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Kurze Berichte aus Aulie-Ata, Turkestan in der „Friedensstimme“ aus den Jahren 1906-1912

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Bericht aus Nukolaipol bei Aulieata, Turkestan, aus „Friedensstimme“ Nr. 49 vom 9. Dezember 1906, S. 553

Nikolaipol bei Aulie – Ata, Turkestan.
Morgens früh den 1 November durchlief die Kunde: „Onkel Leonhard Dück ist tot“ unser Dorf und später die Ansiedlung. Er starb unbemerkt, war aber schon 3 Tage schwer leidend. Er überlebte seine Frau 1 Jahr weniger 6 Tage. Er hinterliß das Zeugnis, daß er las Sünder im Glauben an Jesu Blut selig werde. Sein Alter ist 75 Jahre. Begräbnis war den 3 November.
Schwester Jak. Mandtler ist immer noch bettlägerig, bereits in der 17. Woche.
Geschwister Joh. Walls, Gnadental jüngstes Töchterchen, etwa 4-jährig, verunglückte am Herdfeuer, erlitt heftige Brandwunden, ihr Leben war angangs in Gefahr, sie ist jetzt aber auf bestem Wege der besserung.
Br. Hein. Janzen, Nikolaipol, kann den Schuldienst nicht versehen, leidet seit 6 Wochen an seinem vertrümmten bein; den Schuldienst versehen gegenwärtig nach Kräften sein Bruder Johann und Sohn Jakob.

 

Bericht von H.J. aus Nukolaipol bei Aulieata, Turkestan, aus „Friedensstimme“ Nr. 6 vom 10. Februar 1907, S. 67

Nikilaipol bei Aulie – Ata, Turkestan. In den letzen Tagen hatten wir ziemlich starken Frost, 18 Grad unter Null. Es ist Schlittenbahn. In der Nähe herrscht immer noch die Rinderseuche. Am Freitag vor Weihnachten brannten der Schatzmeister und sein Buchhalter in Aulie – Ata mit 374,000 Rbl. durch. Da das Schatzamt erst am Donnerstag nach Weihnachten wieder geöffnet wurde, hatten sie schön Zeit sich den Rücken zu decken. Bis jetzt sind weiter keine Spuren als bis zur Bahnstation Kabulßaj. Bis dort fuhren sie auf eigenem Fuhrwerk. Den beiden Kutschern gaben sie, so sagt man, jedem 100 Rbl. Die armen Schlucker sind jetzt in Nummer „Sicher.“ Die Familien wurden einfach im Stich gelassen.

H.J.

 

 

Bericht von H. Janzen aus Nikolaipol, Turkestan in der „Friedensstimme“ Nr. 33 von 18. August 1907, S.426

Nikolaipol bei Aulie – Ata, Turkestan.
2 Aug. Heute nachmittag haben wir Begräbnis. Schw. Marie Dyck, 20 Jahre alt, erkrankte Sonntag und war Dienstag früh 3 Uhr eine Leiche. Sie starb wahrscheinlich an Gallenblasenstein. M. Dyck ist eine Tochter von Bernh. Dyck früher Wernersdorf. Vor einiger Zeit hat sie, wie ich höre, ihr Gewissen gereinigt und soll Ahnung von ihrem nahen Abscheiden gehabt haben. Die Ernteaussichten sind gut, Obst viel, Heu noch mehr, Wetter gegenwärtig trocken und gut, Staub unangenehm viel. Unsre Ansiedler am Tschu schreiben nicht mehr so freudige Briefe, denn man hat ihnen, den letzten Nachrichten nach, noch nicht einen geeigneten Ansiedlungsplatz angewiesen, und der Platz, auf dem sie sitzen, ist unmöglich zu besiedeln. Die Pferde krepieren, das Rindvieh gedeiht, Heu viel.

H. Janzen

 

 

Meldung aus Nukolaipol bei Aulieata, Turkestan, aus „Friedensstimme“ Nr. 23 vom 23. März 1911, S. 8

Nikolaipol, Turkestan, 1. März.

In letzter Zeit  ist der Anbruch des Frühlings durch feuchte Witterung und kleine Nachtfrösteaufgehalten worden; aber jetzt ist sehr milde Witterung eingetreten. Die Getreidepreise stehen auf gewohnter Höhe. Mancher Familienvater unter den Kirgisen wird seine liebe Not haben, seine Familienglieder durchzubringen. Dieses Volk hat von den Bienen und Ameisen nicht gelernt. Im Sommer auf der Bärenhaut liegen, im Herbste in Gemeinschaft den Eintrag der Ernte rasch verzehren, im Winter буза (bosa – ein alkoholisches Getränk – E.K.) trinken und Schulden mache und dann noch die Familie darben lassen, obendrein den drangeneden Gläubiger foppen (reinlegen, äffen – E.K.);  das ist leider so die Beschäftigung des gemeinen Kirgisen; außerdem sich noch zu Schandtaten, ja gar zu Mord und Totschlag in den Parteikämpfen der Wahlen gebrauchen lassen. Ein tief gesunkenes Volk! Wann bricht „das Licht der Welt“ durch und scheint in die dunkle Nacht des Mohamedanismus!?

 

 

Bericht von Jakob Janzen aus Nukolaipol bei Aulieata, Turkestan, aus „Friedensstimme“ Nr. 89 vom 16. November 1911, S. 8, 9

Turkestan, 10 Okt.
Die Ernte ist zur Befriedigung ausgefallen. Die Menschen froh und dankbar für den Segen des Herrn; den ersten Oktober war Erntedankfest. Nachhmittag Missionsausruf.
Die Mission unter den Mohammedanern ist noch sehr schwach: ...(unleserlich – E.K.) möge recht gläbige Männer erwecken mit einem wahren Retter...(unleserlich – E.K.) Denn die Zeit ist kurz. Und das Feld ist weiß zur Ernte.
Die armen Kirgisen sind hier unter sich uneinig geworden, sie haben sich mit langen Stöcken, auf deren Ende ein Stück scharfes Eisen befestigt, sehr ezrschlagen. Etliche haben mit Flinten geschossen und einen erschossen, viele sind verwundet. Die den Sieg hielten, haben die Schafe, Rinder und Pferde den schwachen, welche fliehen mußten, fortgenommen, etliche Weiber geschändet usw. Gott möge sich erbarmen auch über dieses Volk! Möchten doch alle Kinder Gottes hier ein wahres Evangelium darstellen mit der Liebe Jesu angetan, und ein techtes Zeugnus von dem ablegen was Jesus sagt: Lernet von mir.
Das Wetter ist verschieden; es ist schon Schnee gewesen mit etwas Frost, auch Regen, jetzt wieder schön und trocken.

Jakob Janzen, Nikolaipol, Post Aulieata.

 

 

Bericht Jakob Wall aus Aulieata, Turkestan, aus „Friedensstimme“ Nr. 65 vom 22. August 1912, S. 8

Aulie – Ata, den 8. August

Jetzt ist hier alles weiß zu Ernte. Unsere Arbeiter, die Mohammedaner haben im nächsten Monat ihren jährlichen Fastenmonat. Da essen und trinken sie nichts von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; nur in der Nacht nehmen sie einige Speise zu sich. Unter diesen Umständen wird aus ihrer Arbeit nicht viel. Es ist sehr schwer mitansehen zu müssen, wie die gute Frucht reift und zur Erde sich senkt, aber keine Schnitter da sind.
Jakob Wall.

6 September.
Die Ernte geht jetzt schon dem Ende zu, aber geschnitten wird noch immer, obzwar schon alles überreif ist. Es finden sich schon Nachtfröste. Der Ernteertrag fällt hier sehr verschieden aus, stellenweise sehr gut.

Derselbe

   
Zuletzt geändert am 18 März, 2018