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Eine Exkursion der Waisenschüler in Großweide nach Einlage in der „Friedensstimme“ Nr. 49 vom 29. Juni 1911, S. 2

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Eine Exkursion der Waisenschüler in Großweide.

Schon vorigen Herbst hatten unsere lieben Eltern und der Lehrer eine längere Reise mit uns Zöglingen der Waisenanstalt geplant. Da unsere Schule damals aber noch nicht bestätigt war, so wurde leider nichts daraus. Im Laufe des Winters nun erhielten wir die Bestätigung der Schule, und wir bestimmten zum Frühjahr eine Reise nach Einlage.
Auf Vorstellung unseres lieben Lehrers beim Inspektor schickte uns dieser ein Zeugnis heraus, laut welchem 32 Mann aus dem Waisenhause zu einer Exkursion den billigen Tarif benutzen konnten, d.h. wir durften auf der Eisenbahn alle mit Viertelbilletten fahren. Auch konnten wir uns laut diesem Zeignis einen besonderen Waggon für uns bestellen, was der Lehrer auch eine Woche vor unserer Abreise tat. Als Abfahrtstag hatten wir den 6. Juni bestimmt. Der Stationschef von Neljgowka versprach uns bis zu diesem Tage alles fertig zu haben.
Ach, eine Exkursion nach Einlage war für uns alle etwas Neues! Die meisten hatten noch keine so lange Reise gemacht. O wie wir uns dazu freuten! Fast zu lange waren uns die letzten Tage vor der Abreise. Immer wieder zählten wir nach, wie viel mal wir noch schlafen gehen müßten, wie viel Zeit also noch bis zur Abfahrt geblieben wäre.
Die Ausrüstung zu solcher Reise mit 28 Kindern ist aber eine große Arbeit. Besonders die liebe Mama hatte viel, viel Mühe, uns reisefertig zu machen. Endlich war alles bereit, aber unsere Mama war auch müde. Sie zog es vor, mit den 6 kleinen Kindern, die noch nicht zur Schule gehen, zu Hause zu bleiben.
Am 6. Juni wurden wir schon sehr früh geweckt. Wir kleideten uns rasch an und setzten uns nach kurzer Morgenandacht zum Frühstück. Als wir damit eben fertig waren, kamen auch schon fünf Verdeckfederwagen aus dem Dorfe auf unsern Hof. Auf Papas Anfrage waren die Besitzer dieser Fuhrwerke alle gern bereit gewesen, uns unentgeltlich zur Station zu fahren. Wir packten uns nun alle, Papa, der Lehrer, unser ältester Bruder Abram (diese drei als Aufseher) und 28 Kinder in die fünf Wagen hinein und als die Sonne eben aufgehen wollte, fuhren wir los.
Auf der Station angekommen, sollten wir noch etwas auf die Probe gestellt werden. Wir Kinder hatten nämlich wiederholt darum gebetet, der Herr möge es so führen, daß wir einen ganzen Waggon für uns allein bekämen. Als wir zur Station kamen, war aber noch kein Waggon für uns da, und der Stationschef wußte auch noch immer nicht genau, ob wir einen bekommen würden, trotzdem er, wie er sagte, schon 15 mal darum telegraphiert hatte. Nach einigem Warten kam endlich der Zug, mit welchem wir fahren mußten, und ein leerer Passagierwaggon dritter Klasse befand sich im Zuge und den bekamen wir. Nun war die Freude groß.
Bis Pologi ging die Reise sehr langsam. Es war nämlich ein Bummelzug, auf dem wir fuhren. Außer einigen Russendörfern, vielen Getreidefeldern und dem Berge Tokmak gabs nichts Besonderes zu sehen. Zwischen den Station Kirillowka und Pologi fanden die Kondukteure einen „Hasen" in unserem Waggon, welchen wir so lange gar nicht bemerkt hatten, weil er unter der Bank ganz krumm zusammen lag. Die Kondukteure zogen ihn nun hervor und unter lebhaftem Zurufen von einigen Kindern wie „зайчикъ“ (Hässchen – E.K.) wurde er hinausgeführt.
Auf Pologi mußten wir umsteigen, bekamen aber Dank der Liebenswürdigkeit des Pologer Natschalnik wieder einen Extrawagen für uns allein. Von Pologi bis Alexandrowsk geht die Bahn zum größten Teil längs dem Fluße Konskaja, an dem sich fast ununterbrochen viel Chutoren (Gehöft – E.K.) und Russendörfer hinziehen. Ungefähr in der Mitte, etwas abseits von der Bahn, befindet sich auch die Stadt Orrechow, die von der Bahn aus aber eben so aussieht, wie ein gewöhliches Russendorf.
Auf der Station Alexandrowsk mußten wir beinahe 2 Stunden warten. Das war für uns Kinder fast zum ungeduldig werden. Als wir dann endlich wieder fuhren, gabs aber auch viel zu sehen: große Fabriken und Dampfmühlen, große, mehrstöckige, sehr hübsche Häuser flogen an uns vorbei. Das war nun alles so etwas, das wir bei uns nicht haben, das uns denn auch sehr interessierte. Einige Male erblickten wir auch in der Ferne das glänzende Wasser des Dnjepr. Sogar durch einen kleinen Tunnel fuhren wir. Doch nur 8 Minuten lang dauerte die interessante Fahrt, da stand der Zug schon wieder; doch er ging ja bald wieder los und nach einer Viertelstunde tauchte plötzlich in nächster Nähe der ganze Dnjepr, so breit er war, vor uns auf und im nächsten Augenblicke raffelte der Zug auch schon über die große Bogenbrücke, die über den herrlichen, von uns schon viel besprochenen Fluß führt. In schwindelnder Höhe sausten wir über dem Wasser dahin. Gleich darauf hielt der Zug wieder an, für uns jetzt das letzte Mal, denn wir waren in Kitschkas (Einlage) unterm Ziele.
Auf der Station empfingen uns Frau Abr. Unger mit ihrem Sohn Herrn Heinrich Unger. Auf Papas Anmeldung hin waren sie und noch einige Einlager so freundlich zuvorkommend gewesen und waren mit Fuhrwerken zur Station gekommen, um uns alle zusammen zur Kitschkaßer Volksschule zu fahren. Hier waren schon mehrere Frauen und Fräulein zusammengekommen um uns Gastfreundschaft zu beweisen. Während sie das Abendbrot bereiteten, besahen wir uns die neue Schule und ebenfalls die neue Kirche. In der Schule interessierten uns die großen hübschen naturgeschichtlichen und geographischen Charakterbilder am meisten. Fast haben wir die Einlager Schüler darum beneidet. Und dann die hochfeine Einrichtung und in.. (unles. – E.K.) Ausstattung der Kirche. So etwas hatten wir alle noch nicht gesehen. Das war übrigens den großartig herrlichen Naturschönheiten von Einlage und Umgebung, die wir später sahen, entsprechend.
Nachdem wir dann zu Abendbrot gespeist haben, machten wir noch einen Spaziergang durch das Dorf an den Dnjepr. Herr Heinrich Unger war unser Führer. Was wir hier und auf unseren späteren Gängen alles zu sehen bekamen, das würdig zu beschreiben ist, reicht unser Wortschatz nicht aus. Da sahen wir zur Linken den ungeheuren Wolfsrachen mit der wie über ihn hingeworfenen und nun in der Luft schwebenden Bogenbrücke, zur Rechten die beiden Arme des berühmten Flusses mit den erhabenen Felsinseln in der Mitte. Am gegenüberliegenden Ufer „Alexandrabad“, wo es, wie es uns schien, ganz gemütlichsein muß. Davon etwas links aber die ungemütlichen Steinbrüche, wo es fast fortwährend kanonenartig donnerte und die Steine hoch in die Luft sprengten, daß einem recht unheimlich wurde.
Grade vor uns zu unsern Füßen lag das ruhige, klare, fast spiegelglatte Wasser des Dnjepr mit seinen Kähnen, Schleppdampfern und Getreideschiffen, von denen eins, wie uns erzählt wurde, untergegangen war und jetzt grade wieder gehoben wurde. Ein Teil seines Inhalts, eine große Menge Gerste, war schon an dem Ufer zum Troknen ausgeschüttet. Ein Dampfboot landete grade vor uns. Auf unser Bitten wurde beschlossen, am folgenden Tage eine Fahrt auf demselben zu probieren.
Auf dem Rückwege gingen wir durch einen Natureichenwald. Da wars auch sehr schön und ungemein interessant. Mächtige Bäume und Felsen, von welchen wir bis dahin keine Ahnung hatten, sahen wir nun mit eigenen Augen und durften wir persönlich droben herumklettern.
Ach das war eine Luft! Die herrlichen Partien, die wir hier durchstöberten, zu beschreiben, sind wir wieder nicht imstande. Wir wissen nur, daß es uns hier sehr gefiel und wir wünschten uns wiederholt, wenn wir doch neben unserer Anstalt, wenn auch nur einen Teil solchen Waldes mit solchen Felsbergen hätten. Durch unsern Papa wurden wir daran erinnert, daß wir uns zur Ruhe begeben sollten. Es war uns sehr schade, daß wir diesen herrlichen Ort so schnell verlassen sollten, doch wir wurden damit getröstet, daß wir am nächsten Tage noch einmal herkommen würden.
Als wir wieder auf dem Schulhofe ankamen, hatten sich dort eine ganze Anzahl Onkels eingefunden, die jeder ein paar Kinder zur Nacht mitnehmen wollten. Wir wurden nun alle zu je 3 oder 4 verteilt. Als jeder ein Quartier hatte, aber nicht alle Onkels Quartieranten, da meinte ein Onkel: „Na, Nachtquartiere sind noch mehr zu haben, aber die Kinder reichen nicht zu!“
Nachdem wir die Nacht hindurch, ich glaube alle wie Prinzen geschlafen hatten, versammelten wir uns am andern Morgen wieder bei der Schule. Von dort gungen wir zum Dnjepr und führen dann auf dem Dampfboot „Leonida“ bis „Zarskaja Pristanj“. Herr H.Unger und die Herren Lehrer Pätkau und Wiens mit einigen Schülern begleiteten uns. In „Zarskaja Pristanj“ gingen wir in die dortige Sägemühle. Da gabs wieder viel zu sehen und manches zu lernen. Wir sahen, wie 5 oder 6 dicke Baumstämme zugleich mittels Pferden vom Floß auf dem Wasser herunter und dann auf einer Holzbahn bis zur Mühle geschleppt wurden, wie diese Stämme dann schon mittels Dampfkraft alle zugleich in den zweiten Stock der Mühle hinaufgezogen wurden, wie aus ihnen vierkantige Balken herausgeschnitten wurden und wie diese Balken dann schließlich von sieben breiten Sägen mit vielem Getöse in je 4 dicke und 4 dünne Bretter zerteilt werden. Aus der Sägemühle stiegen wir noch das hohe und ziemlich steile Felsenufer hinan. Hier bot sich uns eine herrliche Aussicht auf den Fluß mit seinen wunderschönen Ufern, Inseln und Felsen.
Nach ungefähr einer Stunde fuhren wir dann wieder mit demselben Dampfboot zurück. Unterwegs sollten wir nun singen. Aus Gehorsam versuchten wir es auch, aber die Fahrt an und für sich bot schon so viel Schönes und Neues und Interessantes, daß es mit dem Singen nicht was Rechies (? – E.K.) werden sollte. Von der Haltestelle Einlage fuhren wir noch gleich hinüber nach Alexandrabad. Der Arzt, Herr Schmidt, ging mit uns die ganze Anstalt durch, zeigte uns viele Einrichtungen und erklärte uns manches. Zurück über den Dnjepr fuhren wir auf Kähnen; wieder etwas neues für viele von uns.
Die Uhr zeigte schon ½ 12 Uhr und wir gingen nunzum Mittagessen, ein jeder dahin, wo er Nachtquartier gehabt hatte. Nach Mittag machten wir eine Pause. In dieser Zeit, nachdem wir alle bei Herrn Unger zusammengekommen waren, machte man uns die Freude, ein Grammophon vor uns singen, spielen und lachen zu lassen. Wir sahen uns dann noch die Wagenfabrik des Herrn Unger an, und man erlaubte uns auch, das Telephonieren aus einem Hause ins andere zu versuchen.
Dann brachen wir wieder auf und gingen durch den uns schon bekannten Naturwald zur Dnjeprbrücke. Wir sahen und staunten über das großartige Werk von Menschenhänden und über die noch erhabeneren Gotteswerbe an den Ufern, und gingen dann hinüber nach der andern Seite des Dnjepr. Dabei versuchten wir von der Brücke hinunterzuschauen in die „gräuliche“ Tiefe. Viele wandten sich aber bald ab, denn ihnen fing an zu schwindeln. Am entgegengesetzten Ufer suchten wir uns die sogenannte Räuberhöhle auf, die sich in der Nähe der Brücke am Ufer in dem Felsen befindet. Es hat sich die Sage gebildet, daß der Kosakenhauptmann  Тарасъ Бульба hier gewohnt haben soll. Er selbst ist auch auf einem Fels neben der Höhle mit Farbe abgezeichnet, ebenso sein Sohn Остапъ. Die Höhle an und für sich ist nur klein: nur eineige Faden lang ist sie so schmal, daß zwei Mann sich eben darin vorbei gehen können. Hoch ist sie so, daß ein erwachsener Mann gut aufrecht darin stehen kann. Der Eingang aber ist so klein und enge, daß man, um in die Höhle zu kommen, auf allen Vieren kriechen muß. Nachdem wir alles durchstöbert hatten, begaben wir uns zurück in den Wald.
Hier sahen wir nun im kühlen Schatten der Eichen auf dem Grünen große Tischtücher ausgebreitet, etwas abseits zwei dampfende Teemaschinen und einige Körbe mit Zwieback, Kuchen und Tassen. Mehrere Frauen und Fräulein hatten sich die Mühe gemacht, uns im Walde ein schönes Vesper zu bereiten. Wir setzten uns nun alle um die Tischtücher herum und ließen uns dann Tee und Kuchen vortrefflich schmecken. Nach dem Vesper machte uns Frau Unger noch eine Extrafreude und verteilte allerlei Süßigkeiten  an uns. Ein Onkel Koslowski schenkte uns noch Büchlein und Sprüche. Und dann liefen und sprangen und spielten wir noch einige Zeit im Walde herum, erstürmten die Felsberge und sangen, schrien und lärmten dabei nach Herzenslust. Ach das war ein Vergnügen, wie wir es in unsern öden Steppen noch nicht gehabt hatten und auch nicht haben konnten. Merkwürdig und unerklärlich war es uns, wie auf vielen Stellen große, gesunde Eichen einfach aus oder auf den Steinen wuchsen.
Auffalend war uns auch an manchen Felsgruppen das Zeichen mit roter Farbe gedruckt. „Х. О. О. Пр.“ Auf unseren Fragen erklärte man uns, daß schlechte Naturfreunde angefangen hätten, diese Herrlichkeiten zu zerstören. Da habe sich in Chortitza ein Naturschutzverein gebildet, der nach Kräften die Schönheiten der Natur zu schützen suche und zu diesem Zwecke die schönsten Partien auch hier im Walde gestempelt habe. Das Zeichen bedeutet: „Хортицкое Общество Охранения Природы“ (Chortitzer Naturschutzverein – E.K.). Wenn nun jemand das Gestempelte doch zerstört, so wird er hart bestraft. Wir haben dem Verein im Stillen herzlich gedankt für sein Bestreben.
Wie im Fluge, für uns viel zu rasch, waren die Stunden dieses Nachmittags dahingeeilt. Es war Zeit, daß wir wieder zurück nach Einlage gehen mußten. Unterwegs besuchten wir eine kranke Frau. Wir Kinder sangen ihr noch, zwar mangelhaft aber wohlgemeint, einige Liedchen vor. Nach diesem gingen wir noch nach dem Einlager Friedhof, um uns das Dorf auch von der andern Seite anzusehen. Von dort aus ging dann ein jeder in sein Nachtquartier, um dort zu Abendbrot zu speisen und dann schlafen zu gehen.
Am folgenden Morgen frühe 6 Uhr versammelten wir uns wieder bei der Schule. Unsere Einlager Freunde waren so freundlich, uns fünf Fuhrwerke zur Verfügung zu stellen, auf denen wir dann zu den untersten Stromschnellen fuhren, hin über Kronsweide. Auffallend war es uns, wie ein Teil dieses Dorfes so tief in einer engen Schlucht liegt. Wir besprachen beim Vorbeifahren, man könnte einfach ein großes Dach darüber bauen, dann wäre gar nichts davon zu sehen.
Bei den Stromschnellen angekommen, waren wir eigentlich etwas enttäuscht. Zwar gabs viele auch große Steine und Felsen im Flusse, über die das Wasser schäumend und rauschend dahinschoß, so daß hier gut zu sehen war, daß der Dnjepr kein stehendes Wasser ist. Den eigentlichen Fall aber hatten wir uns größer vorgestellt.
Wie uns gesagt wurde, gibt es weiter oben auch größere Fälle, aber dahin zu fahren hatten wir schon nicht Zeit.
Nachdem wir uns das Spiel der Wasser einige Zeit angesehen hatten, fuhren wir wieder zurück, jetzt über „Bethania“. Hier hielten wir noch etwas an. Zwei Anstaltshäuser waren eins ganz und das andere beinahe fertig. Letzteres durften wir uns auch von innen näher ansehen, wobei der freundliche Doktor, Herr Stieda, uns manches über die Einrichtung der Anstalt und über die Geisteskranken, die hier aufgenommen und verpflegt werden sollen, erklärte. So gabs auch hier wieder für uns vieles zu sehen und zu lernen. Das Hauptgebäude der Anstalt, ein sehr großes und schönes Haus, wurde gerade gebaut. Doktor Stieda und Herr Flaming zeigten unserem Papa, dem Lehrer und Abram nun noch den Bau des Hauptgebäudes und gingen dann auch mit ihnen in das schon ganz fertige Haus, in dem schon 16 kranke Frauen gepflegt werden. Herr Schellenberg ging mit uns Kindern unterdessen in seinen Garten. Der liebenswürdiege Onkel schüttelte dort für uns Maulbeeren. Das gab bei uns aber schmutzige Mäuler und Hände. Wir gingen dann an den Dnjepr, uns im Flusse zu waschen. Dort beschauten wir auch die Pumpe, mit welcher das Wasser zur Anstalt hinaufgepumpt wird. Dann fuhren wir wieder zurück nach Einlage.
Nachdem wir dort noch einmal zu Mittag gespeist, und dann bedankt und von unseren Einlagern Freunden verabschieden hatten, begaben wir uns zum Bahhof. Bald kam der Zug. Wir stiegen in unseren Extrawaggon, den wie dieses Mal schon direkt bis Neljgowka bekamen, und dann dampften wir ab unserer Heimat zu. Um ½ 2 Uhr nachts kamen wir auf der Station Neljgowka an. Daselbst waren aber nur drei Fuhrwerke. So mußten 6 Knaben, vier Mädchen und unser Papa einstweilen dortbleiben und auf die andern beiden Fuhrwerke warten. Wir beschlossen aber bald, die 7 Werst bis Großweide zu Fuß zu gehen und gingen von der Station los. Vor dem Dorfe Neljgowka begegnete uns ein Fuhrwerk. Papa, die Mädchen und ein Knabe fuhren mit. Die andern 5 Knaben gingen weiter. Ungefähr 2 Werst von Großweide entfernt trafen wir dann auch das andere Fuhrwerk, welches uns nach Hause brachte. So waren wir wieder alle glücklich, gesund und wohlbehalten zu Hause angekommen. Dem Herrn die Ehre dafür.
Ach, das waren schöne Tage, diese Exkursion! Eine herrliche Abwechlung in unserm mehr oder weniger eintönigen Anstaltsleben! Wir sagen hiermit nochmals allen, die irgendwie mitgeholfen haben, uns diese außerordentliche Freude zu bereiten, oder auch daran teilgenommen haben unseren herzlichsten Dank. Die Exkursion nach Einlage mit allem was drum und dran war, wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Exkursisten.
   
Zuletzt geändert am 19 März, 2018