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Brief von J. P. im „B.B.“ aus Petro-Alexandrowsk in der "Mennonitische Rundschau" Nr. 36 vom 5. September 1883

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" Nr. 36 vom 5. September 1883, Seiten 1 und 2. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Asien.
Petro – Alexandrowsk, 30. März 1883. Wenn ich auf Ihren l. (lieben – E.K.) Brief eingehe, so wiederhole ich das Obengesagte, daß uns Ihre warme Theilnahme tief beschämt hat. Sie konnte nur gewirkt sein durch die treue Heilandsliebe und dennoch können wir auf den uns gemachten Vorschlag nicht eingehen. Mit den theuren Seelen dort vereint zu werden, wer möchte das nicht sehr, sehr gerne, und dennoch dürfen wir den Weg dahin nicht einschlagen. Sie sagen, das Friedensreich besteht bald 2000 Jahre auf dieser Erde, wir glauben, daß die gegenwärtige Zeit, eine Zeit tiefer Wirren, die zum großen Theil schon ihren Anfang genommen haben, ist und daß die Folgezeit noch viel schwerer werden wird, bis sie in die große Vesuchungsstunde übergeht, vor der aber die Gemeinde, die das Wort der Geduld behalten hat, bewahrt bleiben soll. Und auch über Amerika wird diese Nothzeit kommen. O, bitte, lassen Sie und alle lieben Geschwister diese Zeit nicht aus dem Auge. Gottes Wort wird in allen seinen Theilen volle Erfüllung finden und der prophetische Theil des theuren Wortes Gottes ist gewiß nicht umsonst da, ist vielmehr ein helles Licht, wie für alle unsre Wege, so besonders für die künftigen Nothzeiten. Ich bitte Sie, lassen Sie auch den Weg unseres kleinen Häufleins, so thöricht er erscheinen mag, nicht ganz aus dem Auge, es kommt eine Zeit, wo er gerechtfertigt werden wird.

Was ich im Uebrigen von uns berichten kann ist, daß wir in der letzten Zeit wieder durch Dunkelheiten gehen mußten. Wir erhielten etwa vor 5 Wochen mit einem Male die Aufforderung, daß wir in zwölf Tagen uns zur Abreise fertig halten sollten, wohin, wurde uns nicht gesagt. Es reisten in Folge dieser Bekanntmachung drei Brüder hierher, um Näheres zu erfahren und auch bei der Behörde zu wirken, konnten aber weiter nichts ausrichten, als daß sie erfuhren, daß der neue Gou.Gäw. Tschernajew auf dem linken Ufer des Amu-Darja keine Ansiedlung wünsche. Derselbe Tschernajew sollte in Kurzem herkommen, und sollten wir den sprechen. In dieser Angelegenheit bin ich und noch zwei Brüder denn hier und haben denn gestern eine Audienz bei dem General gehabt, wo er uns denn zu verstehen gab, daß wir nach Alieata (Aulie-Ata - E.K.), wo ein Theil unserer Gemeinde wohnt, gehen sollten, dort waren fünfzehn Freijahre. Als wir sagten, daß wir darauf nicht eingehen könnten und daß wir ihn baten, uns auf unserm Ansiedlungsplatz zu lassen, sagte er, daß er nichts dagegen habe, wenn es für uns nur gut sei. Wir sagten, daß wir unsere ferneren Wege in die Hand unseres treuen Gottes legen wollten, worauf er erwiderte: „Bleiben Sie, ich werde Ihretwegen mit dem Chan sprechen.“ So ist diese Wolke wieder durch des Herrn Gnade verzogen und Er wird weiter helfen. Ich muss zum Schlusse eilen, da wir uns zur Heimreise rüsten. Der treue Herr gebe Gnade, daß wir immer völliger werden in seiner Liebe, und daß bald die Zeit komme, wo das Wort seine Erfüllung finde: daß der Herr Jesus auch darum gestorben ist, daß die zerstreuten Kinder Gottes zusammen kommen, Joh. 11, 52. Er helfe uns durch seinen hl. Geist das rechte „Abba L. Vater“ rufen und auf den Tag seiner Erlösung mit durch ihn gewirkter Freudugkeit hinblicken, rufen zu können: Komm, o Herr Jesu. (J.P. im „B.B.“)
   
Zuletzt geändert am 17 Dezember, 2016