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Brief von David und Maria Regehr, Ischalka, Neu Samara aus der "Mennonitische Rundschau" vom 25. Juni 1902

 

Abgeschrieben von Lydia Friesen (geb. Esau) (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 25. Juni 1902, Seite 5. (gotisch) von Lydia Friesen (geb. Esau).

 

Ischalka, Gouv. Samara, den 15. April 1902. Werter Editor! Lange schon habe ich etwas für die "Rundschau" schreiben wollen, indem ich mir vorgenommen habe, jährlich mindestens doch einmal etwas durch die "Rundschau" von uns hören zu lassen. Ostern haben wir jetzt, welches uns die glorreiche Auferstehung unsers Erlösers prediget, mit all seinen uns hinterlassenen, und für uns erworbenen Heilsgütern, die wir uns nur aus lauter Gnaden aneignen können und dürfen. Wünschen daher allen Mitpilgern nach Zion, daß wir uns diese Erlösung so recht zu eigen machen, damit wir ein völliges und glückliches Kind der Gnaden werden.
Viel Neues habe ich von hier aus nicht zu berichten. Der Gesundheitszustand ist ein überaus  guter. Wir zählen in unserem Dorfe 22 Wirte, und doch haben wir seit dem vorigen Jahr nicht einen einzigen Todesfall zu verzeichnen. Obgleich es auch hin und wieder an Krankheit nicht gefehlt hat, so haben wir doch Ursache, dem Herrn Lob und Dank darzubringen für die gnädige Hilfe und Bewahrung, welche er uns in diesem in materieller Hinsicht so schweren Jahr  hat angedeihen lassen; denn wir hatten im vergangenen Jahre eine sehr schwache Ernte zur verzeichnen, und es ist wohl in so manchen Herzen der Gedanke aufgestiegen, wie wird es in diesem Jahre werden mit all den Ausgaben, wo keine Einnahmen sind? und doch sind wir noch, und die Sorgen sind auch noch. Aber der alte Gott lebt noch, und sein Trostwort ist auch noch, welches sagt:"Ich bin bei euch alle Tage." O können wir es uns nur so recht aneignen, so würde uns so manches Dunkle in hellerem Lichte erscheinen. Die Führungen des Herrn sind wunderbar. Vergangenen Winter zog hier ein Abraham Walde, Sohn des Abraham Walde von Sagradofka, her. Er hatte hier eine Wirtschaft, bestehend aus 40 Deßj. Land nebst Haus gekauft. Gleich im Frühjahr fielen ihm ein Paar Pferde, hernach stahlen sie ihm den einscharigen Pflug und zu all dem Unglück brannte ihm auch noch sein Gebbäude ab. So etwas ist für einen Anfänger schon nicht sehr ermutigend. Er will jeßt im Sommer neu bauen. Soeben habe ich aus der "Rundschau" des l. Schwagers, D. Hieberts, Ankunft in der Heimat erfahren. Die l. Freunde waren auch bei uns zu Besuch, wofür wir uns noch herzlich bedanken; es waren leider nur einige Stunden, wo wir uns mit ihnen unterhalten konnten, denn sie ließen sich wenig Zeit. Schreibet mir öfter, wenn auch durch die "Rundschau", deren Leser auch wir sind, selbige leistet ja beinahe mehr als man verlangen kann.
Auch Vetter Peter Thießen aus Oklahoma war hier zur Besuch. Er hielt sich hier eine ziemlich lange Zeit auf, weil er hier zwei Brüder, wie auch mehrere Vettern und Nichten auf der samarischen Ansiedlung hat. Seitdem er von hier abgereist ist, haben wir noch keine Nachricht von ihm; ob er schon retour gefahren, oder ob er noch in Rußland ist, wissen wir nicht. Wir haben so manches durch die l. Amerikaner über unsere Freunde erfahren, aber von meiner Frau Schwester, Abraham Klaassen, wußten sie nichts. Selbige lesen wohl nicht die "Rundschau", sonst würden sie doch mal was von sich hören lassen. Es ist da auch noch meiner Frau Vetter, Jakob Kröker, Sohn des Dietrich Kröker aus der Krim. In No. 14 der "Rundschau" frägt Johann Penner nach seinen Freunden, Dietrich Krökers, Krim; demselben diene zur Nachricht, daß die alten Dietrich Krökers beide tot sind. Ihre Kinder wohnen alle in der Krim. Peters erste Frau starb, er ist wieder verheiratet. Dietrich Krökers jun. leben auch noch beide, so viel wir wissen. Katharina ist verheiratet mit einem Johann Kröker, stammend aus Konteniusfeld. Maria hat dessen Bruder, Jakob Kröker, zum Mann. Anna hatte einen Abraham Langemann aus Spat, sie ist gestorben. Elisabeth war eine Frau Johann Fast, Sohn des Joh. Fast, Timirbulath, Krim. Helena war verheiratet mit einem Wiens aus Spat, sie ist jetßt Witwe. Von seinem Schwager Absalom Engbrecht kann ich nur berichten, daß ein Sohn desselben hier bei uns im Dorf wohnt. Oben erwähnter Jakob Kröker ist meiner Frau Vetter. Abraham Klassens diene zur Nachricht, daß unser Vater, Jakob Kröker, Wernersdorf, noch lebt, und auch gesund ist. Wir sind auch noch, Gott sei Dank, schön gesund. Kinder haben wir nur einen Sohn zu Hause, und einen Pflegesohn, Jakob Neumann, Sohn der Schwester Sarah. Tochter Anna, welche Elias Regehrs Frau ist, wohnt in Pleschanow, hat 4 Kinder, Maria, David, Sarah und Anna. Aron ist tot. Katharina, verheiratet mit Joh. Reimer, wohnt hier im Dorf; haben einen Sohn, David. Unsere l. Mutter, welche ihr Hauptquartier bei E. Regehrs hat, ist, dem Herrn sei Dank, noch troß ihrer 76 Jahre, so ziemlich rüstig; von der Krankheit, welche sie hatte, als Schwager Hieberts hier zu Besuch waren, ist sie wieder gesund geworden. Auch Schwester Anna, welche sich bei E. Regehrs aufhält, hat ein schweres Krankenlager durchgemacht, ist, soviel wir wissen, auch wieder gesund.
An den l. Editor Wiens habe ich noch einen Gruß, besonders von Mutterchen, zu bestellen; auch ist ihr darum zu thun, wie auch mir, zu wissen, wo seine l. Frau herstammt, und wie es seiner Mutter und den übrigen Geschwistern geht. Daß der l. Vater des Editors gestorben ist, haben wir aus der "Rundschau" erfahren. Auch möchte ich gerne erfahren, wenn es dem Editor bewußt ist, wo die Kinder des Heinrich Letkeman sich aufhalten und wie es ihnen geht, sind ja noch gewesene Saribascher. Muß noch bemerken, daß Abraham Ensen, gewesene Saribascher, welche bis vergangenen Herbst hier wohnten, ihre Wirtschaften im Herbst verkauften und zu ihren Kindern nach Kaltan zogen, wo die Frau im Winter gestorben ist. Sie litt an der Auszehrung. Mit dem Ackern haben wir am 8. April angefangen, aber der Schnee ist noch nicht ganz weggeschmolzen gewesen. Es hat hier die Feiertage schön geregnet, welches uns sehr gefällt.
Bruder Jakob Regehr schrieb in No. 13 der "Rundschau" auch etwas, ich dächte, es hätte mehr sein können, aber er hat doch wohl nicht recht Zeit wegen seines Handels. Wie wir gehört, hat er einen Kramladen angelegt.
Alle Freunde hüben und drüben grüßend verbleiben in Liebe, Eure Mitpilger,

David u. Maria Regehr.

 

Bemerkungen von Lydia Friesen (Esau):

David Regehr  (13.08.1858, Rosenhof-Brodsky Estate, Taurida, South Russia - ? ) (#531002)
Maria Kroeker  (02.09.1846,Wernersdorf, Molotschna, South Russia - ?) (#531003).

Bericht über die ehemalige Anwohner von Saribasch, Krim, von David Regehr, Ischalka, Neu Samara. In der "Mennonitische Rundschau" vom 27.06.1900.

Brief von David und Maria Regehr, Ischalka, Neu Samara aus der "Mennonitische Rundschau" vom 27. März 1901.

"die alten Dietrich Krökers":

Dietrich Jakob Kröker (15.06.1830, Wernersdorf, Molotschna, South Russia - 24.01.1900) (#54124, #31282)
Katharina Peter Reimer (1.12.1823 - 3.02.1894) (#604642, #31283)

"Tochter Anna, welche Elias Regehrs Frau ist"

Elias Aron Regehr (2.10.1864, Rosenhof-Brodsky Estate, Taurida, South Russia - ?) (#531065)
Anna Abraham Regehr (#419408, #531005)
Anna ist die Tochter von Abraham Regehr (#531009) und Maria Jakob Kroeker (#531003), und die Stieftochter von David Regehr (#531002),
in der Grandma Datenbank steht Anna Klaassen (#419408), das ist Falsch.
Die Familie Elias und Anna Regehr  Foto1Foto2 wohnten in Pleschanowo, Neu Samara und später, laut diesem Dorfplan, in Dolinsk, Neu Samara.
Elias Aron Regehr (2.10.1864 - ?) war Prediger und sein Sohn Elias Elias Regehr (? - 1953) arbeitete als Arzt in Pleschanowo und Podolsk.

   
Zuletzt geändert am 20 Januar, 2017