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Bericht von Jakob Mandtler aus Aulie-Ata, Turkestan, in der „Friedensstimme“ Nr. 97 vom 12. Dezember 1912, S. 5-6

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Etwas über der Ansiedlung bei Aulie – Ata in Turkestan.

Durch Gottes Gnade haben wir eine gute Ernte einheimsen dürfen, den  der Herr hat unsre Äcker und Arbeit reichlich gesegnet. Auch vor Krankheiten hat der Herr uns sehr verschont, auch hat er schönes Wetter gegeben, alles ins Trockene zu bringen. Die Getreidepreise sind gegenwärtig: Weizen a Battman (12 Pud), 9 Rubel und etwas darüber. Hafer bis 9 Rbl. 60 Kop. Gartengemüse und Kartoffeln sind reichlich. Auch Futter (Luzern) ist alles reichlich. Freilich ist auch der Viebestand nach unserm Landesquantum zu groß. Es wird im Sommer noch viel Futter gekauft. Das Vieh ist teuer, ein gutes Pferd kostet bis 160 Rbl., eine Kuh bis 85 Rbl. Butter a Pfund 40 Kop. Für Milch wird in der Käserei a Pud 45 Kop. Gezahlt, und wenn sie nur Butter machen, dann gibt es die ausgeschleuderte Milch noch zurück. Es ist jetzt schon viel nach Taschkent (deutsch Steinfestung) gefahren worden mit Schweinefleisch, das zu verschiedenen Preisen verkauft worden ist. Das teuerste a Pud 8 Rbl. 20 Kop. Es ist keine Kleinigkeit, über 300 Werst mit Pferd und Wagen zu fahren. Und doch fährt man mitunter noch gerne.

Dem grüßen Vater dort oben sei Preis und Anbetung für die Gnade, die wir in den 30 Jahren  unseres Hierseins unter der mohammedanischen Bevölkerung hinnehmen durften. So viel ich weiß, ist bei all den vielen Reisen noch nur ein Pferd geraubt worden. Niemand ist besonders krank geworden und gestorben ist auf dem Wege niemand. Pferde sind schon mehrere bei den Reisen gefallen, auch von den unseren, aber vielmehr von denen der Kolonisten in der Umgegend, die mit Fracht fahren, womit sie ihren Unterhalten haben. Wenn die Eisenbahn erst gebaut würde, dann wäre das Fahren per Achse beendigt. Wir haben jetzt wieder schönes Wetter, nachts etwas Frost, es sind morgens bis 6° gewesen. Heute waren  tags ca. 6° warm. Der Weg ist ziemlich staubig.
Auf geistlichem Gebiet ist es bei uns zu trocken und kalt. O, daß der Herr Jesus uns recht erwärmen könnte mit seiner Liebe und seinem Geist!

Jakob Mandtler.

   
Zuletzt geändert am 30 März, 2018