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Ein Briefauszug von H.E., ein Bericht aus dem „Gemeindeblatt“ von einem unbekannten über Mennoniten in Asien und eine Suchanzeige in "Mennonitische Rundschau" Nr. 2 vom 15. Januar 1882

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 15. Januar 1882, Seiten 1 und 2. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Prangenau 22. Nov. 1881.
Indem mehrmals aufgefordert worden, aus der alten Heimath Verschiedenes zu berichten, so fühle ich mich gedrungen, etliche Zeilen für die „Rundschau“ zu schreiben: Aus einem Briefe vom 13.Sp.d.J. (September dieses Jahres – E.K.) habe ich erfahren, daß die Wolgaer Brüder, von Taschkent, (Asien) weiter gewandert sind, nach Buchara, und als sie 15 Werst in dem Lande gewesen,  sind sie zurückgetrieben worden, und harren jetzt auf der Grenze zwischen Rußland und Buchara, was mit ihnen vorgehen wird. Auf ein zweites Schreiben sind sie hart zurückgewiesen worden, daß sie nicht einmal dort Alle Mittag halten konnten. Sie warten jetzt russischerseits auf eine Entscheidung, die über sie kommen soll. Es ist ihnen vorläufig von einem gewissen Herrn 40 Dessjatin Land im Ganzen an der Grenze angewiesen, welches sie vorläufig pachten können. Die Grenze ist aber noch nicht bestätiget, denn das Gebiet ist erst im letzten Kriege Rußland zugefallen. Die Molotschna Brüder sitzen noch in Taschkent, und harren mit Bangen auf die Entscheidung wegen ihrer Freiheit, denn es scheint, sagt der Schreiber, daß das Attentat auf den Kaiser am 1. März und der Schlagfluß (ein altes Wort für Schlaganfall – E.K.) des H. (Haupt – E.K.) General Kaufmann  für sie bedenkliche Folgen gehabt, obzwar, sagt er, die Regierung sich sehr bemüht, ihnen die Militärfrage zu erleichtern und ihr Wohl sehr im Auge hat. Weiter ist ihnen, 60 Werst von Taschkent, die sogenannte Hungersteppe zur Ansiedlung angeboten worden, ob sie es besiedeln werden ist noch nicht entschieden........

 

Asien.
Dem „Gemeindeblatt“ zufolge trat am 1. September v.J. (vorigen Jahres – E.K.) wiederum eine große Reisegesellschaft, aus 277 Seelen bestehend, die Reise nach Asien an. Es war der größte Zug, der bis dahin nach dem fernen Osten abging: Es waren 72 meist zweispännige, auch dreispännige große Wagen. Etwas weiter kam noch ein Wagen dazu, in Orenburg der 74. und später wurde noch der 75. dazu gekauft. Bis Karabutack waren drei Kinder und eine erwachsene Person gestorben. Von den Ordnungen, Reiseeinrichtungen u.s.w. schreibt der Correpondent dem genannten Blatte Folgendes:
Nur am Werktag wird gefahren. Schon um 3 Uhr morgens muß dann die Nachtwache wecken. Die Nacht ist in zwei Wachen getheilt. Jedesmal wachen drei Mann. Zuerst wird nun von jedem die Theemaschine gestellt, d.h. Feuer in dieselbe gemach. Bis das Wasser kocht sind die Pferde – im ganzen 130 Stück – geputzt, geschirrt und gefüttert, dann schnell alles zurecht geladen und das Frühstück eingenommen; Kaffee oder Thee. Noch sind nicht alle damut fertig, da klingelts: wer nun will, geht zur Morgenandacht. Bruder Johann Janzen, bisher der einzige Gemeindelehrer in unserm Zuge, spricht ein Lied vor, welches gesungen wird. Darnach liest er einen Abschnitt aus der h.Schrift vor und hält ein Gebet. Wenns geht, wird dabei geknieet. Um fünf bis sechs Uhr, wie es das Tageslicht erlaubt, wird losgefahren. Bei einer halben Stunde dauerts, bis sich der ganze Troß (ein altes Wort für Transporteinheit für die militärische Truppe – E.K. ) in Bewegung gesetzt hat. Anfangs gabs dabei manche Unordnung, indem sehr nach vorne gedrängt wurde. Mit des Herrn Hilfe hat sich das schon geändert. Je nachdem Wasser und Futter zu bekommen ist, wird bis Mittag eine längere oder kürzere Strecke gefahren. Jeder eilt nun nach Möglichkeit sich ein Mittagsmahl zu bereiten; denn in circa zwei Stunden gehts wieder vorwärts, wieder nach Umständen, öfters bis in die dunkle Nacht hinein. Da gibts viel zu thun: die Pferde besorgen, Wasser zu holen, zu kochen, im Wagen alles umzupacken, damit ein Platz zum Nachtlager gibt. Darüber rufts Glöcklein zur Abendandacht. Die Lieder werden meistens aus dem neuen men.Gesangbuche vorgesagt, das Gebet mit dem Vaterunser und Segen geschlossen. An Sonntag wird geruht, am Morgen später geweckt. Eine Weile nach der Morgenandacht, nachdem ein jeder seine Arbeit hat verrichten und sich sonntäglich anthun können, versammelt sich Alles, was kann, zum Vormittagsgottesdienst. Nach Gesang und knieend verrichtetem Gebet wird der verlesene Bibelabschnitt frei von Bruder J.Janzen behandelt und mit Gebet und Gesang geschlossen. Bei schönem Wetter ist von 2-3 Uhr Kinderlehre, dann Nachmittagsgottesdienst. Da hält gewöhnlich Br. Claas Epp einen Vortrag über einm Bibelabschnitt. Ist das Wetter schön, dann versammeln sich Abends noch Gesangsliebhaber. Es wird auf Harmonium, Flöte und Violinen gespielt und dazu gesungen. Das lockt öfters auch fremde Zuhörer herbei aus Städten und Dörfern. Sie sollten da die freundlichen Gesichter der Leute sehen, es seu Russe, Tatar oder Kirgise. Ueber das Benehmen der Leute uns gegenüber haben wir noch nirgends klagen können, es sei denn, daß sie sich hin und wieder ihre Sachen recht gut bezahlen lassen, aber auch uneigennützige Gefälligkeiten sind uns schon erwiesen worden, die uns staunen machten. Sehr entgegenkommend sind auch die Leute an diesem Orte. Seit gestern haben wir hier rauhes, kaltes Wetter. Da laden sie uns ein, mit den Kindern doch in ihre sehr warmen Häuser zu kommen, bei ihnen zu übernachten. Das wird dann auch mit großer Bereitwilligkeit entgegengenommen; denn heute Morgen zeigte das Termometer 11 ½ °R., dazu weht ein eisiger Nordwind. Gestern früh Morgens ziemlich schön dann etwas Regen mit Frost, Hagel, endlich gegen Mittag Schneetreiben, welches sich gegen den Abend zu einem gehörigen Schneesturm steigerte. Bald nach unserer Abreise, wo es am Tage heiß und ungemein staubig war, hatten auch einige Wochen hindurch kalte einmal bis 7° R. mitunter noch nasse Witterung, daß daß wir endlich das schöne Wetter von Orenburg an wirklich schätzen und dem herrn dafür zu danken gelernt haben, aber diese war weit durchdringender. Der Herr aber gab, daß Niemand verzagen durfte; heute Morgen sah ich nur fröhliche zufriedene Gesichter, wenn auch manche Wagen von innen weiß befroren waren. Diese letzteren sind natürlich diese Jahr auch viel wärmer eingerichtet als die der Vorigen, ja einige sehr warm; es sind aber doch immer keine geheitzte Stuben, die ich wenigstens den Kranken wünschen möchte. Fast die ganze Zeit hatten wir nur wenig schwere Erkrankungen, die haben sich in den letzten Tagen gemehrt. Jetzt haben wir vier hart Kranke. Doch denen, die Gott lieben und Ihn recht zu lieben, ja lieben zu können, ist ja unser aller innigster Wunsch und Streben müssen ja alle Dinge zum Besten dienen. Um immer mehr in seine Liebe hineinwachsen zu können, unterhalten wir auch unterwegs wie zu Hause öfters das h.Abendmahl, bisher alle vier Wochen. Das Fußwaschen fällt auf der Reise weg. Brod und Wein wird vom genannten Bruder Janzen ausgetheilt. Derselbe besorgte bis dato für unsern Theil der Gemeinde auch Taufe und Aufnahme.
Unser vorläufiges Reiseziel ist Buchara. Die Unsern vom Trackt, Wolga, haben die russische Grenze bereits überschritten. Wir bekamen gestern hier die erfreulichsten Nachrichten von ihnen aus dem Grenzort Katakurgan. Näheres darüber später.

 

Suchanzeige -

B. Regier, früher klippenfeld, jetzt Bradshaw, Jork. Co., Nebr., möchte gerne von Peter Quiring, Sohn des P.Q., etwas hören, der mit nach Asien ausgewandern ist.

   
Zuletzt geändert am 24 November, 2016