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Todesanzeige aus Gnadental, Turkestan in der Zeitschrift „Friedensstimme“ Nr. 73 vom 17. September 1914, Seite 6

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Unser lieber Onkel Wilhelm Giesbrecht ist den 16. Juli 1 Uhr des Nachts gestorben. Er war müde von der langen Reise und ging mit der größten Sehnsucht heim zu seinem Erlöser, den er in seinem Leben kennen und lieben gelernt hatte. Kurz vor seinem Heimgang sprach er seine Sehnsucht nach der obern Heimat zu mir aus. Dabei liefen ihm die Tränen über die Wangen. Aber, sagte er, diesen Winter will ich auch am allerlieben nicht mehr hier sein. Und der Herr hat ihn gehört. Er betete oft in der Versammlung. Vorher sagte er gewöhlich ein Lied vor. Den Sonntag vor seinem Sterben das Lied: „Auf ewig bei dem Herrn.“ Er ist alt geworden 78 J., 4 M., 5T., verehelicht 1860, bekehrt 1870, Kinder 13, davon gestorben 4, Großkinder 61, davon 15 gestorben, Urgroßkinder 2. Im Ehestande gelebt 51 J., 2 M., 13 T., als Witwer 2 J., 7 M. Diese 2 Jahre war er bei seinen Kindern Abr. Giesbrecht, wo er auch starb. Krank war er nur 4 Tage an Durchfall und Erbrechen. Er konnte ziemlich schwer hören.

Den 25. Februar starb die Schwester meines Mannes, Witwe P. Wiebe. Ihr Leben war ein sehr bewegtes. Sie hatte sich zweimal verehelicht. Ihr erster Mann war Abr. Peters, früher Friedensruh; der zweite war P. Wiebe, früher Wernersdorf. Aus beiden Ehen wurden 5 Kinder geboren, die alle starben. Sie hatte noch mehrere Jahre die Freude, mit ihrem Bruder Heinrich Kröker zusammen in einer Stube wohnen zu können. Beide waren sehr schwächlich, da hatte eins am andern eine große Stütze, sowohl leiblich als geistlich. Sie haben viel zusammen gebetet. Da starb auch dieser, und sie blieb wieder allein. Sie wohnte zuletzt bei Jakob Krökers und starb an Wassersucht. Witwe gewesen 17 Jahre. Auch sie ging freudig heim, auf einem Stuhle sitzend. Die Begräbnisse fanden im Bethause unter reger Beteiligung statt.
Auch wir hier sind nicht verschont geblieben von den Schrecken des Krieges. Schon im Juli kam plötzlich die Nachricht, das neun Fuhrwerke zur Stadt Aulieata kommen sollten. Diese waren noch nicht weg, da sollten noch 9 kommen. Sie waren aber in 14 Tagen wieder zu Hause. Jetzt sind 7 Mann Reservisten plötzlich gefordert worden, davon waren 4 Familienväter. Auch wohnen hier zwei Familien aus Deutschland, nämlich Br. Rudolf Bohn und Herhold. Auch diese mußten plötzlich fort, vorläufig sollen sie nach Werny und stehen unter Aufsicht. Die Frauen blieben noch zurück. Der Herr wolle geben, da´die Gewitterwolken sich bald teilen möchten.

Jakob und Helena Kröker.

   
Zuletzt geändert am 21 April, 2020