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Bericht von Jakob und Sahra Mandtler aus Andrejewka, Asien in „Zions-Bote“, Nr. 2, vom 9. Januar 1901, S. 2

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung „Zions-Bote“, Nr. 2, vom 9. Januar 1901, S. 2. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Aus dem asiatischen Rßl.

Andrejewka, den. 24. Okt. 1900.
Gestern hatten wir ein Leichenbegräbnis bei den Geschw. Wilhelm Giesbrecht in unserm Dorf, und heute in Nikolaipol bei Schullehrer Heinrich Janzens; beides waren Kinder, das erste ein Mädchen von 6 Monat, das andere ein Söhnchen von 5 Jahr und zwei Monat. Da sieht man immer aufs neue, was die Sünde hat zuwege gebracht. Es liegen noch etliche Kinder auf verschiedenen Stellen krank; ob die Krankheit zum Tode sein wird, wissen wir nicht, der Herr weiß es. Doch eines wissen wir, wovon der Apostel Paulus schreibt, daß, wenn wir im Glauben sterben, wir mit Christi alle wieder lebendig gemacht werden. Und nach der Zeit sollten wir uns alle recht sehnen, und unaufhörlich rufen nach dem Wort aus Offb. Joh. 22, 17: Komm Herr Jesu. O oft denke ich daran, wenn ich so lese im „Zions - Bote“, wie sind die Gläubigen so auf der Erde zerstreut; so manchen kennt man und es freut mich immer, wenn ich von einem und dem andern lesen darf, den ich gekannt habe, daß er jetzt unter die Kinder Gottes gezählt ist und sich bekehrt hat. Ja das ist Freude. Auch wir durften die Freude hier in Mittelasien erfahren, wenn Sünder begnadigte Gotteskinder werden. Der Herr schenkte uns im verflossenem Sommer drei Tauffeste, wo insgesammt 13 Seelen durch die Taufe in den Tod Jesu begraben wurden, wounter auch unser jüngster Sohn Gerhard war. Wenn wir auch für manchen Verkehr mit Kindern Gottes abgeschlossen sind, so ist der liebe Herr Jesus doch da, und er weiß die Seinen zu seiner Zeit doch zu erfreuen. Und der Verkehr von uns ins europäische Rußland, u. von da zu uns wird auch immer häufiger. So hatten wir im Frühjahr die beiden  Br. Jakob Kröker aus der Krim, Spat und Heinrich Braun, Alexanderwohl (beide Lehrer) zu Gast. Sie haben uns reichlich die Botschaft des Evangeliums verkündigt, und es ist nicht ohne Segen geblieben; der Herr möchte uns noch mehr solche Boten zuführen. Ihrer wird noch oft gedacht.
Wir feierten auch den letzten Sept. Erntedankfest mit einem Liebesmahl, wozu die Gaben reichlich flossen. Die am Wort dienenden Brüder aus der andern Gemeinde waren auch zugegen, und haben durch Verkündigung des Wortes Gottes die Ehre des Vaters und des Herrn Jesu, sowie auch das Fest erhöhen helfen; und so manche andere Gäste waren zugegen. Der Sängerchor that auch sein Möglichstes; es wurde mit Abwechslung gesungen. Sonntag 1. Oktober hatte die andere Gemeinde gleich Erntedankfest, wo auch wir am Wort dienenden Br. und so manche andere einzeln waren. Wir durften mitreden über Gottes Wort und auch das Fest erhöhen helfen und der Herr war segnend unter uns.
Der Herr hat uns hier seinen Segen nicht entzogen, unsere Arbeit ist nicht vergeblich gewesen, sowohl im Geistlichen als im Irdischen. Wir haben reichlich nach beiderseits geerntet, Seelen für Jesum und Getreide zu Brot. Was die Ernte betrifft, ist sie doch sehr verschieden ausgefallen; das zuletzt gesäte hat sehr unter dem Mehltau gelitten und ergab eine schwache Ernte. Das frühe ausgesäte ergab eine reiche Ernte. Ich habe von 120 Pud Weizen Aussaat bekommen 1152 Pud Weizen. Wenn alles so ergiebig ausgefallen wäre als auf meinem Land, so hätte ich wenigstens 500 Pud mehr ernten können. Ich habe vom besten 1 Pud Aussaat 14 ½ Pud geerntet, aber vom schwächsten 5 Pud. Der Herr hat reichlich bescheert, wir haben mehr als zur Not. O daß wir verständen es so zu gebrauchen, daß wir nicht dadurch sündigten, sondern die Ehre Gottes und seine Reichssache dadurch förderten. So laßt uns machen, denn bald wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen. Ebr. 10, 37.
Ihr Geschwister meiner Frau, warum wartet ihr so lange mit schreiben? So empfehlen wir uns hier der Fürbitte aller Kinder Gottes und verbleiben Eure Mitpilger nach Zion.

Jakob uns Sahra Mandtler.

   
Zuletzt geändert am 12 September, 2018