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Bericht (aus der „Friedensstimme“) von Rudolf Bohn, Asien in der Zeitung "Zions-Bote" vom 30. Dezember 1908, S. 2

 

Zugeschickt von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Zions-Bote" vom 30. Dezember 1908, S. 2. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Ach, das Ismael vor dir leben möchte!
1. Mose 17, 18.

So lautete das Gebet Abrahams für seinen, zwar nach dem Fleische geborenen, aber doch wirklichen Sohn. Diese Bitte ist nicht unerhört geblieben. Gott verheißt sogar, den Ismael nach zwei Seiten hin zu segnen. Die erste Segensverheißung erstreckt sich auf irdische Größe und Besitz und wir finden dieselbe zwei Verse weiter in demselben Kapitel. Viel wichtiger jedoch als die erste, ist die zweite Verheißung, weil sie sich auf das geistige Wohl der Nachkommen Ismaels bezieht. Für uns ist dieselbe deshalb besonders wichtig, weil wir, als Kinder Gottes, Gefäße in der Hand Gottes sein sollen, daß dieselbe ihre Erfüllung finden möge. Auch gibt sie uns guten, biblischen Grund unter die Füße, an den Nachkommen Ismaels zu arbeiten mit dem Bewußtsein, daß Gott will, daß auch sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden sollen.
Diese Verheißung finden wir in Jes. 60, 7, wo gesagt wird, daß auch die Widder Nebajots dem Herrn dienen und gehen dahin, gebunden in Elend und Eisen (Ps. 107, 10), ohne Hoffnung, ohne Gewißheit.
Aber schon beginnt die Finsternis sich zu lichten und die Morgenröte verkündet, daß auch für diese Millionen bald der helle Tag anbrechen wird. Schon hat der Herr, der seine Verheißung noch nicht vergessen hat, es manchen seiner Kindern in den verschiedensten Ländern aufs Herz legen können, sich dieser, in unserer nächsten Nähe wohnenden und doch so sehr vernachlässigten Millionen zu erinnern und Mittel und Wege zu finden, auch diesen Armen das Evangelium, durch welches sie selbst so glücklich geworden sind, zu bringen, besonders auch ihrer fürbittend zu gedenken.
Doch wie sollen sie glauben, wenn ihnen nicht gepredigt wird? Gott hat uns, seinen Kindern, das herrliche Vorrecht gegeben, seine Mitarbeiter sein zu dürfen. Er hätte es nicht nötig gehabt, aber in seiner großen Gnade hat Er sich so sehr hernieder gelassen, da´wir sollen Teil haben an dem Ruhme, von Ihm gebraucht zu werden, zur Rettung unsterblicher Seelen.
Ein besonderer Fingerzeig von Gott ist auch die Tatsache, daß er mehr als je zuvor die Türen geöffnet hat, so daß von Seiten der Regierung keine Hindernisse mehr im Wege sind, daß Evangelium dahin zu tragen.
Die Bitte: „Herr öffne die Türen in diesen so lange verschlossenen Ländern!“ ist erhört. Das einzige was noch fehlt, sind die Botschafter, die bereit sind, hinauszugehen, und solche, von denen sie gesandt werden. Gott hat das Seine getan, jetzt tritt die Frage an die Gemeinde Gottes heran, ob sie auch das Ihre tun wird.
Ohne Zweifel haben das auch viele Kinder Gottes schon verstanden, daß die Zeit gekommen ist, zu handeln. Auch manche Brüder unter den Mennoniten, die viel Erfahrung und einen Blick in die Arbeit des Herrn haben, haben dieses schon geäußert. Der Umstand, daß Gott die Mennoniten nach Rußland führte, sie in all den Stürmen erhielt, ihnen das reine Evangelium gab, sie festen Fuß fassen ließ in einem fremden Lande, wo sie mehr Freiheit und Vorrechte genießen, als all die Landeskinder selbst, läßt auch mit Sicherheit darauf schließen, daß sie eine große Aufgabe und damit auch eine große Verantwortlichkeit diesem großen Reiche gegenüber haben. Als eine besondere Führung und als einen Wink vom Herrn ist es auch anzusehen, daß schon bereits vor mehr als 25 Jahren sich gläubige Mennoniten in Turkestan mitten unter den Mohamedanern ansiedelten. Ich denke jetzt an die Ansiedlung Aulie – ata, 350 Werst nordöstlich von Taschkent. Obgleich die Geschwister damals infolge einer Irrlehre dorthin gekommen sind, muß man doch jetzt staunen und anbeten ob der göttlichen Weisheit, die auch das durch Irrtum Entstandene nicht nur wieder gut machen, sondern sogar in Segen verwandeln und zur Erfüllung seiner Pläne benutzen kann. So auch hier. Durch den Wandel im Glauben mit dem Herrn, haben die Geschwister in diesen langen Jahren das Vertrauen, der sie umgebenden Mohamedaner gewonnen, so daß eine Missionsarbeit unter denselben zu beginnen, jetzt ganz am Platze erscheint, insbesondere, da durch diese Geschwister eine nicht zu unterschätzende Vorarbeit getan worden ist.
Doch wo sind die Boten, wo die Arbeiter, die bereit sind zu gehen? Auch dafür hat der große Missionsinspektor „Jesus“ schon gesorgt, indem Er gerade dieses Arbeitsfeld in Russisch – Turkestan mehreren Brüdern in Deutschland, Rußland und der Schweiz auf das Herz legte.
In Berlin, in der Allianz – Bibelschule war es, wo der Herr zum erstenmale die Blicke einiger dieser Brüder hinüber lenkte zum dunkeln Osten. Dieses geschah durch die Mitteilungen von Br. Broadbent (Engl.), der vielen Lesern der Friedenstimme bekannt sein wird, und der schon viele Jahre Turkestan auf dem Herzen trug. Er war nämlich vor mehreren Jahren schon einmal dort gewesen und seit dieser Zeit hatte ihn dieser Gedanke nicht wieder losgelassen. Auch in dem Herzen besagter Brüder faßte dieser Gedanke an Turkestan immer tiefer Wurzel und ließ sie nicht wieder los. Schreiber dieses ist auch einer von diesen Brüdern.
Nachdem die Bibelschule beendet war, gingen diese Brüder noch auf ein Jahr nach England, um dort einige Kenntnisse in der Medizin und Krankenpflege zu erwerben. Der Herr gab viel Gnade und auch hier wurde der Gedanke an die Gründung einer Mission unter den Mohamedanern Turkestans mit großem Interesse aufgenommen. Ganz besonders hervorzugehen ist daß sehr viel dafür gebetet wurde, beides, im Kämmerlein und auch gemeinschaftlich. Es entstand Briefwechsel zwischen den Brüdern in Aulie – ata und denen in England. Auch die Brüder dort äußerten ihre vollste Zustimmung zu dem Gedanken, eine Missionsstation dort zu errichten, auch wurde von ihnen der Vorschlag gemacht, sich mit dem Gedanken an die Errichtung eines Krankenhauses vertraut zu machen.
Von sehr großer Wichtigkeit war dann auch ein zweiter Besuch, den Br. Broadbent nach Turkestan machte. Ja man kann wohl sagen, daß grade dadurch die ganze Sache am meisten gefördert wurde und eine bestimmtere Gestalt annahm, konnte er nun doch persönlich mit den Geschwistern dort die ganze Angelegenheit durchsprechen. Sie sagten denn auch ihre Mithilfe, soweit es in ihren Kräften stehen würde, gerne zu. Um zu erkennen zu geben, wie gerne sie es sehen würden, wenn auswärtige Brüder kommen und dort in der Arbeit helfen würden, bestimmten sie einen Bruder aus ihrer Mitte mit Br. Broadbent nach Deutschland und England zu reisen, welches dann die Brüder dort auch befestigte in der Gewißheit, daß es wirklich ein Werk vom Herrn sei, welches man zu beginnen im Begriffe war.
Br. Penner, dies ist der Name des gesandten Bruders, reiste dann auch noch mit einem Bruder nach der Schweiz, kehrte dann über Deutschland wieder zurück, wo er dann mit den dortigen Brüdern noch gemeinschaftlich Versammlungen abhielt. Zuletzt besuchte er noch die Blankenburger Konferenz, mußte dann aber sehr bald abreisen, da ihn die Pflicht in seinen Beruf zurück rief.
Schreiber dieses Artikels gedenkt nun mit noch einem mennonitischen Bruder, namens Martin Thielmann, früher Lehrer in Andreasfeld und Ebenfeld, in nächster Zeit nach Turkestan zu gehen, nachdem sie sich auf den Rat einiger erfahrener Brüder etwa zwei Monate in Süd – Rußland aufgehalten und Versammlungen gehalten haben. Dieses geschah zu dem Zwecke, daß sie mit den Gläubigen und die Gläubigen mit ihnen und ihren zu beginnenden Werke bekannt werden möchten. Jedes Kind Gottes wird mit uns fühlen und nachempfinden können, wie klein und gering wir uns der großen Aufgabe, die an uns herangetreten ist, gegenüber fühlen, und sie werden darum auch verstehen, wie sehr wir es bedürfen, auf Armen des Gebets getragen zu werden. Dieses um so mehr, da wir nicht von irgend einer Missionsgesellschaft aisgesandt oder versorgt werden, sondern in allem ganz und gar vom Herrn abhängig sind.
Wenn diese Zeilen in die Hände der lieben Leser der „Friedensstimme“ gelangen, sind wir, so der Herr will, schon in Turkestan. Wir werden dann weiteres, sowie auch unsre zukünftige Adresse berichten.

Mit brüderlichem Grüße
Rudolf Bohn.

Anmerkung der Redaktion: Aus diesem Bericht werden die lieben Leser ersehen, daß die ersten Schritte zur Eröffnung der Arbeit unter der mohamedanischen Bevölkerung Asiens getah worden sind. Das sind wichtige und ernste Schritte, die alle Kinder Gottes veranlassen sollten, weil der Sache vor dem Gandenthron zu gedenken. Wir sind überzeugt, daß Gott bereit ist die begonnene Arbeit zu segnen und Er allen Gläubigen eine neue Tür für ihren Dienst gegeben hat. Der Herr gebe uns allen ein williges Herz und offene Hand zu freudiger Mitarbeit.
J.K.

   
Zuletzt geändert am 13 Januar, 2019