Home | Chortitza Kolonie | Molotschna Kolonie | Dörfer in Russland | Bücherregal | Karten | Bilder | Namen | Sitemap

 

Bericht von P. Pauls aus Nikolaipol, Turkestan in "Unser Blatt" Nr. 10 vom Juli 1926

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Unser Blatt" Nr. 10 vom Juli 1926. (gotisch)

 

Bericht aus dem Leben der Gemeinden in Turkestan.

Wohl den Menschen, die dich für ihre  Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln, die durch das Jammertal gehen und machendaselbst Brunnen.
Erschöpft und matt fühlt sich manchmal das gläubige Herz, indem es den schmalen und leidensvollen Pfad bergan steigt und mit den verschiedenen Anfechtungen zu kämpfen hat. Bald ist es das Wahrnehmen eigener Schwäche und Verderbheit, bald das wütende Toben der finsteren Macht, die das Leben der gläubigen Seele in den Staub zu treten drohen. Trotz alledem sorgt der liebende Vater für ein Elim (2 Mose 15, 27), wo der erfrischende Quelle des Lebenswassers den ermatteten Pilger erquickt und zur weiten Wanderung besähigt.
Auch uns führt der Herr hin und wieder durch ein Elim. Ein solches Elim waren die Bibelbesprechungen, welche in Februarmonat über den Philipperbrief abgehalten wurden. An dieser Arbeit waren alle drei Gemeinden beteiligt. Der Herr segnete reichlich, wovon auch der reiche Besuch auf diesen Versammlungen zeugte.
Eine andere Erquickungsstation war der Besuch, den der Herr im April durch BR. Heinrich Eck, Suworowka, erteilte. Außer einer Reihe  von Versammlungen in den Bethäusern, wo er mit dem Worte diente, fanden auch jetzt Bibelbesprechungen statt, wo man als Betrachtungswort Röm. 8 behandelte. Was besonders betont wurde, waren die zwei Naturen im wiedergeborenen Menschen: die fleischliche und geistige. Während dieses Besuches ist es dem heiligen Geiste gelungen etliche Seelen vom Wege des Verderbens auf den des Lebens zu führen. Wiederum ein Beweis, daß der Herr um Seelen wirbt und seine Hand nicht zu kurz ist, Sünder zu retten.
Die Osterfeier, welche, um mit der Behörde in Einklang zu bleiben, nach altem Stil gefeiert wurde, verlief auch im Segen des Herrn. Am letzten Feiertage vormittags fand im Bethaus zu Andrejewka ein Jugendfest statt, auf dem verschiedene Gedichte, Prosastücke und Gesänge (etliche auch mit Musikbegleitung) vorgetragen wurden. Möge auch der hier ausgestreute Samen seine Frucht zeitigen!
Die Anordnung von unserer mohamedanischen Regierung, daß auch an unserem Orte in den Kanzleien, Schulen, Läden und anderen Unternehmungen der Freitag als Ruhetag gehalten werden sollte, ist für die europäische Bevölkerung abgeändert worden, so daß als Ruhetag für die erwähnten Regierungsanstalten und Unternehmungen wie früher der Sonntag gilt, was wir mit Freuden begrüßen.
Weil die Witterung in diesem Frühling eine trockene ist, die Flüsse bis jetzt wenig Wasser liefern, um genügend Land zu bewässern, zudem mancher wenig Saatgetreide hat, da bei uns im vorigen Jahre nur eine schwache Ernte war, ist bis jetzt verhältnismäßig wenig gepflügt und ausgesät worden, so daß man im Großen und Ganzen trübe in die Zukunft schaut; doch für unseren himmlischen Vater gibt es keine Verlegenheiten, denn er ist „groß von Rat und mächtig von Tat“ (Jer. 32. 19a) und weiß, weshalb er mit uns solchen Weg gehen muß.
Da unser Land durchweg nur wenig Viehweide bietet, so hat deshalb mancher seinen Wohnplatz hier verlassen und siedelte in der Umgegend von Pischpek an, wo bessere Weide vorhanden ist. Auch solches Hin- und Herziehen beweist, daß der Mensch auch heute noch unstät und flüchtig ist.

P-Pauls.

Nikolaipol (Tutkestan), 13 Mai 1926.
   
Zuletzt geändert am 13 November, 2016