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Zwei Berichte über die Reise von Molotschna nach Turkestan und von Asien nach Amerika . Quelle unbekannt. Übersetzung aus dem englischen von Olga Klassen

 

Zugeschickt von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Von Molotschna nach Turkestan, Asien

Frau M. Schulz und Pony Bock (unleserlich – E.K.), Kansas

 

Die Reise von Russland nach Asien begann am 01. August im Jahr 1880. Wir starteten in Waldheim, an einem Donnerstag. Am Sonntag waren wir am Fluss Kalmus (Kalmius – E.K.) bei Marienpol (Mariupol – E.K.). Ein heftiger Regen überraschte uns dort. Am 7. August starteten wir erneut. Wir ritten 70 bis 80 Werst bis zum nächsten Sonntag, hatten sehr viel Regen. Wir überquerten den Fluss Mius mit einer Fähre. Am nächsten Sonntag, am 17. August, campierten wir am Fluss Donnekel (Donetz? – E.K., s. auch den Bericht ).
Unsere Gruppe bestand aus 82 oder 83 Familien. Am 23. August überquerten wir den Fluss Don wobei heftiger Regen und Sturm die Wagen beinahe umstieß. Wir hatten 2 Pferde vor jeden Wagen gespannt. Von dort aus reisten wir 50 Werst zu einem russischen Dorf. Am Sonntag pausierten wir erneut am Yarmark (Wochenmarkt – E.K.). Am nächsten Sonntag kamen wir an einem deutschen „Chuter“ (Gehöft – E.K.) an.
An der Wolga bestiegen Abraham Peters und Peter Wiebe ein Schiff in Richtung der deutschen Kolonie in der Nähe von Sawatow (Saratow – E.K.), um sich mit Peter Quiering zu treffen. In der Nacht nach unserem Gebet hörten wir das Geräusch eines Wagens – und Gesang. A. Peters, J. Janzen und einige der Wolgaer kamen zu uns. Sie sagten, dass noch mehr aufs uns in Nowesen (Nowousensk?? – E.K.) warten. Dort erwartete uns ein Proviant von 75 Pfund Mehl, 25 Pfund Kartoffeln, 95 Pfund Roggenmehl, ein wenig Hafer und Heu. Montag in der Frühe fuhren zwei Wagen voraus um Brot zu backen und den Hafer zu messen bzw. zu aufzuteilen. Die Anderen folgten im Abstand von 70 Werst. Von dort aus reisten wir weiter, machten am Sonntag an einer Quelle eine Pause und erreichten am Dienstag Oralska (Uralsk? – E.K.). Am 17. September verschwand der alte Herr Wedel. Er ging verloren. Einige Männer gingen noch einmal zurück und fanden ihn. Am 16. Oktober erreichten wir die Wüste.
Wir versorgten uns für 10 Tage (die letzte Stadt war Orenburg. Am 16. Oktober erreichten wir den Fluss Tigris (Irgis – E.K.) und waren an der großen Wüste angelangt). Wir schlachteten 6 Rinder im Wert von 160 Rubel. Wir starteten am 20. Oktober in die Wüste.
Wir verstauten das Essen auf Kamelen. Der Regen hatte die Straßen hart gemacht, also kamen wir schnell voran. Am Sonntag den 26. Oktober campierten wir an einem Meer, aber das Wasser war salzig, also mussten wir weiter weg nach Wasser suchen. Am 30. Oktober erreichten wir mit Gottes Hilfe Kasalinky (Kasalinsk – E.K.) und ruhten uns aus. Am 11. erreichten wir das Fort Prowska (Fort-Perowsk – E.K.). Am 12. verschwand Herr Wedel erneut. Wir machten uns auf die Suche nach ihm, konnten ihn aber nicht finden. Wir informierten die Polizei und machten uns weiter auf den Weg. Am 15. November erreichten wir Shuhfleck (Shilik - ? E.K., s. auch den Bericht) wo uns ein Telegramm erwartete. Die Kirgisen hatten Herrn Wedel 15 Werst außerhalb der Stadt gefunden, seine Hände und Füße erfroren. Sein Sohn Tobias, Schwiegersohn Derksen, Peter Wedel und Benjamin Derksen gingen zurück um ihn zu holen, aber als sie dort ankamen war er bereits verstorben und begraben worden. Am 21. November 1880 erreichten wir Turkestan, Asien. Dort hinterließen wir ein zweites Grab, von David Wiens, mit 19 Jahren verstorben (vermutlich wird hier Dietrich Wiens gemeint, s. auch andere Berichte in der „Men. Rundschau“ – E.K.). Vom 25. – 27. fiel ein starker Regen. Am 29. trafen wir auf eine 4 Werst langen Berg und es regnete bis zum Abend. Am Abend kamen einige von der Wolga um uns zu treffen, unter ihnen auch D. Peters und P. Quiring, der eine Abkürzung über St. Petersburg genommen hatte. Am 02. Dezember 1880 erreichten wir die Stadt Taschkent. Die Unterkünfte waren für uns bereit, quadratische Häuser, mit einem offenen Quadrat in der Mitte.
Ich war froh, dass die lange Reise von 40 Monaten und 3 Tagen zu Ende war. Nun versuchte jeder seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, Steine zu beseitigen, Sand, Schmutz, etc.
Das klimatische Fieber tötete 32 – 36 Personen. Der Älteste Abraham Peters, der Anführer der Gruppe, starb ebenfalls. (Sie waren Mennoniten) Einige andere wurden gerettet. Ich war in der Gruppe, die Gott gefunden hatte.
Am 02. Mai 1882 reisten wir 300 Werst in südöstlicher Richtung zu einer Siedlung. Am 24. April kamen wir dort an. Wir hatten die Rinder mitgenommen. So wurde das Land auserwählt und wir begannen mit der Landwirtschaft. Es war  bereits spät und nebenbei stellten wir Ziegelsteine her und bauten Häuser.
Am 03. Oktober schneite es und die Haferfelder gefroren, bevor sie knospen konnten. Das Wetter wurde wieder wärmer, so dass alle Menschen ihre Häuser vor dem Winter fertig stellen konnten.

Rev. Jacob Reimer

Frau Reimer veröffentlichte diesen Artikel in „Vorwärts“ nach seinem Tode. (“Vorwärts“ eine Zeitung? – E.K.)

 

 

Von Asien nach Amerika

 

Im Jahr 1885 emigrierte eine Gruppe aus Asien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir luden Proviant und Bettwäsche auf Wagen und nach einem traurigen Abschied begann unserer Reise in Auliata, ungefähr am 20. April. Unter den Leuten waren David Schmidt, seine Frau und seine Familie. Seine 2 ältesten Söhne John und Tobias blieben in Asien um ihren Militärdienst abzuleisten, kamen aber später ebenfalls nach Amerika.
Wir reisten in Wagen nach Samara. Dort wurden die Pferde und Wagen verkauft. In Samara nahmen wir den Zug nach Bremen, Deutschland. Dort gingen wir am 26. August an Bord der S. S. Elbe (Shipline North German Lloyd).
Unter den Passagieren waren auch Mr. und Mrs J. L. Janzen, Mr. und Mrs. Henry Funk, Mr. und Mrs. Cornelius Funk, Mr. und Mrs. Jacob Funk – alle  verstorben.
Einige der noch lebenden Passagiere sind: Mr. Frank Kroeker, Cornelius Esau, seine Schwester Mrs. Helena Nickel, Mrs. Benjamin Wedel, Mrs. Cornelius Reimer, Mr. Gerhard Koop, Frank H. Janzen und seine Schwester Mrs. Maria Dyck.
Das Schiff erreichte New York am 04. September 1885 (in Klammern steht 5 September 1885 - ?? E.K.)

Lena und Agatha Funk
06. September 1940

   
Zuletzt geändert am 22 September, 2018