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Bericht von Jacob Mandtler aus Andrejewka, Asien in der Zeitung „Zions-Bote“ vom 6. Januar 1897, S. 2

 

Zugeschickt von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung „Zions-Bote“ vom 6. Januar 1897, S. 2. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Aus Asien.

Andrejewka, 3 Nov. 1896.
Lieber „Zion - Bote“. Friede zuvor!
Da wir hier durch Gottes Gnade am 5. Okt. Erntefest feierten, so will ich einen kleinen Bericht davon einrecihen. Es war ein roher Morgen mit hellem Sonnenschein durch die Güte unsers himmlischen Vaters an seine Kinder hier um Thränenthal. Zuerst sang der Chor etliche Lieder. Die Einleitung zur Gebetsstunde hielt Br. Jacob Janzen über Luk. 17, 12, von den 10 Aussätzigen. Es wurden etliche Gebete zum Herrn Jesu aufgeschickt. Darnach redete Br. Johann Klassen über das Wort Luk. 12, 49. O daß dieses Feuer alle Herzen der Menschen erwärmen und erleuchten mögen; dann wurde vom Chor wieder ein Lied gesungen. Dann führte Gerh. Kopper aus der Köppenthaler Gemeinde die Festrede weiter und sprach über das Wort Ebr. 11, 1 – 10.
1. Von der Sprache des Unglaubens, 2. Von der Sprache des Glaubens, und 3. welche Sprache führst du?
Dann sang der Chor das Lied: Ihr Zionspilger u.s.w. und ferner noch mehrere Lieder.
Nun wurde zu Mittag gespeist. Die Bedienung war gemeinschaftlich, mit kaltem Fleisch, Weißbrot, Thee und Kaffee. Die Gäste außerhalb der Gemeinde wurden das erste bedient. Es wurden während draußen im zeit gegessen, wurden weitere Lieder vom Chor gesungen, wodurch sich die Herzen recht nach oben richteten. Während dem Chorgesang wurd eine Kollekte abgehalten für die alte Neumans aus Taschkent, welche jetzt beide auf unserer Ansiedlung sind.
Von 2 bis 4 Uhr redeten noch zwei von der Köppenthaler Gemeinde, Ersterer, Hermann Epp, über das Wort Gal. 5, 22. Er hob besonders hervor, da uns der Herr in diesem verflossenem Jahre so reichliche Früchte von unsern Feldern einernten hatte lassen, wie es denn mit unsern Glaubensfrüchten beschaffen sei, ob wir sie haben nach dem verlesenen Textes Wort. Dann folgte Herman Wall; nachdem er ein Lied vorgesagt, sprach er über 1. Mose 3, 9. Er wandte das Wort, „wo bist du?“ zum Heile der Zuhörer an. Wenn der Herr Jesus am Gerichtstage würde rufen, wo bist du? Du dann sagen könntest, hier bin ich, und alle die du mir gegeben hast, ich habe deren keins verloren. Dann sang der Chor noch das Lied „Komm zurück“. Und so war es Abend geworden und viele kehrten schon in ihr Heim.
Da wir viele so dicht beieinander wohnen, so hielten wir von halb 6 bis 7 Uhr noch ein Mahl, und nach dessen Vollendung sprach noch Br. Joh. Wall über das Wort Matth. 19, 20. „Was fehlt mir noch?“ , dann wurde gebetet und ein Schlußvers gesungen und ein jeder kehrte heim zur Nachtruhe.
Da ich zwar nicht ans Reden kam, so hätte ich doch viel gehört, und ich glaube ein jeder mußte doch gestärkt und gesegnet von dannen ziehen, aber am folgenden Tage wurde man es inne daß dem nicht so sei, denn am folgenden Tage unterhielten wir Vormittag des Herrn Mahl und Fußwaschung, und es fehlten von den Geschwistern, die des vorigen Tages waren, etliche bei der Abendmahlsfeier. Ach wann wird die Stunde schlagen, wo der Feind kein Herz mehr berücken wird? Dann ruft man: O komm Herr Jesu.
Sonntagmorgen leitete Br. Franz Braun die Gebetsstunde, und nachdem mehrere gebetet und gesungen wurde, sprach Br. Heinr. Kröker und zuletzt noch BR. Joh. Klassen in Betreff des Abendmahles.
Nachmittag war ein Sonntagschulfest, wobei die Lehrer Kornel. Gossen Jr. und Joh. Wall mit den Kindern Gottes Wort beleuchteten, und noch manche Sprüche aus Gottes Wort aufsagten. Zuletzt wurden die Kinder mit Geschenken erfreut. O freudenreiche Tage, Jesus war auch da. Aber eins fehlte, wir möchten so gerne auch einmal wieder von auswärtigen Brüdern zum Besuch haben. Nun sei ruhog meine Seere, so der Herr will, kanns sein. Bald führt der Herr uns zusammen, wo wir Jhn und uns alle sehen werden. Amen.
Von eurem Mitpilger nach dem himmlischen Kanaan
Jacob Mandtler.

Wenn Ihr in Manitoba, Blumstein, den „Zions - Bote“ leset, so diene zur Nachricht: wir sind noch alle gesund. Die letzte Postkarte erhalten. Briefe nicht erhalten.
Ders.

   
Zuletzt geändert am 14 Dezember, 2018