli 1881 verließen wir den achtmonatlichen Aufenthalt Kaplanbek und fuhren nach Buchara. Das war ein schwerer Weg für uns, und besonders auch für mich. Wir haben manche Thorheit begangen und manche Züchtigung erhalten. Die Gemeine glaubte in Buchara müsse unser Plätzlein sein, aber es war nicht also. Nach vielen Hin- und Herzugen wurden wir am 29 November mit Gewalt in das nächste russische Dorf gebracht, wo wir nothdurftige Winterquartiere fanden (durch Vorsorge der ruß. Regierung.) Hier trennte sich die Gemeinde wieder. O, eine schwere, schwere Zeit, wo Satan triumphierte. Am 1. September 1881 fuhr der letzte Zug unserer Geschwister vom Trakt ab mit 70 Wagen. Dieser Zug gelangte nur bis zur Stadt Turkestan, trotz den allergrößten Anstrengungen war es nicht möglich, weiter zu kommen. Der Schnee schob sich vor dem Wagenkasten zusammen. Sie hatten bis 25° Kälte ausgehalten. Zwei jungen Leuten sind einige Zehen verfroren, sonst sind keine Vorfälle vorgekommen. In Turkestan fanden die Geschwister geräumige Winterquartiere. Auch unter diesen geschah im Winter eine Trennung; 12 Familien entschlossen sich, nach Aulie – Ata zu reisen, wohin die Molotschnaer auch ziehen wollten. (Aulie – Ata ist ein Städtchen nördlich des schneebedeckten Kara – Tau – Gebierges, Taschkent liegt südlich von demselben), doch blieben jene Geschwister im Abendmahl vereinigt. Aus der ganze Zug im Frühjahr 1882 Turkestan verließ, fuhren die 12 Familien, als die andern wegen des schlechten Weges liegen blieben, weiter; der größere Theil fuhr später nach Taschkent und von da zu uns an die bucharische Grenze. Von Samarkand aus erhielten wir durch Unterbeamte Weisung und Empfehlung nach Chiwa. Drei Brüder ritten dahin (850 Werst) und brachten uns die willkommene Nachricht, daß wir dorthin kommen dürften und Land und Freiheit erhalten wurden. Am 28. August 1882 brachten wir nun von Sarabulak 60 Familien stark auf. Wir durchzogen bucharischen Emirs Land mit unsere Wagen auf sehr schlechten Wegen, anfangs von zahlreicher bucharischer Reiterei begleitet, bis zum Städtchen Porakal. Hier wurden die Wagen abgerüstet, auseinander genommen, und sammt Kisten, Kasten, Weiber und Kinder auf Kameele geladen. 400 Kameele und 100 Pferde bewegten sich durch die traurige Sandwüste. Ein eigenthümlicher und stellenweise gefährlicher Ritt. Weithin ist die Gegend mit wüsten Sand bedeckt, aus dem hier und da halbverschütte Wohnungen traurig hervorstarren. In drei Tagen waren wir am Strom. Auf acht langen, schmalen Schiffen, Kaik genannt, ließen wir uns hinab treiben. 14 Tage dauerte die Fahrt, durch starke Winde wurden wir oft aufgehalten. Anfangs Oktober vorigen Jahres landeten wir da, wo wir jetzt wohnen. Nach einigen Wochen sollen wir nun wieder fort, wohin? Gott weiß es. Man hofft wohl auf zurücknehmen des Befehls, aber, es ist doch keine gewisse Hoffnung. Wir stehen in Gottes, unseres Herren und Heilandes Hand; Er mache uns stark, im rechten entfaltigen Glauben auszuharren, damit Er uns zu sich in Sein herrliches Reich aufnehmen kann. Ich muß noch bemerken, daß uns am ersten Tage der Schifffahrt eine Maria geboren wurde, auf offenem Boot unter freiem Himmel. Es ist ein liebliches Kind und gedeiht sichtlich. Was Gott will erhalten, darf nicht erkalten. Für jetzt dem Herrn befohlen. Nur treu, nur treu; Er der allein Treue mache uns so und erhalte uns in seiner Gnade. Bald ist der saure Lauf vollendet. Die Gnade Jesu Christi sei mit uns Allen.