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Bericht von H. Nachtigal aus Ak-Metschet in der „Mennonitische Rundschau“ vom 10. Juni 1908, S. 6, 10

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung „Mennonitische Rundschau“ vom 10. Juni 1908, S. 6, 10. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Asien.
Ack  Metschet, Chiwa den 14. April 1908. Wünsche dem Editor der „Rundschau“ den Frieden des Herrn! Will versuchen einen kurzen Bericht von hier zu schreiben. Wünsche auch allen meinen Verwandten, Freunden und Bekannten die beste Gesundheit. Wir sind, Gott sei Dank, gesund und freuen uns, daß der Winter vorüber ist. Haben keinen kalten Winter gehabt, aber trotzdem ist hier alles teuer. Der Weizen kostet dss Batman 15 Pfund 2 Rubel; das einfache Schlichtmehl 2 R. 20 Kop. das Batman. Hier nehmen die Müller 20 Kop. Mahlgeld aufs Batman. Rindfleisch kostet 14 bis 15 Kop. per Pfund; Schaffleisch 20 Kop. Da wir vom barem Geld leben müssen, so können wir nicht viel Fleisch essen. Unsere Haupteinnahme ist das Handwerk. Das wenige Land, das wir haben, bringt uns zur Notdurft ein. Ich habe auf meinem Teil keine Deßjatin Land. Die Hauptfrucht ist Kartoffeln für uns und Klee für das Vieh. Wer seine Kartoffeln kann bis zum Frühjahr aufbewahren, hat eine schöne Einnahme, denn sie kosten jetzt 1 R. 80 Kop. per Pud. Ich verkaufte meine im Herbst für 1 R. per Pud. Wir haben zwei Kühe, geben auch schön Milch und Butter. Butter preist hier 70 Kop. per Pfund. Soviel Milch wie die russische Kühe geben, geben unsere Kühe nicht, aber mehr Butter, es sind hier solche Kühe, die bis 1 ½ Pfund Butter den Tag geben.
Muß noch berichten, daß Schwager Riesen seit Januar übernommen hat, Schule zu halten. Er thut der Gemeinde einen großen Dienst. Die Gemeinde hat schon schriftlich Schritte gethan von Auswärts irgend einen Lehrer zu bekommen, aber bis jetzt ist noch nichts bestimmtes geschehen. Unser Vorsteher OttoTöws ist wieder nach Tschardschuj gereist um frisches Holz einzukaufen; auch ging er nach Ostern nach Auliata, seine Freundschaft zu besuchen. Er wird uns Genaueres berichten, wie es sieht mit dem Lehrer, denn in Auliata haben wir nach einem Lehrer angefragt. Franz Bartsch sein Buch wird hier auch gelesen, es ist lobenswert.
Will noch berichten, daß der alte Onkel Heinrich Pauls nach langwieriger Krankheit (er hatte die Auszehrung) zu seiner Ruhe heingegangen ist. Er starb am Karfreitag und am Ostersonntag war Begräbnis. Er ist 70 Jahre alt geworden und auf Wunsch der Tante und ihren Kindern hielt Bruder Schmidt die Leichenrede. Die Tante ist kränklich, muß auch meist immer liegen.
Zum Schluß einen Gruß an alle die Chiwaer. Laßt doch von euch hören.

H. Nachtigal.
   
Zuletzt geändert am 10 September, 2018