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Bericht über die Schulen in Nikolaipol und Gnadenthal und eine Todesanzeige aus Nikolaipol, Asien in der Zeitung „Zions-Bote“ vom 15 Januar 1902, S. 2, 5

 

Zugeschickt von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung „Zions-Bote“ vom 15 Januar 1902, S. 2, 5. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Einiges über die Schulen in Nicolaipol und Gnadenthal bei Aulieata in Turkestan, Asien.

Mit unseren Schulen stehen wir bisher immer noch auf freiem Fuße, d.h. Nikolaipol, Gnadenthal und Gnadenfeld. Zwar hat letztgenanntes Dörfchen nur 11 Wirtschaftsstellen und schickt, weil es noch keine eigene Schule hat, seine Schulkinder (gegenwärtig sechs) nach Gnadenthal. In der Gnadenthal Schule sind zur Zeit 31 Kinder, während die Nikolaipoler Schule deren 48 zählt und keine auswärtige Kinder hat. Was nun diese zwei Schulen bertifft, so stehen wir mit denselben in keinerlei Weise in Verbindung oder Beziehung mit oder zur Regierung. Freilich, wünscht dieselbe, daß die russische Sprache gelernt werde und ermuntert die Lehrer gelegentlich bei Besuchen dazu u. giebt guten Rat. Auch befleißigen sich die Lehrer, beide Sprachen zu üben in Theorie und Praxis, doch giebts leider nur langsame Fortschritte und keine glänzenden Erfolge. Doch muß man bedenken, daß wir durchgängig eine verhälnißmäßig späte Ernte haben und infolgedessen die Schüler erst in sehr stark vorgerückter Jahreszeit zum Unterricht vollzählig erscheinen. Dies ist aber in den Schulen, die unter der Regierung stehen, nichts besser, da kein Schulzwang besteht. Dann kommt im Frühlinge die lange Ackerei, während welcher des mangelhaften und unregelmässigen Schulbesuche wegen die Schulen geschlossen sind. In den Schulen auf den Russendörfern bleibt er dann schon geschlossen. Die Ackerferien ziehen sich oft von 4 bis 6 Wochen in die Länge; dann haben die lieben Buben das freie angenehme Bewegen in der freien Luft sich angeeignet und der Lehrer hat seine Mühe, die Gedanken derselben zu sammeln un zu konzentrieren.
Über diesen unseren Schulen setht ein sogenannter Schulrat, gegenwärtig aus zwei Predigern aus unserer Mitte bestehend, die dieselben zu überwachen und mithelfend einzugreifen haben. Getrieben wird in den Schulen: Religion jeden Tag die erste Stunde, deutsche und russ. Sprache, Arithmetik, Geographie und Gesang. Monatlich wird abwechselnd in den Schulen eine sogenannte Schulkonferenz abgehalten, die außer von den Lehrern auch vom Schulrate besucht werden. Bei dieser Gelegenheit werden die Angelegenheiten der Schule beraten und geordnet. Den Gehalt beziehen beide Lehrer (Gnadenthal Joh. Wall, Nikolaipol Heinrich Janzen) von der betreffenden Dorfsgemeinde und erhalten freie Wohnung, verbunden mit dem Schulzimmer, Heizung und Weide für`s Vieh. Das Schulhaus ist allein von der betreffenden Dorfsgemeinde erbaut und wird auch von derselben unterhalten.
So dürfen wir unsere Muttersprache und Religion ungehindert noch in unseren Schulen fleißig pflegen und werden darin in keinerlei Weise beeinträchtigt, wofür wir dem Herrn gegenüber den Dank wohl fühlen, aber leider nicht gebührend ihm denselben darbringen; dann aber auch den Segen Gottes auf unsere wohlwollende Regierung herabflehen und ihrer vor dem Throne Gottes in unserer Fürbitte gedenken. Möge uns der Herr immer mehr würdig machen unsern Beruf und unsere Stellung treu zu erfüllen und auszufüllen, damit sein Name durch uns gepriesen und verherrlicht werde.
15 November 1901

 

15 Januar 1902, S. 5 – Asien, Nikolaipol, Ansiedlung bei Aulieata. – Br. Corn. Eck ist seit dem 31 Okt. aus unserer Mitte. Er entschlief sanft im Herrn im Alter von 53 J. 5 M. und 25 T., nachdem er ungefähr einen Monat schwer gelitten. Er hinterläßt zwei Söhne, von denen der älteste bereits selbst Vater von Kindern ist, und 3 Töchter, die zwei jüngsten noch unerzogen. Seine Gattin ging ihm vor einigen Jahren voran in die ewige Ruhe. Das Wetter war etwa zwei Wochen günstiger; gegenwärtig kann aber wieder nicht gedroschen werden (wir hatten an zwei Monaten Regenwetter, daß fast nichts mit dem Getreide zu beginnen war) weil etwas Schnee gefallen ist. Die Kranken hier sind meistens wieder besser.
In vergangenen Tagen wurde viel Schweinefleisch nach Taschkent geliefert. Preis von 4 Rbl. 50 Kop. bis 6 Rbl. 50 Kop. a. Pud. Die Fahrt nimmt 14 bis 20 Tage in Anspruch.

   
Zuletzt geändert am 14 Dezember, 2018