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Brief von Johann Willems, Ischalka, Neu Samara, in der "Mennonitische Rundschau" vom 18. Juni 1902, Seite 9

 

Abgeschrieben von Lydia Friesen (geb. Esau) (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 18. Juni 1902, Seite 9. (gotisch) von Lydia Friesen (geb. Esau).

 

 

Samara, den 14. April 1902. Werte "Rundschau"! Weil du mir ein guter Bote bist, und viele Familien besuchst, so will ich Dich noch einmal zur Hilfe nehmen. Ich möchte gerne die Adresse von meinem lieben Bruder, Gerh. Willems, welcher von Fürstenlend nach Amerika zog, wissen. Soviel wir Nachricht haben, soll er in einer Stadt sein. Ich bitte die lieben Leser und den Editor, die Adresse durch die "Rundschau" zu veröffentlichen. Auch meinem lieben Vetter, Isaak Wall, sind wir dankbar für den Aufsatz in der "Rundschau". Grüße Deinen Vater und alle Deine Geschwister. Schreibt uns mal einen langen Brief, auch ihr Geschwister P. Voths, in Oklahoma, Ihr schreibt ja gar nicht mehr, auch nicht durch die "Rundschau" Will auch gleich berichten, daß wir Euren Brief mit der Photographie erhalten haben, nehmt Dank dafür. Da sind auch noch in Kansas Pet. Harms und Wil. Harms, die Frauen sind meiner Frau Tanten. Auch sind in Minnesota Isaak Schulzen, er ist meiner Frau Onkel. Ferner sind da noch Bergens Kinder, die meiner Frau Nichten sind, und Hein. Voths Kinder, die meiner Frau Vettern und Nichten sind. Meine Frau erinnert sich noch recht viel an diese Freunde; laßt doch mal alle von Euch hören, brieflich oder durch die "Rundschau". Onkel Is. Schulz hat ja früher so viel geschrieben, als wir noch zu Hause wohnten. Will den lieben Freunden von unserm Befinden mitteilen: es geht uns ziemlich gut, wir haben nichts zu kladen im Irdischen. Diesen Winter waren wir sehr kränklich, überhaupt der kleine Gerhard, er ist jetzt ein Jahr alt und wieder so ziemlich gesund. Wo ist die Zeit, als wir noch bei den lieben Eltern waren, es sind jetzt 10 Jahre, das wir hier sind. Wir haben in der Zeit so manches  erfahren. Zu Weihnachten 1894 fuhren wir zu meiner Frau Eltern, welche damals im Bachmutschen wohnten, jetzt sind sie schon hinübergeschlummert. Wir hatten unsere Wirtschaft auf ein Jahr verpachtet, während dieser Zeit verweilten wir bei den Eltern. Wir waren recht froh, daß wir uns mit den lieben Eltern und Geschwistern begrüßen durften; Aber auch da kamen noch manche schwere Stunden, unsere Kinder erkrankten alle am Scharlachfieber. Der nächstälteste Sohn, Peter, starb, zählte bald sechs Jahre. Er war nur drei Tage krank; was war das für ein Schmerz für uns. Aber wen der Herr lieb hat, den züchtiget er. Es kam wieder ein schweres Scheiden, überhaupt für die liebe Mutter. Die lieben Eltern wollten so gerne haben, wir sollten unsere Wirtschaft hier verkaufen und dann bei ihnen dort kaufen, aber das war nicht thunlich.
Nun will ich mich noch nach der Krim wenden, da sind noch Töwsens Töchter, sie haben Wiensens Söhne zur Männern. Die Frauen sind meiner Frau Nichten, und die Männer sind meine Vettern. Die alte Frau Wiens war meine Tante. Wo steckt ihr denn alle? laßt Euch doch mal hören, auch David Neufelds in Spat nebst Kindern. Da ist auch Wil. Neufeld und Kinder in Makut, ich möchte Euch mal alle sehen.
Jetzt will ich mich mal nach Sagradofka zu unsern Freunden wenden, als da sind: Korn. Bärg. meiner Frau Onkel, weilt er noch unter den Lebenden? Ferner in der Kolonie Rosenort, Witwe Joh. Janzen, meiner Frau Tante, seid alle von uns gegrüßt. Sind da solche Freunde, die nicht das Blatt halten, dann sind andere gebeten, es ihnen zu geben.
Ich will den Lesern noch mitteilen, daß wir am 8. April mit der Saatzeit angefangen haben. Auf dem Vorderhof haben wir einen halben Faden hoch Schnee liegen, und auf der Straße liegt die Schlittenbahn noch eine Arschin hoch, und nebenbei fahren wir mit den Wagen auf das Feld, um den Samen in das Land zu streuen. Der Herr möchte das Gedeihen dazu geben. Wenn man so umschaut, dann liegt in den Niederungen noch viel Schnee. Schwager Voth fuhr an einem Tag mit seinen zwei Söhnen Futter in der Scheune, sie waren gerade mit einem Schlitten eingefahren, da krachte es und das Pferd lief mit ihm zur Thür hinaus. Der eine Sohn konnte nicht ausweichen, er kam an der Wand zu stehen, und das Holz und Stroh drückten ihn fest an die Wand; das Dach von der Scheune und der halbe Stall waren eingefallen, es war ein großes Unglück, aber es war noch ein Glück, daß sie alle mit dem Leben davonkamen. Wir haben schon zweimal durch die "Rundschau" geschrieben, aber es hat sich noch kein Vetter hören lassen; es ist doch so erfreulich, wenn man von Freunden und Bekannten lesen kann.
Johann Willems.
Ischalka, Station Sorotschinskaja, Samara, Russia

 

 

Bemerkungen von Lydia Friesen (Esau):

Johann Gerhard Willems (? - ?), Sohn von Gerhard Johann Willems (Abt 1824 - ?) (#52294), seine Frau war die Tochter von:
Peter Johann Voth (21.11.1926 - 13.12.1899, Klippenfeld, Molotschna) (#283581) und Maria Jakob Baerg (4.02.1829, Prangenau, Molotschna - 11.07.1899, Klippenfeld, Molotschna) (#102464)

Brief von Johann Willms, Neu-Samara. In der "Mennonitischer Rundschau" vom 19.02.1902. 

Brief von Johann Gerhard Willems, Ischalka, Neu Samara, in der "Mennonitische Rundschau", vom 12. März 1902, Seite 10.

Auch meinem lieben Vetter, Isaak Wall:

Isaak Kornelius Wall (10.05.1956, Konteniusfeld, Molotschna - 1.03.1935, Main Centre, Saskatchewan)(#107809)

Geschwister P. Voths, in Oklahoma:

Peter Peter Voth (12.12.1853, Gnadenfeld, Molotschna - 19.09.1925, Reedley, California) (#132506)
Katharina Gerhard Gaede (4.05.1957 - 9.11.1922, Reedley, California) (#132502)

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 24. Januar 1900, Seite 6. (gotisch) von Elena Klassen.

Schwager Voth:

Jakob Peter Voth (ca 1854 - ?) (#1011482)
   
Zuletzt geändert am 28 April, 2018