Brief von Heinrich und A. Mandtler aus Andrejewka, Asien in der "Mennonitische Rundschau" vom 3. Mai 1911, Seiten 13-14

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 3. Mai 1911, Seiten 13-14. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Andrejewka, Asien, den 14. Februar 1911. Den Gruß des Friedens zuvor! Weil ich auch ein Leser der Rundschau bin, und so sehr viel auf sie halte, so dachte ich, es würde dem Editor lieb sein, ein paar Zeilen von hier aufnehmen, denn ich habe schon lange den Trieb gefühlt, ihr etwas mit auf die Rundreise zu geben. Aber ich war immer der Meinung, ich werde es nicht recht machen, und ich halte mich heute noch nicht darüber, daß ich es schon treffen kann, doch will ich mein Bestes tun. Ich hätte es eigentlich schon tun sollen, als der vorige Editor noch den Hobel zog, weil er mir noch aus der Schule bekannt ist. Ich erinnere mich seiner noch sehr gut, von dazumal, und gedenke, er wird sich auch meiner noch erinnern, von damals, als ich beim Schullehrer Franz Kliewer einen Monat war. Damals war ich nach meiner Meinung schon etwas groß.
Ich weiß nicht gut anzufangen, mir fallen immer die lieben Geschwister ein, die von hier aus Turkestan nach Amerika zogen. So will ich denn denen ein Lebenszeichen von mir geben. Da ist Bruder Abraham Görz. Ihr werdet uns noch lange im Andenken bleiben. Ich werde euch nicht alle auffinden, aber ich traue es der werten Rundschau zu, denn die sucht alle Ecken durch.
Wie geht es euch, teure Geschwister im Herrn, Siebert und Lena Görz? Und wie geht es euren Kindern Peter und Lenchen? Ich denke oft der vorigen Zeiten und die Liebe Christi dringet mich also zu euch. Laßt doch von euch hören!
Dann sind da in Oklahoma Geschwister David und Jacob Reimers, auch Cornelius. Ich wünsche euch Glück im Zeitlichen und Segen im Geistlichen. David Reimers, im vorigen Jahre nach Kansas gezogen, euch rufe ich zum Trost Psl. 94, 9 zu. Eure Kinder sind gesund und froh. Peter und Jacob sind oft unserm Petrus seine Gäste.
Da sind in Michigan noch die lieben Geschwister Heinrich und Tine Janzen. Du, liebe Schwester in Christo, du schicktest mir einmal einen Gruß durch die Rundschau. Ich fühlte deine Liebe. So seid denn alle, alle herzlich gegrüßt von mir, auch Heinrich und Liese Koop.
Jetzt will ich noch meine Freundschaft aufsuchen. Wo bist du, liebe Schwester Susanna, geborenen Hamm? Deine Pflegeeltern waren Jacob Krökers, von der Krim nach Amerika gezogen. Ich bin deine Schwester Anna Hamm, in Rückenau bei David Krökers als Pflegetochter auferzogen. Lebt dein Mann Heinrich Pankratz noch? Schreibe mir einmal einen Brief, oder berichte durch die Rundschau von euren Verhältnissen.
Nun, mein Neffe, Jacob Hamm, fühlst du dich noch immer einsam, oder bist du schon zuhause in deiner Heimat für dieses Leben? Suche Jesum und sein Licht, alles andere hilft dir nicht. Unsere kleine Anuta wollte einen Tag nach Onkel Jasch spazieren reiten, um zu sehen, ob er hätte Mazipan (Marzipan? – E.K.) - Zuckerwerk – gekauft für sie.
Schreibe mir doch, wie es geht.
Jetzt aber noch zu meiner lieben Cousine Sarah Nickel. Ihre Eltern waren Dietrich Nickel, von Großweide, meine Tante. Sie waren weit und breit bekannt als Tolltrunkkocher. Und wo sind Vogten Kinder? Die alten Eltern werden doch schon tot sein, sie war meine Tante. Und wo wirst du, werte Rundschau noch meinen Onkel Bernhard Hamm finden, welcher von Friedensfeld nach Amerika zog. Lieber Onkel, Kousins und Kousinen, leitet mich doch durch einen Brief an, an euch zu schreiben, denn ihr werdet doch etwas mehr wissen wollen, als nur dieses bischen Schreiben.
Jetzt noch zu meinem lieben Cousin Heinrich Teichrüb, Pasadina, California. Oder bist du schon eingegangen zu deines Herrn Freude? Dann ist vielleicht ein anderer so gut, und läßt es mich wissen.
(Wahrscheinlich lebt er noch, aber nicht mehr in Pasadina, sondern 2637 East Third Street, Los Angeles, California. - Editor)
Schreibt alle dort in der Ferne, sei es, wer es sei.
Ich hoffe auf ein frohes Wiedersehen bei unserem Erlöser.
Heinr. J. u. A.Mandtler.
Aulie-Ata, SyrDar. Obl. Asiatisch. Rußland.
Bruder Martin B. Fast sei vielmal gegrüßt als Schulbruder, samt Frau und Tochter. Wer weiß, ob vielleicht jemand von meiner Freundschaft würde so gut sein und mir die Rundschau schicken, daß sie mein eigen dürfte sein. Denn ich bin nur ein Nachleser.

   
Zuletzt geändert am 9 Februar, 2017