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Brief von Cornelius Dück aus Andrejewka, Asien in der Zeitung „Zions-Bote“ Nr. 18, vom 1. Mai 1895, S. 4

 

Zugeschickt von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung „Zions-Bote“ Nr. 18, vom 1. Mai 1895, S. 1-4. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Asien, Aulieata, Andrejewka.
25. Febr. 1895.
Geliebter Br. Harms, den 23. d. M. erhielt ich deinen mir werten Brief, sammt der dabei befindlichen schönen Summe Geld von 74 Rbl. Den Gegenwert von 40 Doll. Besten Dank sei allen Wohltätern. Ein „Vergelts Gott“ in Zeit und Ewigkeit! Es fühlt nur derselbe die Güte und Wohltat so recht, der sich selbst nicht helfen kann, zumal ich keinen Kopeken erwerben kann und so viel Gutes an mir erwiesen wird, und so zu sagen in einer geldknappen Zeit. Der Herr wolle es einem jeglichen vergelten nach seiner Verheißung! Herzliche Grüße an alle Geschwister mit Matth. 10, 42, von Euren dankbaren Bruder und Mitpilger nach dem obern Kanaan. Wie ernst der Herr redet, haben wir hier auch wieder erfahren, denn auf den 23. Januar d. J. rief Er die Witwe Franz Wall (früher Trakt, Samarisches Gouvernement) durch eine dreitägige Krankheit aus diesem Leben. Und am 11. Februar 3 Uhr Morgens wurde Johann, der 16 jährige Sohn der Geschwister Johann Klassen (fr. Steinfeld, Molotschna)durch einen fast plötzlichen Tod von dieser Welt abgerufen. Er war schon etwas über 2 Jahre leidend, zuerst litt er an Reißung wobei sich anfingen wunde Stellen zu äußern und dieselben auch nicht mehr zu heilen schienen, sondern übler zu werden. Er war meistens außer Bett, jedoch zur Arbeit so gut wie unfähig. Da wurden sich Eltern und Sohn einig, eine Sarfaparillakur zu probieren, zu welchem Schritt denn auch den 2. Febr. Gegangen wurde, und als er den neunten Tag in der Kur war, hat er Nachts ½ 2 Uhr den Schnucken bekommen war auch gleich sprachlos und 3 Uhr war er eine Leiche. Ein großer Schmerz wars für die Eltern, jedoch auch wieder ein Trost, zumal sie wussten, dass er bei Jesu war. Er wurde am 22 Mai 1894 als ernstes Kind Gottes durch die Taufe der Gemeinde hinzu gethan; er hatte sich schon vor etwa einem Jahre bekehrt. Auch bei seiner Kur wie auch schon vorher, hat er sich zubereitet für die Ewigkeit. Er hatte sich noch Tags vor seinem Heimgang gefreut, daß er bald würde gesund sein. Ja, Er ist gesund, aber nicht wie er dachte, jedoch besser, denn er hat jetzt ewige Ruhe, Friede und Seligkeit. „Gottes Wege sind nicht unsre Wege und seine Gedanken sind nicht unsre Gedanken.“ Und „Gottes Wege sind recht und dazu eitel Güte und Wahrheit,“ und dabei bleibts! Dem Herrn die Ehre und der Dank! Meine Gesundheit ist auch wieder sehr schwach, muß mich schon sehr anstrengen beim schreiben. Vielleicht sind auch meine Tage bald dahin, und so kann ich mich auch ausruhen. Will auch noch anmerken, dass sich einige verehelicht haben, nämlich: Peter, Sohn des Korn. Wall Gnadenfeld, mit Maria, Tochter des Wilhelm Giesbrecht, Andrejewka. Hermann Neumann, Stiefsohn des Johann Regehr mit Aganetha, Tochter des Peter Janzen, Köppenthal. Joh. Sohn des Peter Wiebe Nicolaifeld, mit Maria Tochter des Jacob Janzen. Isaac, Sohn des Isaac Penner, Andrejewka mit Helena Wiens, Stieftochter des Joh. Dürksen, Nikolaipol. Jakob Sohn des Wm. Giesbrecht Andrejewka mit Susana Tochter des Korn. Wall Gnadenfeld.
Heute wars 18 Grad R. warm. Den 19. dieses M. wurde die Saatzeit begonnen.

Cornelius Dück.

   
Zuletzt geändert am 13 November, 2018