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Lebenslauf von Katharina Löwen (geb. Rempel) aus Osterwick

Zugeschickt von Jakob Löwen (Email), alle seine Berichte.

 

Ich, Katharina Löwen (geb. Rempel)  bin am 16.05.1938 im Dorf Osterwick, Kreis Saporoshje (Ukraine, UdSSR) geboren. Mein Vater Jakob (Abram) Rempel arbeitete in einer Kolchose. Er hatte von seinen Eltern eine große Landwirtschaft mit allem Hab und Gut geerbt, die ihm in den Jahren der Kollektivisation abgenommen wurde. Mein Vater verstarb im August 1973 in Duschanbe, UdSSR. Wir wohnten in einem deutschen Siedlungsgebiet, Dorf Osterwick.

Im August 1941 wurde mein Heimatgebiet durch die deutsche Wehrmacht besetzt. Als der Rückzug der deutschen Truppen einsetzte, wurden wir von der Wehrmacht zum Bahnhof Kanzerovka gebracht, das war am 18. Oktober 1943. Wir wurden in einen Zug , in Güterwagen eingeladen und nach Deutschland gebracht und am 1. November in Königshütte in Oberschlesien, Bismarkstrasse 37 im Umsiedlungslager 209 lagermäßig untergebracht. Dann wurden wir am 20. Januar 1944 in Kattowitz eingebürgert.

Im Juni 1944 wurden wir ins Durchgangslager Dombrowa überführt, von wo aus wir am 1. Dezember 1944 ins Dorf Groditz (Grodziec) bei Bendsburg gebracht wurden. Hier bekamen wir mit meinen Eltern eine Wohnung, wo wir bis Januar 1945 wohnten.
Wegen der Frontnähe wurden wir am 18. Januar 1945 mit dem Zug  nach Kreis Jauer evakuiert, von Jauer nach Seichau. Von hier flüchteten wir am 12. Februar 1945 über die Tschechoslowakei weiter Richtung Westen und gelangten bis zum Kreis Budweis, Dorf Duben.

Hier wurden wir am 9. Mai 1945 von den Amerikanern gefangen genommen. Am 10. Mai wurden alle Russlanddeutsche morgens auf große Lastautos geladen und den Russen in ein großes Sammellager dicht bei Prag übergeben. Das Lager war umzäunt mit Stacheldraht und wurde von russischen Soldaten bewacht, so das wir nirgends hin konnten. Am 27. Mai 1945 wurden alle Männer, auch unser Vater Jakob Rempel (geb. am 28. April 1906) versammelt und nach Sibirien ins Zwangslager gebracht.

Frauen und Kinder wurden in Prag im Zug eingeladen und nach der russischen Grenze verschleppt. Sie kamen in ein großes Sammellager Sadowowischnja, unter Bewachung russischer Soldaten. Dort wurden uns alle Pässe, Urkunden und andere Unterlagen abgenommen. Im Lager wurden wir wieder in einen Zug eingeladen und unter Bewachung russischer Soldaten nach Mittelasien, Tadschikische SSR, Stadt Duschanbe verschleppt, wo wir am 15. August 1945 ankamen. Von Duschanbe hat man uns in die Kolchose Maxim Gorki,  Abteilung Pachtakor  nahe afganischen Grenze gebracht, etliche tausend Kilometer vom Herkunftsgebiet entfernt. In unsere Heimatdörfer in der Ukraine durften wir nicht mehr zurückkehren.

Untergebracht wurden wir, meine Mutter mit sieben Kindern in einer Stube. Verpflegung gab es keine. Bis März 1956 waren wir unter Kommandantur-Meldepflicht. Urlaub und Bewegungsfreiheit seit 1956, aber in die Ukraine durften wir unter Androhung einer Strafe nicht zurück. Ich musste so jung anfangen verschiedene Arbeiten zu leisten, da mein Vater im Zwangslager in Sibirien war bis Ende 1951, weil er mit uns eingebürgert war, die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte und nach Deutschland gezogen war.

Vom 1. September 1954 bis 2. Juli 1956  lernte ich in Kurgan-Tjube, Tadschikistan als Krankenschwester. Vom 1. August 1956 arbeitete ich als Krankenschwester, bis zum 10.08.1989. Im Jahr 1961 heiratete ich Nikolai Löwen, wir bekamen fünf Kinder - Jakob, Nikolai, Anna, Hans und Peter.

Seit  1956 ab der Aufhebung der Kommandantur  hat sich unsere Familie um die Umsiedlung in die Bundesrepublik bemüht. Diese Ausreiseanträge wurden stets abgelehnt. Uns wurde mitgeteilt, dass nur ein naher Verwandter einen Antrag stellen  könne, der uns eine Einladung nach Deutschland zuschicken sollte. Wir hatten in der Zeit in der BRD keinen nahen Verwandten.

Im Jahre 1972 bekam meine Schwester die Erlaubnis zur Ausreise aus der UdSSR in die BRD. Von 1974 bis 1989 hatten wir insgesamt 14 Ausreiseanträge gestellt, allesamt  grundlos abgelehnt. Jedes halbe Jahr hatten wir einen Antrag auf Revision der Ablehnung gestellt, die wiederum abgelehnt wurden. Die Antragstellung war immer wieder mit Schikanen verbunden und wir wurden manchmal auch als Verräter geschimpft. Auf den 15. Antrag erhielten wir endlich unsere so lange erwartete Ausreiseerlaubnis aus der UdSSR. Den 13. September 1989 traten wir die Reise aus Duschanbe über Moskau nach Deutschland an. Am 20. September kamen wir im Grenzdurganglager Friedland an.

Leopoldshöhe, den 10.Januar 1990

Katharina Löwen

   
Zuletzt geändert am 25 Februar, 2017