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Brief von Jakob Funk aus Oklahoma in der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 1. März 1899, Nr. 9, S. 1

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 1. März 1899, Nr. 9, S. 1. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Da in der Rundschau Nr. 1 unter „Erkundigung“, gewünscht wird, daß alle Personen, die in der Centralschule Gnadenfeld, Halbstadt und Orloff Schüler waren, ihre Namen einsenden möchten, so will ich gehorsam sein und auch gleich eine kleine Beschreibung meiner Erfahrungen beilegen.
Ich war in der Gnadenfelder Centralschule bei Lehrer Lenzmann vom 15. August 1874 bis den 15. Juni 1877. Dann übernahm ich eine Stelle als Aufseher bei Philipp Wiebe auf Vorwerk Juschanlee. 1879 fing ich mit Holzarbeiten an; reiste dann nach Kuban, wo ich verschiedene Holzarbeiten machte; mußte aber bald, wegen dem Klimafieber Kuban verlassen und ging zurück nach der Molotschna, machte mich aber reisefertig um nach Asien zu reisen. Es war eine viermonatliche Reise per Achse, aber es ging mir sehr gut. Lange hatte Hier trat ich 1882 in den Stand der Ehe mit Maria Roop (wahrscheinlich ein Schreibfehler, es soll Maria Koop sein – E.K.). Lange hatte der Geist Gottes an meinem Herzen gearbeitet und so ergab ich mich endlich im Gehorsam und folgte Jesu Fußstapfen so viel ich verstand und Kraft von Jesu erhielt und freute mich ein Kind Gottes zu sein und war glücklich. Zwei Jahre bediente ich als Lehrer eine Schule, wo ich den Samen des Wortes Gottes unter den Kindern auszustreuen suchte. Im April 1885 verließ eine ziemliche Reisegesellschaft Aulieata, Asien, und setzten unsere Reise fort nach Amerika Unter dieser Gesellschaft befand auch ich mich mit Frau und Kind. Den 19. September trafen wir in Kanada (?? – E.K.), Kansas bei Editor J.F.Harms an, wo wir freundliche Aufnahme fanden. Hier ruhten wir einige Tage aus und dann fing ich an zu arbeiten, damit meine Familie und ich Kleider und Brot hatten. Noch im September zogen wir von Kanada (?? – E.K.) weg und machten unser Heim auf David Hieberts Farm, 8 Meilen nördlich von Newton. Auf der Reise dahin starb uns unser jüngstes Töchterlein, welches ein harter Schlag für uns war, doch der Herr liebte uns. Bald fing ich mit meiner Zimmerarbeit an. Im andern Jahr mußten wir unser Heim wieder wechseln, weil ich eine Schule übernahm. Zwei Wochen nachdem wir umgezogen waren, starb uns auch unser jüngstes Söhnlein, und uns wurde gezeigt, daß wir nach oben schauen sollen. Habe fünf Jahre im Winter deutsche Schule gehalten und im Sommer gezimmert. Den 3. Mai 1888 starb mir mein liebes Weib und ich stand mit den zwei Söhnen, der älteste 4 Jahre und der jüngste sechs Stunden alt. Dieses schien mir zu schwer zu sein, doch der Herr machte alles gut, ich mußte wieder frischen Mut fassen und weiter gehen. Den 10. März 1889 verband ich mich durch die Ehe mit Helena Janzen. Dies war nun wieder ein frischer Lebensabschnitt und wir gingen vereint den Weg, welchen uns Jesus zum Himmel gebahnt hatte. Da ich die Arbeit, Schule halten und zimmern, nicht länger fortsetzen konnte, entschlossen wir uns auf Land zu gehen und unser Leben zu machen. Wir zogen im März 1892 nach Oklahoma auf ein Viertel Land. Der Anfang war ziemlich schwer, doch der Herr war mit uns und segnete uns, daß wir unser Fortkommen hatten. Da ich mich beim zimmern übergearbeitet hatte, wurde ich krank und litt an chronischen Magenkatarrh und mußte endlich einen Artz zu Hilfe nehmen. Ich war zwei Monate in Kansas bei Dr. Peter Richert. Der Herr gab seinen Segen und ich wurde wieder besser und konnte auch wieder arbeiten. Ich hoffte, es würde bald besser gehen, doch der Mensch denkt und Gott lenkt. Nachdem ich sechs Monate zu Hause war, starb mir wieder den 15. März 1897 meine liebe Frau. Dann wurde auch noch der jüngste Sohn krank und so schwer, daß er ein Krüppel und nur Haut und Knochen war; kein Glied konnte er bewegen; doch er lebte. Es war mir schwer mit meinen sechs Knaben, (der siebente war noch bei meiner Schwester, welche ihn aufgezogen hatte), aber ich konnte auf Jesum schauen und bei ihn fand ich Trost, Hilfe und Rat. Doch es sollte noch tiefer gehen. Da ich den kranken Sohn Tag und Nacht pflegte, so war ich nach drei Monate so weit, daß ich nichts mehr thun konnte, ich mußte mich ganz hingeben und andere Leute mußten alles für mich thun. Bald nachher wurde ich wieder besser und so weit gesund, daß ich wieder zimmern konnte. Dieses setzte ich aber nur vier Monate durch, da war meine alte Krankheit wieder aufgeweckt und ich ließ das Zimmern wieder los. Den 25. Januar 1898 trat ich eine Reise nach Rußland a und die Seereise war die beste Medizin für meine Krankheit. In Rußland war ich so gesund, wie ich lange Jahre nicht gewesen. Besuchte dort auf der Molotschna, Sagradowka, Kuban und Orenburg viele Freunde. Dann trat ich mit Helena Löwen, welche mir der Herr als Gehilfin und Mutter für meine Kinder zuerkannte, in die dritte Ehe. Den 12. Juni waren wir wieder hier in meinem Heim bei meinen Knaben.
Schaue ich zurück auf jene Zeit in der Schule, so darf ich sagen, es war die schönste Zeit meines Lebens. Bis hierher hat der Herr geholfen.

Jakob Funk,
Schelly, Oklahomas

 

 

 

Bemerkungen von Elena Klassen:
Ohne Gewähr – es handelt sich wahrscheinlich um
Jakob Funk (#36008), weitere Hinweise über Jakob Funk s. auch Bericht, Bericht, Bericht, Bericht

   
Zuletzt geändert am 27 Februar, 2020