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Brief von Jakob und Helena Kröker aus Nikolaipol, Aulie Ata in der "Mennonitische Rundschau" vom 13. März 1901

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 13. März 1901, Seite 10. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Asien.
Nikolaipol, Turkestan, den 16. Januar 1901. Werter Editor! Ich habe schon längst gefühlt, daß es gut wäre, einmal was aus unserm Leben der „Rundschau“ mit auf den Weg zu geben. Es sind jetzt bereits 20 Jahre her, als wir unsre gewesene Heimat an der Molotschna, in dem Dorfe Neukirch, verließen. Ein Zug von in die 60 Wagen sind wir 18 Wochen gereist. Und wenn ich jetzt so zurück denke, wie der Herr uns so glücklich geführt und geschützt hat, dann muß ich staunen und anbeten und danken. Ein mancher hält unsere Auszug für eine halb thörichte That. Laß dem sein wie ihm wolle, ich weiß nur dies: Der Herr war sichtlich mit uns. Als wir in Taschkent ankamen, hatte General Kaufmann schon für einem jeden eine Wohnung zubereitet lassen. Sie enthielt zwar nur ein Stübchen, aber ein netter Ofen war darin, und gleich im Anfang freuten wir uns, doch einmal aufrecht gehen zu dürfen. Wir hatten schon 18 Wochen im Verdeckwagen gewohnt. Das Schwerste für uns war das Klima. Es sind viele gestorben, worunter auch meine Schwester Maria, und nachdem wir uns dort 2 Winter und einen ganzen Sommer und den 2. Sommer bis Mai-Monat aufgehalten hatten, ging`s auf Land, wo wir uns jetzt denn auch noch befinden. Da ging`s dann mit manchen Kümmernissen und Sorgen los, aber der treue Hirte hatte immer sein Auge offen, über uns. Es ist durch Tiefen und Höhen gegangen, aber ich hatte schon den Herrn Jesus in meinem 16. Lebensjahr kennen gelernt und ich befand mich sehr gut bei meinem Führer. Er ging zwar oft tiefe Wege  mit mir, und was ich besonders hervorheben will, das ist das sehr große Magenleiden, was ich durchgemacht habe. Ich kam so weit, daß ich beinah nicht leben konnte. Alles Anwenden von Medizin half nichts. Da führte mich der Geist Gottes auf das Wort Jak. 5. und ich folgte der Stimme des Herrn. Es wurde über mir gebetet mit Händeauflegen, und ich blieb noch am Leben und wurde nach und nach gesunder. Ganz los bin ich von meinem Leiden auch noch nicht, aber ich glaube, mein Vater sieht es noch so für gut ein für mich. Mit der Bauerei ging`s anfang`s etwas schwer, weil wir mit dem Bewässerungsland noch nicht gut bekannt waren, und wir in unsrem Teil hatten sehr viel Unglück mit dem Vieh, und dazu war die Arbeitskraft schwach. Aber der Herr erhört Gebete. Er hat das Unglück mehr von uns genommen, und dazu sind die Kinder bald alle groß und so fängt es an uns viel besser zu gehen. Die Namen unsrer Kinder sind: Jakob, alt 24 Jahre; Johann, 16 Jahre; Abraham, 14 Jahre; Sarah, 11 Jahre und Heinrich, 9 Jahre alt. Lieschen starb 16 Jahre alt anno 1894 den 7 Mai.
Weil wir so viele Freunde in unserer gewesenen Heimat haben, und auch noch manche lieben Bekannten, so will ich auch noch bemerken, daß wir den 6, Januar ein Dankfest zur Ehre des Herrn in unserm Hause feiern durften. Es waren 25 Jahren voll, daß wir miteinander in der Ehe gelebt hatten, und es war mir von sehr großer Wichttigkeit. Die geladenen Gäste nahmen warmen Anteil. Aeltester Heinrich Kröker und Brud. Jak. Janzen hielten Ansprachen. Der Abend wurde mit schönen Gesängen ausgefüllt. Der Gesang wurde von Schullehrer Br. Hein. Janzen geleitet.
Nun noch etwas von der Ernte. Die war ziemlich gut. Wir haben gut zu essen und zu trinken, und genug Futter für das Vieh. Der Winter ist bis jetzt noch gar nicht streng. Schlittbahn nur eine ganz geringe.

Auch will ich wissen lassen, daß unsre l. (lieben – E.K.) Eltern Leonhard Dücken noch am Leben sind. Sie sind aber schon ziemlich gebrechlich. Mit der Hilfe des Herrn kann die Mama noch immer ihr wichtiges Amt vertreten, sie ist hier unsre Hebamme. Sie hat ihr Amt jetzt schon 21 Jahre, aber es fällt ihr jetzt schon ziemlich schwer. Aber sie hat den Herrn Jesus zum Führer, und mit ihm geht alles gut.
Nun noch etwas vom Obst, das ist bei einem manchen schon im Ueberfluß. Es sind in den schönen Weihnachtstagen viele Aepfeln aufgegessen worden. Schwager Abrah. Kop hat im vergangenen Sommer so für 80 Rubel Aepfel verkauft. Kirschen haben wir auch schon für 16 Rubel verkauft. Von Abr. Kop war ja schon in einer Nummer der „Rundschau“ ein Bericht, daß er an der Molotschna auf Besuch gewesen war. Er nannte da einen Jak. Kröker auf von den Reisegefährten und das  war unser Sohn, welcher noch ledig ist. Will dir lieber alter Schwager Isaak Kopp hiermit wissen lassen, daß Jakob sich noch manches von dir erinnert. Er hat sich bei Joh. Krökers in Neukirch eine ziemliche Zeit aufgehalten. Der l. (liebe – E.K.) Schwager hat schon zuweilen ziemlich schwer mit der Luft, aber er hat sich sehr gefreut eins von unsern Kindern kennen zu lernen. Die Reise hin und zurück ist ihm auf 38 Rubel gekommen.
Sollte jemand ein Anliegen an uns haben, der möchte so gut sein und an uns schreiben. Ihr Dietrich Wiensen Kinder alle, was macht ihr? Und ihr andern alle, die ihr hier gewohnt habt, sind hiermit alle gegrüßt. Auch der l. (liebe – E.K.) Onkel Pet. Balzer ist nicht vergessen.
Gruß an Editor und Leser der „Rundschau“ mit Psalm 30.

Jakob und Helena Kröker

 

Bemerkungen von Elena Klassen (ohne Gewähr).

Es handelt sich um die Fam. Kröker, die im Buch von R. Friesen „Auf den Spuren der Ahnen“  auf der S. 64 (oben) abgebildet ist.

   
Zuletzt geändert am 27 Januar, 2017