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Nachrichten aus Aulie-Ata, Asien in „Zions-Bote“, Nr. 46, vom 26. November 1902, S. 5

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Zions-Bote" Nr. 46, vom 26. November 1902, S. 5. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

 

Asien, Aulieata.
Zwei Tage des Segens. Nach unserer vor etlichen Jahre gefaßten Regel feierten wir auch hute unser Ernte Dankfest in den ersten Tagen des Oktobers, denn hierzulande ist die Ernte meistens spät. Sonnabend der 5. Oktober, war der bestimmte Tag zur Feier. Nach den üblichen Vorbereitungen versammelten wir uns in unserem Versammlungshause, während vom frühen Morgen bis etwas nachmittag seiner Regen fiel. Das störte aber nicht die Triebe und Mahnungen des Geistes Gottes. Manches Gottes Wort wurde vorgelesen und besprochen. Die Einleitung machte unser Ält. Br. H. Kröker, worauf eine Gebetsstunde folgte, dann redeten Br. Kac. Janzen und Ält. Joh. Regier. Während der Mittagspause unterhielten wir mit allen Anwesenden ein Liebesmahl. Der Sängerchor geleitet von Br. Pet. Janzen fang manch fröhlich und einladend Lied zur Erbauung der Versammmelten u. zur Ehre Gottes. Nach dem Liebesmahle führten das Wort Lehrer Gerhard Kopper und Br. Joh. Klaßen. Hierauf folgte eine Pause von etlichen Stunden. Nachdem der Tag sich geneigt, versammelte man sich nochmals um eine reichbesetzte Tafel zum Liebesmahl; auch jetzt wurde die Feier durch schöne Zionslieder, vom Chore vorgetragen, erhöht. Nach der Mahlzeit teilten die beiden Lehrer Hein. Janzen und Joh. Wall das Wort, und wir schieden trotz des Regens mit gesegneten Herzen von einander.
Am zweiten Tage, Sonntag, war Tauffest. Die Täuflinge waren 8 weibliche Personen. Nach der Taufe wurde wieder Liebesmahl gefeiert, nach dem Liebesmahl wurden die Getauften in die Gemeinde aufgenommen.
Hiermit wurde ein kleines Sonntagsschulfest anberaumt, geleitet von den beiden Lehrer Johann Wall und Heinrich Janzen. Es wurden von ihnen zwei Abschnitte aus den Evangelium verhandelt, darnach wurden etwas über hundert Kinder beschenkt mit Traktaten und Spruchkarten. Alle diese Kinder waren außer ganz geringer Anzahl aus unsern zwei Dörfern Gnadenthal und Nicolaipol. Nach der Verteilung der Gaben wurde eine Kollekte unter den Kindern erhoben, die etwas über 7 Rbl. betrug, ferner eine unter den übrigen Anwesenden, die aber nicht ganz an die vorige Zahl hinanreichte, weil schon eine Kollekte am vorigen Tage erhoben worden war, die nahe an 70 Rbl. betrug. Die erstgenannte Kollekte wurde gesammelt zur Bestreitung der Kosten, die unser Sonntagsschulfest verlangte. Die Gaben der Kinder wurden von ihnen selbst bestimmt für die Mission. Zuletzt schieden alle Groß und Klein ermuntert und gestärkt und mancher noch besonders vom Herrn gesegnet, wünschend, noch noch oft solchen Segensstunden beiwohnen zu dürfen.
Der Ernteertrag war ein geringer zu nennen. Das Wetter ist für die vielen Reisen der Unsern nach Taschkent sehr gut. Im Laufe dieser Woche erwartet man hier den Prediger J. Quiring von der Wolga auf Besuch; er hat hier eine leibliche Schwester.
Im verflossenen Sommer kamen etliche Sterbefälle vor. Die alte Schw. Witwe Peter Pauls, Nicolaipol, starb im April im Alter von 63 Jahren und 16 Tagen, während ihre ältesten beide Kinder nach Rußland verreist waren und so nur die zwei jüngsten Söhne und eine Schwiegertochter mit Kindern an ihrem Sarge standen. Ferner starb Br. Rob. Bartsch nach kurzem schwerem Leiden im Mai Monate. Er hinterläßt eine trauernde Witwe. Auch rief der Herr den zweiten Sohn der Geschw. Pet. Janzen in einem Alter von beinahe 12 Jahren in die Ewigkeit, während seine Eltern mit dem jüngsten Söhnchen nach Rußland gefahren waren, denselben operieren zu lassen. Die Freude des Wiedersehens war also gemischt mit Bitterm Schmerz. So hat der Herr seine besonderen Freuden, aber auch Trübsale für seine Kinder bereit und mißt uns solche nach seinem weisen Rat zu, damit wir dadurch gebessert u. näher zu ihm gebracht werden. Dann rief der Herr auch die alte Schw. Jac. Kröker nach einem etliche Monate währendem Leiden aus dieser Zeit in die Ewigkeit. An ihrem Sarge stand nur ihr alte Gatte, da ihr jüngster Sohn kurze Zeit vorher auch noch nach Amerika ging, wo die meisten ihrer Kinder weilen, außer einem kranken geistesgestörten Sohne in Simferopol in der Irrenanstalt und einer Tochter in Armowir, Kuban. Es war das schmerzlich für das Mutterherz, so von ihren Kindern verlassen zu seien.

In den westlichen und nordwestlichen Gegenden von uns haben die Heuschrecken viele Verheerungen angerichtet. Unser Thal blieb, Gott sei Dank, von der Plage verschont. Die Obsternte war infolge der starken Fröste im Frühling geschädigt und eine geringe.
   
Zuletzt geändert am 3 August, 2018