Vogt - Mennonitische Ahnenforschung

Nachrichten über die Auszugsgesellschaft, Buchara in "Christlicher Bundesbote"

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

vom 1 Februar 1882, Nr. 3, S. 6

Asien.

Nachrichten von der über die russische Grenze hinaus in die Bucharei gezogenen Mennoniten – Gesellschaft.

Laut dem vorigen Bericht lagerte diese Gesellschaft auf angeblich neutralem Boden an der bucharisch – russischen Grenze und glaubte daselbst den gesuchten Ruheort, wenigstens zeitweilige Rast gefunden zu haben. Dem war aber nicht so. Sie sind seitdem, soweit der letzte Bericht, welchen ich zur Hand habe und vom 1. November, als sie schon über eine Woche unbehelligt geblieben waren, datiert ist, recht, noch vier Mal von ihrem Lageplatz zum Abzuge aufgetrieben worden. Auf der russischen Grenze angekommen, wurde alsbald nach Eingang der Kunde davon betreffenden Orts, der im früheren Bericht erwähnte, vom Dienstloos des Wehrgesetzes betroffener Jüngling zur Einstellung in den Dienst gefordert. Dann zurück in die Bucharei hineinweichend, traten ihnen bucharische Beamte mit dem Befehl zur Umkehr entgegen, welcher zuletzt mit der Drohung begleitet wurde, daß man sie, wenn sie nicht gehorchten, durch Soldaten niederschießen lassen würde. Als sie trotzdem nochmals wiederkamen, fragte der Beamte, ob sie etwa gesonnen wären, sich zur Wehr zu setzen? Worauf sie erklärten, daß sie sich weder wehren noch von der Stelle zurück nach Rußland weichen würden, in keinem Falle. Darauf sagte der Beamte, daß es in solchem Falle, dahin kommen würde, daß er sie würde fesseln lassen und nach Samarkand schicken müsse. Das Land, auf welchem die Gesellschaft lagerte, obgleich außerhalb der russischen Grenze in der Bucharei belegen, soll den muhamedanischen Geistlichen in Samarkand gehören (Wakuf). Die Geistlichkeit willigte ihrerseits in die Niederlassung der Brüder auf jenem ihrem Lande, vorbehaltlich andererseits der Erlaubniß des Emirs von Buchara, welche die Brüder sich selbst auswirken müßten. Sie haben aber beschlossen, Letzteres nicht zu thun, beschuldigen sich vielmehr, schon zu viel Menschenhülfe nachgesucht und darauf gegeben haben, und eben deßhalb zur Prüfung und Läuterung ihres Glaubens so schwere Wege geführt worden zu sein. Es ist ihnen zur Gewißheit geworden, daß sie nun am rechten Orte seien, weßhalb jeder Versuch der bucharischen Behörde zu ihrer abermaligen Vertreibung nur Versuchungen des Teufels sind, von denen man sich nicht bewegen lassen müsse. Sie haben nun auch angefangen, Erdhütten*) zu bauen, zu 70 Fuß auseinander und in vier Reihen. Wie man ihnen gesagt, dürfen sich auf diesem Lande so Viele niederlassen, als nur wollen und so viel ackern, als man will. Zur Erntezeit werde dann ein bucharischer Beamter kommen und drei Zehntel vom Ertrag einfordern als Pacht.

Wer wollte nicht den Herrn um Gnade und Bewahrung jener Brüder bitten, und doch dürfte sich kaum Jemand der Befürchtung erwehren können, daß vielleicht bald wieder Nachrichten von getäuschten Hoffnungen, wo nicht viel traurigere, eintreffen möchten.

Die letzte Auszugsgesellschaft hat die Freudenbotschaft von dem gefundenen Ruheort in Kasalinsk am Aralsee erhalten. Bis dort (12./15. November) hat diese Zug schon Schweres durchmachen müssen. Schnee und Frost bis 18° R. Dreiunddreißig Brüche der eisernen Wagenachsen. Eines Morgens mußte man die Wagen förmlich loseisen und konnte man nur mit gegenseitigem Vorspann weiter rücken. In den Wagen alles gefroren und auch Nachts darin kalt, obgleich man sie dann so abdichtete, daß mitunter in der verdorbenen Luft das Licht erlosch. Zu Weihnachten gedachten sie bis Taschkent zu kommen.