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Auszug aus dem Bericht über Konstantinowka und Aulie-Ata in "Kaukasische Post", Nr. 6 1909, S. 8-9

 

Zugeschickt von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Kaukasische Post", Nr. 6 1909, S. 8-9. (gotisch) von Viktor Petkau.

 

 

Konstantinowka und Aulie – Ata.

„...Konstantinowka ist nicht die einzige deutsche Kolonie in Turkestan, es ist aber die am bequemsten zu erreichende.....
Die größten deutschen Ansiedlungen befinden sich etwa 300 Kilometer nordöstlich von Taschkent am Wege nach Wernji bei Aulie – Ata am Talas. Hier liegen nicht weniger wie vier Mennoniten Dörfer, jedes etwa mit 1000 Seelen zusammen, zu denen sich neuerdings als fünfte Ansiedlung ein lutherisches Dorf, Orlow, mit 450 Einwohnern gesellt hat.
Als vor etwa zwanzig Jahren die Mennoniten in Rußland zum Kriegsdienst herangezogen wurden, wanderten viele deutsche Mennoniten, wovon es in Rußland eine große Anzahl gibt, nach Zentralasien aus, dessen Bewohner zu jener Zeir von der Militärpflicht befreit waren. Heute werden auch sie hierzu herangezogen, was die Auswanderung eines Teiles der Mennoniten nach Amerika zur Folge gehabt hat. So entstand damals eine ganze Reihe deutscher Mennonitenansiedlungen. Die ersten Ankömmlinge drangen bis in das Fürstentum Chiwa vor und gründeten dort das erste deutsche Dorf in Zentralasien, Ak Mesched. Anfangs wurden sie von den Einheimischen überfallen, ausgeraubt, viele wurden getötet, aber getreu ihrem religiösen Grundsatz: du sollst nicht töten, selbst nicht in der Notwehr, setzten sie sich nicht zur Wehr. Etwas später enstanden dann die Niederlassungen bei Aulie – Ata, die sich heute in größter Blüte befinden. Jedes Dorf hat zwei bis drei Prediger, die Schulen befinden sich in einem ausgezeichneten Zustande, was der russische Volksschulinspektor und Generalgouverneur oft lobend anerkannt haben. Die Bewohner sind ungemein fleißig und bringen ihre Produkte, vor allen Schweinefleisch, Weizen und einen ganz vorzüglichen „Schweizer“ Käse, bis nach Taschkent auf den Markt. Das gute deutsche Vorbild blieb nicht ohne Einfluß auf die Kirgisen der Umgegend. Ein Teil derselben siedelte sich an; sie übernahmen deutsche Sitten und Gebräuche, benutzen den sogenannten „deutschen“ vierräderigen Wagen an Stelle der einheimischen zweiräderigen „Arba“, bewirtschaften mit deutschen Geräten nach der Methode ihrer Lehrmeister den Ackerboden, singen deutsche Lieder und beten das deutsche Vaterunser. Dadurch sind die Kirgisen, die früher insgesamt arme Teufel waren, zu Wohlstand gelangt.

Wir haben von unserer Reise nach Zentralasien die Überzeugung mitgebracht, daß deutsche Intellegenz, deutscher Fleiß und deutsche Ausdauer sich auch in den fernsten Ländern unter den schwierigsten Verhältnissen siegreich behaupten.“
   
Zuletzt geändert am 31 Dezember, 2018