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Bericht von Heinrich Janzen aus Nikolaipol, Turkestan in „Zions-Bote“, Nr. 13, vom 1. April 1903, S. 5

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Zions-Bote" Nr. 13, vom 1. April 1903, S. 5. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Aulieata, Nicolaupol, den 7. Februar.
Ev. Joh. 13, 7 lesen wir: „Was ich tue, daß weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren.“ Dieses Wort rufe ich mir in letzter Zeitoft in Sinn und Gedanken zurück, denn am 27. Jan. ½ 7 Uhr morgens löste der Herr unsern Ehestand, indem er meine vielgeliebte Gattin Agatha, geborene Peters, durch den Tod von meiner Seite und meinen vier unerzogenen Kindern die Mutter nahm. Sie war seit dem 5. Januar mittags nicht mehr in normalem zustande, doch nicht fest bettlägerig, aber ihr Aussehen machte mir Besorgnis erregende Gedanken, doch befahl ich`s den Herrn an, bis sie am 20. Jan. von einer Frühgeburt entbunden wurde. Ich hatte jetzt ganz den Eindruck, daß alles gut werden würde, aber der Herr hatte es anders für mich ersehen. In der Nacht vom 21. auf den 22. Jan. war sie etwas schlechter geworden und auch ziemlich zaghaft, doch Gott sei Dank, es gelang dem Hern sie zum frohen Glauben zu bringen, indem erst ich selbst, dann aber unser lieber Vater J. Janzen mit ihr redete und so viel Gottes Wort vorlas und ihr den Heilsweg klar legte; es währte auch nicht lange, dann rief sie froh aus: „Jesus ist mein.“ (Sie war seit dem Herbste 1888 bekehrt, auch in der Gemeinde.) In diesem frohen Glauben und Bewußtsein erhielt der Herr sie auch bis an das Ende. Nachdem nun die Seele wieder Ruhe hatte, gings an Vorbereiten auf`s Scheiden. Soviel der Herr uns ins Gedächtnis rief und uns irgend beschwerte, wurde gegenseitig eingestanden und verziehen, auch machte sie noch einige Bestellungen an die Kinder und Geschwister. Nachdem wir unsere volle Herzen im gemeinsamen letzten Gebete vor dem Herrn ausgeschüttet hatten, war völlige Ruhe und Ergebung bei ihr eingekehrt. Unser Jüngstes, etwas über 1 Jahr alt, mußte ich ihr noch aus der Wiege reichen zum Abschiede. Auf diese denkwürdige Nacht folgten noch 5 ganze Tage und Nächte. Sie hat fast nie über Schmerzen geklagt und war immer fest im Glauben an Jesu. Ihr Ausgang aus dieser Zeit war ein nicht allzuschwerer für sie (zu sehen); aber für mich auch sehr schwer zu tragen doch der Herr hat geholfen. Die Verstorbene wurde geboren im Schulhause in Friedensruh, Südrußland, im Jahre1869 am 6 November, sie starb im Schulhause in Nicolaipol, Turkestan, Asien, als Mutter von 8 Kindern (außer dem letzten) von denen ihr 3 Söhnchen und 1 Töchterchen voran gingen in die Ewigkeit. Ich blieb mit zwei Söhnen und zwei Töchtern zurück. Auch wird sie noch außer manchen Teilnehmenden von zwei Brüdern betrauert.
Viel Teilnahme durften wir von den Geschwistern erfahren, dem Herrn die Ehre. Geschwister schätzt euch, liebt euch, tragt euch. Mein und meiner Kinder Zukunft sei nochmals Gott und der Fürbitte der lieben Geschwister empfohlen.

Heinrich Janzen
   
Zuletzt geändert am 3 August, 2018