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Reisebericht nach Asien von Peter Töws aus Warwarowka, Gouv. Jekat., in der „Friedenstimme“ Nr. 1, vom 6. Januar 1907, S. 7

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Warwarowka, Gouv. Jekat., 5 Dez.
Am 27 Okt. d. J.fuhr ich nach Einlage, wo ich mit unserm Aeltesten Gerhard Regehr zusammen traf, um nach Nikolajewka  zum Ordinationsfest des lieben Bruders Hermann Neufeld als Aeltesten zu fahren. Nikolajewka war bisher eine Filiale der Einlager Gemeinde. Nachdem ich dort etliche Tage mit Missionsarbeit zugebracht hatte, fuhr Br. Neufeld und ich, laut Beschluß der Jahressitzung nach Taschkent ab, wo wir aber etliche Stationen vor Taschkent von einem Br. Braun erwartet wurden. Nach 5 oder 6 tägiger Wagenreise, kamen wir beim kap, (so heißt der Gebirgsdurchschnitt, wo ein Strom durchläuft) in Dörksens Gasthof an, wo wir vom Aeltesten Kröker und Br. Klassen, etwa 35 Werst von ihrer Heimat entfernt erwartet wurden. Obwohl es schon spät Abends war, bestiegen wir doch, nachdem wir gespeist, und mit den dortigen Geschwistern Gottes Wort gelesen und gebetet hatten, froh den schönen Federwagen, um nach ungefähr 4 stündiger Reise in des Br. Krökers Hause einzutreffen. Es wurde uns, mir Krökers und Br. Neufeld be Br. Klassen das Heim  so gemütlich gemacht, daß wir mit kleinen Ausnahmen dort die ganzen 14 Tage weilten. Der Herr Jesus vergelte es ihnen. Ich muß noch erwähnen, daß wir 3 oder 4 Tage bei den lieben Geschw. Jak. Janzen ebenfalls sehr angenehme Aufnahme erfurhren. Dort ist ein Sartenbruder in Kost, welcher wohl blind, aber dem Geiste nach sehend geworden ist, er sit auch durch die biblische Taufe in die Brüdergemeinde aufgenommen. In diesem Hause sind junge Brüder, die kirgisisch sprechen können. Eines Tages wollte, wie man mir sagte, ein junger Bruder ihm aus der Zeitung etwas vorlesen, welche in jenem Hause zur Sprechübung gehalten wurde. Nein, sagte der blinde Sartenbruder, lies mir aus dem Testament etwas von Jesu vor. Unsere Brüder sind dort meistens von Kirgisen, teilweise auch von Sarten umgeben, letztere sind mehr reinlich. Wir glauben, daß dort unsre Brüder zum Licht unter die Heiden gestellt sind. Eine ledige Schwester befragte sich mit uns, wie sie es wohl machen solle, damit sie etwas ärztlichen Unterricht erhalten könne, sie sei entschlossen, für die Kirgisenmission zu arbeiten. Sie konnte, so sagte sie, ziemlich gut kirgisisch sprechen. Man erzählte uns, daß ein Kirgise, nachdem er füe Geld in den Gebirgen Schafe geweidet hatte, vorgab, ihm seien etliche fehlende Schafe von Raubtieren gefressen worden. Nach einer geraumen Zeit kam er unter Tränen und gestand, er habe sie aufgegessen. Er wollte vergüten, wie der Eigentümer nur wollte. Wir hielten in der Zeit unsers Weilens dort 2 Bibelstunden, 13 Ansprachen, machten ungefähr 80 Hausbesuche, weinten mit den Weinenden und freuten uns mit den Fröhlichen nach Röm. 12, 15. Nach beendeter Arbeit traten wir die Rückreise über Taschkent an. In der Stadt wurden wir von 3 Soldatenbrüdern besucht, sie freuten sich über den geistlichen Hunger nach dem Evangelium in Taschkent. Am 2. Dezember 7 Uhr abends traf ich in Sturm, Regen und Finsternis die lieben Meinen nach Wunsch an. Dem Herrn Jesu die Ehre, für die Bewahrung im Glauben und auf dem Wege.
Peter Töws.

   
Zuletzt geändert am 17 Juni, 2018