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Ein Reisebericht nach Asien, von Jakob Janz (aus „Zionsbote“) in der Zeitung „Mennonitische Rundschau“ vom 28. Juni 1899, Nr. 26, S. 1

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 28. Juni 1899, Nr. 26, S. 1. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Ein Reisebericht.
Ich reiste den 17. März von Hause fort und traf den 18. mit Br. Jakob Reimer auf Zinelnikof (Ssinelnikowo? – E.K.) zusammen, dann fuhren wir, vom Herrn begleitet, zu Sonntag nach dem Kuban, da verlebten wir einen herrlichen Sonntag, verweilten 2 ½ Tage und dann fuhren wir weiter unserm Ziel entgegen über den Kaspischen See. Es ging gut, der See war ziemlich ruhig. Kamen nach Kranowatzki (Krasnowodsk? – E.K.) und dann per Bahn durch die Wüste und Sand und auch schöne Gegenden, wo viele Wein- und Obstgärten sind und auch schöne Weizenfelder, aber alles muß bewässert werden. Regen giebt`s  wenig, das Flußwasser wird alles verbraucht, aufs Land geführt in Graben und dann das Land gewässert. Es wächst gut. Den 31. März kamen wir nach Taschkend, eine schöne Stadt in Asien. Viele Bäume und große Gärten und Alleen längs der Straße. Den 1. April fuhren wir per Post nach Aulieata, da kamen wir den 3. morgens hin; es warteten da auch schon Brüder auf uns. Am selben Tag kamen wir auch wohlbehalten nach der Ansiedlung in Gnadenthal, zu Geschwister Klassens. Der liebe Bruder holte uns mit Bruder Pauls ab von Aulieata. Die Freude war groß, als wir da waren, und nun ging die Arbeit los. Sonntag kamen die Geschwister zusammen, und auch mehrere andere. Die Versammlungen wurden gut besucht und in Zwischenzeit machten wir Hausbesuche in den fünf Dörfern. Der liebe himmlische Vater hat ihnen durch ihren Fleiß und Mithilfe der lieben Freunde von Amerika und anderen sehr geholfen, daß sie ihr reichliches Brot haben. Es war eine gesegnete Arbeit, der Herr war mit uns, wir konnten es spüren allerwärts, ihm die Ehre dafür. Unser Hinfahren sollte den Zweck haben, daß ein Ältester bestätigt wurde, und es schien am Anfang, als würde es nicht werden; aber der liebe Herr half. Es wurde beschlossen, daß Br. Heinr. Kröker als Ältester und Bruder Joh. Klassen als Lehrer, Br. Aron Dück als Diakon Ostermontag sollten befestigt werden, und das wurde auch im großen Segen vollzogen. Ihr Versammlungshaus war sehr voll, so daß nicht mehr Raum war bei der heiligen Handlung. Gott, unser himmlischer Vater, schenke lieben Brüdern viel Gnade und Kraft durch Jesum Christum, ist meine herzliche Bitte, daß sie nicht denken, sie dienen nur Menschen, sondern dem Herrn Christo. Amen.
Als unsere Arbeit dort gemacht war, da dachten wir auch an unsere Rückreise. Letzten Freitag war Abschiedstag, da viel geweint und auch gebetet wurde. Auch Sünder hatten in der Zeit Gnade gefunden und einige beten noch darum. Der Herr Jesus wird ihnen Frieden schenken, wenn sie glauben an ihn, daß er der Welt Heiland ist.
Mittwoch, den 21. April, kam die Scheidungsstunde, unvergeßlich bleibt sie mir. Dem lieben Br. Jakob Mantler, der auch Lehrer ist, und all den Lieben, ich sage euch allen Liebewohl. Br. Peter Pauls fuhr uns nach Taschkend, 350 Werst, aber es ging doch besser als auf der Post. Der liebe Br. brachte ein großes Opfer für den Herrn. Die lieben Ansiedler müssen fast alle ihre Waren, Mehl oder Weizen weit zur Stadt fahren. Geschw. Klassen und die Schw. Pauls fuhren auch mit nach der Molotschna.
In Taschkend waren wir Sonntag, da gingen wir in die lutherische Kirche. Gerade als der Prediger die Epistel Joh. 5. las, da mit einem Mal war ein kleines Erdbeben und fast alle Leute liefen zur Kirche hinaus, so erschrocken ist der Mensch! Vor dem Tode flieht er, aber vor der Sünde flieht er nicht, und Sünde ist Tod. Wenn der Mensch in der Sünde beharrt, dann folgt der ewige Tod. O möchten doch alle Menschen des gedenken.
Dienstagnachmittag fuhren wir ab und kamen Sonnabend in Krasnowatzki an und dann ging es auf das Schiff. Montagabend kamen wir wieder nach dem Kuban. Da blieben wir zwei Tage. Mittwoch feierten wir miteinander Missionsfest, der Herr war mit uns. Die Schwestern hatten auch Ausruf mit Missionssachen, die sie gearbeitet hatten: es wurde alles gut verkauft. Des Abends fuhren wir ab vom Kuban. Am 6. trafen wir auf der Bahn einen verunglückten Zug, der lag entgleist am Wege. Drei Wagen waren zerschlagen. Ich bin viel gefahren, aber noch nie habe ich so etwas gesehen. Mehrere Menschen waren tot und viele verwundet. So schnell in die Ewigkeit! Gott hat uns die lange Strecke zu Wasser und zu Land bewahrt, ihm sei die Ehre. Den 8. Mai kam ich wohlbehalten nach Hause und traf die Familie gesund an, außer mein alter Ohm Johann war in der Zeit gestorben im Alter von 75 Jahr. Hat so an zwanzig Jahr bei uns das Gnadenbrot erhalten. Alle Zionspilger herzlich grüßend,
Jakob Janz, Friedensf., Rßl.

(Zionsbote)

   
Zuletzt geändert am 27 Februar, 2020