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Bericht aus Asien in der Zeitung „Zions-Bote“ vom 12. August 1896, S. 3-4

 

Zugeschickt von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung „Zions-Bote“ vom 12. August 1896, S. 3-4. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Aus dem fernen Asien.

Die Mennoniten – Gemeinde bei Aulieata, Asien wendete sich an die Mennoniten in Amerika mit der Bitte um Unterstützung zum Bau eines Versammlungshauses und der betreffende Einsender der Bitte, Johann Epp, giebt im „Bundes - Bote“ eine Schilderung über den Ursprung jener Siedlung in Asien, die sicherlich auch für unsere Leser von Interesse sein dürfte, deshalb lassen wir sie hier wörtlich folgen:
Als im Jahre 1874 die allgemeine Wehrpflicht in Rußland eingeführt und zufolge dessen auch den Mennoniten ihr Privilegium genommen wurd, wanderten bekanntlich mehrere Tausend nach Amerika aus, der weit größte Teil aber nahm die von Sr. Maj. Dem Kaiser durch General Todleben unsern Gemeinden übermittelten Dienste an, die darin bestanden, daß unsere sonst militätpflichtigen jungen Leute, in besonders dazu angelegten Forsteien in den meist baumlosen Steppen Südrußlands Waldungen anpflanzen sollten.
Schon bei Anwesenheit Todlebens und seinen Verhandlungen mit den Vorstehenden unserer Gemeinden an der Molotschna, wurde von einigen Brüdern, namentlich von dem verstorbenen Prediger Bernhard Harder der Gedanke gegen General T. ausgesprochen: ob es nicht möglich sei in den russ. Besitzungen in Asien, etwa in der Nähe von Samarkand eine mennonitische Ansiedlung zu gründen, worauf der General aber erwiderte, daß solches damals wegen der Unsicherheit der umwohnenden wilden Völkerstämme nicht anginge, indem die russische Herrschaft dort noch zu wnig befestigt sei, um solcher Ansiedlung den nötigen Schluß zu gewähren, daß es aber später vielleicht im Interesse der Regierung liegen könne, dort eine solche Ansiedlung zu begünstigen, und  man sollte sich darin nur an ihn, nämlich Todleben wenden, er werde jederzeit ein warmer Fürsprecher der Mennoniten sein.
Als nun die von der Regierung den Mennoniten gewährten 6 Freijahre ihrem Ende sich näherten und die genauere Bestimmungen über die Art und Weise des Dienstes von Seiten der Regierung noch immer nicht bekannt gegeben wurden, stiegen hier und da mancherlei Sorgen und Befürchtungen auf, ob schließlich auch die uns zugewiesenen Dienste für unsere Gemeinden annehmbar und zum Segen sein würden. Anderseits tauchten bei solchen, die die Jung – Stillingschen Christen, namentlich das „Heimweh“ gelesen, in welchen die Idee eines Auszuges eines Teiles der Gläubigen aus Deuschland nach „Osten“ in die Gegend von Samarkand und Buchara in Mittelasien höchst anregend beschrieben ist, die Frage auf: ob es nicht vielleicht an der Zeit sein dürfte diesen Stillingschen Ideen mehr Aufmerksamkeit zu widmen, indem seine Schriften in mehrfacher Beziehung doch einen positiv chtistlichen und ernsten Charakter tragen und auch über die letzten Dinge viel Beherzencwerte gebracht. Es wurden nun verschiedene Kombinationen in Bezug einer Mennonitischen Ansiedlung in Mittelasien und der erwähnten Beschreibung Stillings von dem Auszuge der Gläubigen „gegen Morgen“ gemacht, worauf näher einzugehen nicht der Zweck dieser Zeilen ist. Als Seitenstück hierzu erinnern wir an die würtenbergische Kolonien im Kaukasus, die seiner Zeit aus demselben Grunde dorthin gingen. Diese zwei Punkte waren wohl die Hauptgründe der Auswanderung nach jener Gegend.
Obzwar verschiedene Deputationen in der Hauptstadt Petersburg die Genehmigung der Regierung zunächst durch die Vermittelung Todlebens, den man an seine frühere diesbezüglichen nach den mehrfach angeführten Gebieten auszuwirken bestrebt waren, so gelang solches doch nicht. Doch auf den persönlichen Wunsch das damaligen Generalgouverneurs Kaufmann in Taschkent, dessen Anwesenheit in Petersburg eine Deputation benutzte, und der gerne deutsche Ansiedler nach Mittelasien  haben wollte und dort für längere Zeit Freiheit von diesen Staatsdiensten verpsrach, unternahm eine Deputation unsrer Brüder eine Reise nach taschkent, worauf in den Jahren 1880 und 1881 die Übersiedlung einer nicht geringen Anzahl Familien von der Molotschna und der Wolga erfolgte. Unter schweren Umständen, wie solche Pioniere es gewöhlich durchzumachen haben, wurde eine Ansiedlung in der Nähe der Kreisstadt Aulieata gegründet, die gegenwärtig wenn ich nicht irre, aus 5 Dörfern besteht.*
In Bezug des obenerwähnten Staatsdienstes sind sie auch, abgesehen von den Jünglingen, die beim Auszuge aus der Heimat von 15 – 21 Jahren alt waren, bisher ganz frei geblieben. Genannte Jünglinge, die in den Heimatgemeinden schon als dienstpflichtig eingeschrieben waren, mußten sich dem Lose unterwerfen und die davon Betroffenen mußten auch dort gewisse Zeit oder eine gewisse Anzahl Bäume pflanzen. Jedoch sah die dortige Behörde in dieser Beziehung mehr oder weniger sehr durch die Finger, so daß man wohl sagen kann, die Brüder haben in der Praxis das erreicht, warum sie die Heimat verließen.

In kirchlicher Hinsicht hat sich die Ansiedlung dort in 2 Gemeinden geteilt, nämlich un Flußtäufer und solche, die nach gewohnter Weise die Besprengungstaufe üben. Letztere steht daher mit den alten Gemeinden, in Preußen, Rußland und den hiesigen Gemeinden, die zur Allgemeinen Konferenz gehören, auf einem Bekenntnisstandpunkte und ist ihr Ältester Regehr seiner Zeit von dem Ältesten der Saratower Gemeinde ordiniert worden.
   
Zuletzt geändert am 22 Dezember, 2018