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Bericht von Cornelius Wall aus Nikolaipol, Turkestan, in der „Friedensstimme“ Nr. 52 vom 7. Juli 1910, S. 8

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Nikolaipol, Turkestan, 19. Juni.

In Nr. 41 der Friedensstimme wird von hier geschrieben, daß jetzt, nachdem Mithilfe für die Notleidenden am Tschu aus Amerika angekommen ist, getrost immer mehr Unbemittelte hinziehen, resp. von hier fortgelassen werden. In Wirklichkeit ist nur eine Familie, nachdem das Geld angekommen, dorthin gezogen, wo sie von der Regierung unentgeltlich Land bekommt, während sie hier keines besaß. Diese Familie kam vor bald 2 Jahren aus der Krim mit der Absicht auf der neuen Ansiedlung am Tschu ihr Heim zu gründen. Das in dem erwähnten Aufsatz in Nr. 23 d. Bl. mehr die Lichtseiten hervorgehoben sind, gebe ich zu. Was aber der Schreiber der Zeilen in Nr. 41 über die Willkür unter uns spricht, der ein Ende zu machen es an der Zeit wäre, darauf möchten wir folgendes berichten: Das Geld aus Amerika wurde an Br. W. Penner hieselbst gesandt mit dem Auftrage im Kreise von mehreren Brüdern über die Einteilung desselben zu beraten. Nachdem solches im Beisein von Brüdern beider Gemeinden geschehen, wurden Br. Joh. Janzen und ich mit der Ueberbringung eines Teiles des Geldes betraut, während der andere Teil etwas später zum Ankauf von Vieh Verwendung fand. Da sich das Land am Tschu mehr zu Viezucht eignet, indem viel Weide und Heuschlag von Schlachtvieh ihre Haupteinnahme bilden. Außerdem geraten die Kartoffeln, Arbusen (Wassermelonen – E.K.) und Melonen sehr gut. In dem Artikel wird gefragt, wie kann eine Ansiedlung bestehen, die so weit von der Stadt entfernt ist. Freilich ist das schwer, doch haben wir die Aussicht, daß in einigen Jahren die Eisenbahn von Taschkent nach Omsk in Sibirien gebaut wird und dann bleibt die neue Ansiedlung cirka 100 Werst von der Bahnlinie entfernt. Wir wohnen schon 28 Jahre hier und sind jetzt besser gestellt als im Anfabge, trotzdem wir einige unsere Produkte weiter als 3 – 4 Tagesreisen weit zu fahren haben, nämlich bis Taschkent 350 Werst, wozu wir 5 – 8 Tage gebrauchen; jedoch das Meiste unserer Erzeugnisse bringen wir bis Aulieata (70 Werst). Aber das wir unsere Produkte auch noch weiter liefern, beweist der Waggon Schweinefleisch, den wir im Februar dieses Jahres nach dem Süden Rußlands sandten.

Cornelius Wall.

   
Zuletzt geändert am 26 März, 2018