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Reisebericht des Predigers C. F. Kliewer, Russ. Polen (später als Lehrer in Ak – Metschet), in der „Friedensstimme“ Nr. 42, vom 18. Oktober 1908, S. 2-3

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Siehe auch Bericht von C. F. Kliewer, über seine Ankunft in Ak-metschet, Chiwa, Asien aus der „Friedensstimme“ Nr. 51 vom 21. Dezember 1908, S. 4. Abgeschrieben von Elena Klassen.

 

Reisebericht
Von C.F. Kliewer, Russ.Polen. (Schluß.)

Br. Pauls, Elbing, in dessen Hause ich sehr liebevolle Aufnahme fand, machte mir die sehr interessante Fahrt per Dampfer auf dem Flusse Elbing, dann über das frische Haff, nach Kahlberg, von wo aus wir die Gelegenheit hatten, Blicke auf die Ostsee zu werfen. Am Meeresufer sitzend, betrachteten wir gemeinsam den 104. Psalm. Auch uns ging es wie einst David, so daß wir sagen mußten: Lobe den Herrn, meine Seele.
Den 17. abends fuhr ich zurück bis Grunau, woselbst wir dann noch in Tiergartsfelde bei Geschwistern  Versammlung hatten. Sonnabend vormittags hatten wir noch im engeren Kreise bei einem Bruder in Pr. Königsdorf eine Bibelstunde und nachmittag fuhr ich zu Ältesten Penner in Platenhof bei Tiegenhof.
Sonntag den 19. Juli war Missionsfest in Ladekopp, daselbst hatte ich am Nachmittage Gelegenheit im Anschluß an ein Bibelwort einiges mittzuteilen, hinweisend auf Jesus; das war in Ältesten Neufelds Wohnung in Ptangenau.
In den folgenden Tagen war ich wiederum in Sandhof bei Marienburg, durfte in letzterem Städtchen einige Kinder Gottes kennen lernen und auch an einem Abend Wort am Wort dienen.
Mittwoch, den 22. fuhr ich noch einmal nach Elbing, am Nachmittage hatten wir bei Geschwistern im engeren Kreise eine Erbauungsstunde, ebenso auch am nächsten Tage vormittags in einem anderen Hause. Nachmittag sprach ich infolge einer Einladung der dortigen Ältesten in der mennoninitischen Kirche. Obwohl es am Werktage war, so waren noch immerhin noch etwa über 100 Zuhörer. Dort in dieser Kirche traf ich ganz unerwartet mit einem amerikanischen Prediger, namens G. Lambert, zusammen, welcher auf der Reise nach Rußland war, wohin auch ich in den kommenden Tagen wollte.
Nach einigen Besuchen in Elbing, Krafohlsdorf und Robach, waren wir noch auf dem Missionsfest in Rosenort, woselbst wir beide aufgefordert wurden, Ansprachen zu halten. Zu Mittag und nach dem Essen waren wir zusammen mit den dortigen Predigern und Ältesten bei Diakon Reimer in Krebsfelde. In den  nächsten Tagen machte sich noch einige Besuche in Klettendorf, Lichtfelde und Reichfelde, während Br. G.Lambert verschiedene andere Orte besuchte. Am 29. trafen wir uns wieder und besuchten noch flüchtig auf unserer Durchreise gemeinsam einige Orte. Fast überall wollte man uns noch behalten, aber die Zeit erlaubte es nicht, und wir mußten vorwärts eilen.
In der Nacht vom 30 – 31 Juli passierten wir die Grenzstation Alexandrowo. Die Zollrevision ging tadellos und schnell.
Von Wrotzlawck fuhren wir dann mit dem Dampfer auf der Weichsel aufwärts bis in meine Heimat. Sonnabend, den 1. August, ruhten wir ein wenig und Sonntag diente uns Br. Lambert am Vor- und Nachmittag in der hiesigen Kirche zu Deutsch Wymyschle mit dem Wort. Auch hier mußte Br. Lambert wiederum zu schnell fort. Gerne hätten wir ihn noch länger behalten, aber seine Zeit erlaubte es nicht. Montag schon durfte ich ihn noch bis Warschau begleiten, von wo er nach dem Süden Rußlands eilte, um dort verschiedene Besuche zu machen. Der Herr begleite ihn auf seinen Reisen und segne seine Arbeit!
Wenn ich nun noch einmal auf mein fast fünfwöchentliches Reisen zurück schaue, so beugt es mich zu innigem Danke gegen Gott und Menschen. Sehr viel Liebe und Gastfreundschaft ist mir entgegen gebracht worden, zumal ich doch ein ganz Fremder war. Des Herrn gnädige Führung und Durchhilfe habe ich in ganz besonderem Maße erfahren dürfen. Manches habe ich aber auch gesehen, was mich tief betrübt hat. Ich möchte bei dieser Gelegenheit, Brüdern, die am Wort dienen, und gelegentlich durch Deutschland reisen und irgend Zeit haben, es besonders ans Herz legen, jene Gemeinden zu besuchen. Der Herr wird es segnen und lohnen.
Ich aber füge jetzt noch einiges hier aus meiner Heimat hinzu. Vieles hat sich während meines Weilens in Deutschland verändert. Manche sind durch den Tod aus diesem zeitlichen Leben in das Ewige versetzt worden. Eine Anzahl Seelen haben Frieden gefunden in dem Blute des Lammes, sind ein Eigentum des Herrn geworden, andere sind erweckt und die Gläubigen neubelebt worden. Der Herr hat vieles tun können, aber ebenso ruht auch der Widersacher, der Feind, nicht, indem er sucht die Kinder Gottes zu zersplittern, Uneinigkeit und Meinungsverschiedenheiten hervorzurufen. Unserm Herrn sei Dank, daß er doch  den Sieg behält! Besondere Tage des Segens und der Freude gab uns der Herr, durch den Besuch der lieben Br. Bohn, Wiegand und Thielmann, welche auf ihrer Durchreise hier vier Tage verweilten. Bei den Hausbesuchen und Versammlungen, verging die Zeit fast zu schnell. Besonders angenehm war es für mich, die lieben Brüder hier in meiner Heimat begrüßen zu dürfen, weil wir, seiner Zeit, fast ein Jahr in Berlin zusammen verleben dürften. Der Herr begleite auch ferner ihre Arbeit mit seinem Segen!
Anfangs Oktober (alt St.) gedenke ich, so Gott will und ich lebe, meine liebe Heimat wiederum ui verlassen, um nach Chiwa, Mittel-Asien, zu reisen, um dort zunächst als Lehrer an einer deutschen Schule tätig zu sein. Wie ich dazu kam, dorthin zu fahren ein andermal. Gerne wäre ich auch hier daheim geblieben, wie ich eigentlich früher plante, aber wie es der Herr führt, bin ich bereit zu folgen. Hier ist ein großes und schönes Arbeitsfeld, aber es bleiben hier ja auch noch Arbeiter. Wenn mich der Herr an meinen Bestimmungsort bringt, gedenke ich meine dortige Ankunft in der „Friedensstimme“ mitzuteilen.
Ich würde mich freuen und dankbar sein, wenn ich von Brüdern, besonders von meinen Schulkollegen, etwas erfahren könnte, brieflich oder durch dieses Blatt. Empfehle mich der Fürbitte während der weiten Reise und besonders auch dort. Wenn diese Zeilen gedruckt erscheinen, bin ich schon unterwegs. Wen es interessiert, wie die Deutschen, resp. Mennoniten nach Chiwa gekommen sind, der lese die Broschüre „Unser Auszug nach Mittel-Asien“ von F.Bartsch (zu haben in der Buchhandlung, Braun, Halbstadt), dies Heftchen ist sehr zu empfehlen.
Meine zukünftige Adresse:
Въ среднюю Азию.
Хивинское Ханство, Новый Ургенчъ, сел. Акмечеть.

К.Ф.Кливеръ
   
Zuletzt geändert am 9 April, 2018