Brief von Jakob und Maria Penner, Samara, Kaltan. In der "Mennonitischer Rundschau" vom 29.05.1901

 

Abgeschrieben von Lydia Friesen (geb. Esau) (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitischer Rundschau" vom 29.05.1901. Teile der Seite 4 und 5. (gotisch) von Lydia Friesen (geb. Esau).

 

Samara, Kaltan, den 12. April. Dieweil die "Rundschau" ein so treuer Bote ist, und überall in der alten und neuen Heimat sowie auch im fernen Amerika einkehrt, so dachte ich derselben auch etliche Zeilen mitzugeben. so wende ich mich zuerst nach der lieben Mutter. Sie ist Witwe Heinrich Penner. Zuvor wünschen wir Jhnen einen herzlichen Gruß, und das dieses Sie bei bei guter Gesundheit antreffen möge. Wir sind allesamt schön gesund. Der Herr hat uns mit acht Kindern gesegnet, wovon eins jedoch schon in der Ewigkeit ist Ihre Namen sind: Jakob, Heinrich, David, Maria, Elisabeth, Gerhard und Abraham.
 Geliebte Mutter, wir möchten gerne einmal ein Lebenszeichen von Ihnen haben, einen langen Brief. Da wir ihre Adresse nicht haben, so können wir nicht persönlich an Sie schreiben. Es sä?t mir recht oftmals ein , ob meine Mutter auch noch unter den Lebenden oder ob sie auch schon in der Ewigkeit ist, oder, wenn sie noch hier auf Erden, ob sie bei ihren Kindern ist, oder wie es ihr eigentlich gehen mag. Wir können in irdischer Hinsicht über nichts klagen. Getreide haben wir noch alle Jahre bekommen, wenn auch mit Unterschied. Wir sind bald zehn Jahre hier. Während dieser Zeit gab gab es auch manche schwere Stunden durchzukämpfen, so das es oft dunkel aussah, aber Gott sei Lob und Dank, er hat uns beigestanden auch in den trüben Stunden  des Lebens. Nun will ich Euch noch berichten, daß Bruder Gerhard Penner in Orenburg wohnt. Der Bruder besuchte uns anfangs Winter; es geht uns noch nicht zum besten, aber alle Anfang ist schwer. Bruder Peter Penner ist noch in der Kolonie. Er besuchte uns mit einem Brief. Damals war bei ihnen alles Gesund. Um von uns nach Gerhard Penners zur fahren brauchen wir einen Tag. Die Tante Andreas Dekker ist so viel wir wissen Gesund; die Kinder hat sie nicht alle zu Hause. Eva ihr Mann heißt Heinrich Löwen. Anna hat einen Enns, Susanna ist mit Freunden nach Omsk gezogen, Peter muß der Wirtschaft vorstehen. Sarah und Tina und Maria stehen der Mutter zur Seite. Nun will ich noch zur meinen Geschwistern gehen. Peter Köhn und George Unruhs. Liebe Geschwister, was macht ihr denn samt Kindern? Seid ihr noch Gesund? Bruder Friedrich Penner, wo ist dein Aufenthalt, noch bei den Pflegeeltern? Wünsche euch allesamt die Gnade des Herrn. Wir bitten herzlich um ein Lebenszeichen, wenn nicht brieflich dann durch die "Rundschau". Jetzt noch  ein wenig zu den lieben Onkel, Nichten und Vettern. Lebt Onkel Abraham Schmidt noch? Tobias Unruhs und ihr andern Freunde. Wir möchten gern einmal Briefe von euch allen lesen, um zu erfahren wie es euch geht, ob ihr alle euer eigenes Land habt. Wir haben auf unserer Wirtschaft 40 Deßj. Vergangenes Jahr haben wir von 16 Deßj. Weizen 125 Tsch. bekommen, Gerste von 5 Deßj.  58 Tsch.; Hafer 3 Deßj.  25 Tsch.;  Kartoffeln viel mehr als wir brauchen, doch haben dieselben keinen Preis. Der Weizen war 63 Kp. a.Pud. Nun will ich mich auch nicht zu lang aufhalten. Sollte die liebe Mutter und Geschwister die "Rundschau" nicht lesen, so bitte ich andere liebe Rundschauleser ihnen diese Zeilen zu übermitteln.
 Nun will ich noch zu meiner Freunden Frau gehen. Sie ist Peter Nachtigalls Tochter Maria, früher Franzthal. Onkel Heinrich Bekker, früher Franzthal, einen herzlichen
Gruß an euch, so wie auch Onkel Johann Pauls samt Kindern, Gerhard Bärgens Kinder, welche meiner Frau Vetter un Nichten sind, und Peter und Johann Bekker. Wir wünschen euch allesamt die Gnade des Herrn. Meine Frau schrieb einmal einen Brief an ihre Freunde, aber wir haben keine Antwort erhalten. Wir bitten herzlich um Nachricht, wenn nicht brieflich, dann durch die "Rundschau". Meine Frau sieht zu allererst, wenn die "Rundschau" kommt, die Nachrichten von Amerika durch, ob nicht mal was von Mutter oder Freunden darinnen ist. Lebt Heinrich Voth, früher Franzthal, noch? Seine Schwester  Eva läßt ihn herzlich grüßen. Seine Schwester, Liedke, ist in Orenburg bei ihren Kindern David Liedkes. Wir sind beschäftigt mit der Saatzeit. Es ist recht schön warm, aber der Winter ist auch kalt und lang.
 Liebe Mutter und Geschwister, seid herzlich gegrüßt von euren Kindern.
 Jakob und Maria Penner
 Unsere Adresse ist:

  B. B. Voth, zur übergabe an Jakob Penner, Kaltan, Sorotschinskaja, Gouv. Samara.
   
Zuletzt geändert am 24 Oktober, 2016