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Brief von Cornelius Dück aus Gnadenthal, Asien in der Zeitung "Zionsbote", vom 7. Mai 1890, S. 3

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Zionsbote", vom 7. Mai 1890, S. 3. (gotisch) von Elena Klassen.

 

 

Gnadenthal, 17 Febr. 1890.
Lieber Br. Schellenberg!
Gottes unsers Heilandes Friede und Segen sei dir und deinem Hause und der ganzen Gemeinde gewünschet!
Es ist Erntezeit, und Gott weiß wann auch die Siechel an meinem sterblichen Leib kommt; so denkt man in dieser Zeit, allwo der Herr auch von unserer Ansiedlung schon 23 Seele in einer Zeit von einem Monat hat zu sich gerufen; es sind Kinder 16 Jahr und drunter, außer einer Frau (Frau des Peter Wiens) die nicht an dieser jetzt herrschenden Krankheit gestorben ist. Die Krankheit ist noch nicht zu Ende, und scheint gegenwärtig auch mehr die Erwachsenen zu erfaßen. Es ist eine ernste Sprache, Gott gebe, daß es zu unser und noch vieler Heil gereichen möchte. Der Mensch ist so bald geneigt träge zu werden, und ich nicht am wenigsten; Er gebe uns Eifer unsere Seligkeit zu schaffen mit Furcht und Zittern. Manche haben ihre Hoffnung zu Grabe getragen, d.h. für`s zeitliche Wohl, und hat recht tiefe Wunden gegeben, so wie auch Geschwister Franz Pauls, welche vier Kinder hatten, das älteste ein Sohn, wohl 7 Jahr alt, und um 14 Tage  hatten sie keins. Ach da giebts ein Kampf, ein Sterben. So habe ich denn gedacht über mich, ich habe keine Familie und doch habe ich einen großen Kampf ums Dasein; ich kann nicht arbeiten, nichts verdienen, muß von milthätigen Herzen und Händen meinen Unterhalt haben, und dann Gott sei Dank wenn ich bekomm, und wer weiß, ob es denen nicht bald überdrüßig wird werden zu geben, die mir solche Wohltat erweisen, und wenn ich denen die mich pflegen, nicht geben kann die Vergütigung für die Pflege (50 Rbl. das Jahr) denn sie sind auch arm, und mit mir ist recht viel Mühe, sowohl des Nachts als des Tages, so wird es denen überdrüßig werden, und dazu bin ich schon öfters krank, und die Gemeinde hier ist auch immer noch arm und hat mit sich zu thun. Mit solchen und andern Anfechtungen habe ich zu kämpfen. Jedoch weiß ich daß der Herr noch immer geholfen und auch ferner helfen wird, aber denkt euch mal in meine Lage hinein, es ist in der Hinsicht recht schwer für mich. Jedoch will ich mich dahin bearbeiten laßen, der Herr gebe mir Kraft dazu, daß ich recht dankbar sein kann, sowohl im Leben als in Freuden, denn ich weiß wohl, daß Gottes Wege recht und eitel Güte und Wahrheit sind; doch bitte ich: helft mir beten! Ich denke oft daran, daß der Heiland zu Petrus gesagt: „O du Kleingläubiger, warum bist du so furchtsam?“ Es betrübt mein Herz, daß ich den Heiland so oft betrübe mit meinem Kleinglauben, er möchte es mir vergeben! So habe ich denn auch gesehen, daß ihr meine Bitte gewähret habt, zwei Examplare „Zions-Bote“ habe ich erhalten. Besten Dank den Wohlthätern, Gott vergelts nach seinen Verheißung! Es ist für mich ein liebes Blatt.
Meine Gesundheit ist nur schwach bin eben nur etwas wohlauf, demm Herrn viel Dank! Bin bei drei Wochen auch wohl von der jetzt herrschenden Krankheit etwas angefaßt gewesen. Hier auf dieser Erde ist manches Leid, manches Weh, manche böse Anfechtung und Versuchung, aber es währt nicht lang, so sind wir da, wo keine Schmerzen mehr das Glück trüben werden. Der Herr verhelfe uns alle dazu aus Gnaden!
Herzliche Grüße an dich und alle die Jesum lieb haben.
Euer dankbarer Bruder

Cornelius Dück.
   
Zuletzt geändert am 20 Juni, 2018