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Brief von Jakob Mandtler aus Andrejewka, Aulie-Ata in der „Friedensstimme“, Nr. 55, 20 Juni 1911

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Andrejewka bei Aulie-Ata, den 30 Juni.

Wir haben jetzt gesegnete Tage, weil Miss. Abraham Friesen von Rükkenau bei uns in Turkestan weilt. Er ist gesund und kann täglich das Evangelium des Friedens von Jesu verkündigen.
Die Versammlungen werden gut besucht. Möchte es dem Geiste Gottes gelingen, die Herzen für den Herrn Jesum zu erschließen.
Br. Friesen verläßt uns wieder, so der Herr will, Montag den 4 Juli, um sich seiner irdischen Heimat zuzuwenden. Der Herr begleite ihn auf der Reise und schütze ihn in Gefahr!
Der Gesundheitszustand ist nicht aufs beste; die Masern herschen stark unter den Kindern, die Grippe ist auch tätig bei den Großen und Alten. Die Witterung ist sehr abwechselnd, einen oder zwei Tage 25 und 26 Gr. über Null, dann geht es wieder herunter, daß es morgens nur 8 Gr. und nachmittags bis 17 Gr. ist. Dadurch gibt es Erkältungen. Infolge der niedrigen Temperatur ist auch das Wasser sehr knapp, so daß auf Stellen viel Getreide vertrocknet, und die Ernte durcnschnittlich doch nur schwach sein wird.*)
Die Obsternte ist auch nur schwach, Aprikosen sind keine, es sind alle erfroren. Winterobst gibt’s spärlich, Sommerobst noch mehr, als es anfangs schien. Mit Kartoffeln und Gemüse sieht es gut aus, wenn der Herr es bewahrt, wird es reichlich geben. Brennstroh wird’s wohl am spärlichsten geben, weil das Getreide kurz ist. Das Getreide ist ziemlich teuer. Der Weizen kostet 12 Pud 15 Rbl., der Hafer kostet in der Stadt 12 Pud 9Rbl.60 Kop.
Übrigens ist alles wie in den Tagen Noahs. Sie aßen und tranken, bis die Sündflutt kam und nahm sie alle dahin. Es ist als wenn alles mit dem Strome der Zeit mitgeht, und keine Gefahr vorhanden ist.
Und doch wird des Menschen Sohn kommen zu einer Stunde, man es nicht meinet. Matth. 24,44.
Laßt uns machen und Kinder des Tages sein. 1 Thess.5, 4-8.
Denn der Bräutigam kommt bald.
Jakob Mandtler.

*) Das verstehen vielleicht viele Leser nicht. In Turkestan, wo alles Getreide bewässert werden muß, gibt es desto mehr Wasser in den Kanälen, wenn der Frühling und Sommer heiß ist. Dann taut mehr Schnee in den Bergen.
D.Red. (der Redaktor – E.K.)

   
Zuletzt geändert am 21 Juni, 2016