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Bericht von Kor. Wall aus Hohendorf, Turkestan in der „Friedensstimme“ Nr. 14 von 15 Februar 1914, S. 7

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Hohendorf, Aulieata, den 21 Jan.
„Gottes Wege sind wunderbar“, so müssen wir vom  vorigen Jahre sagen. Als man anfing den Acker zu bestellen, hatte man die beste Hoffnung auf eine gute Ernte, denn Sonnenschein und Regen wechselten ab, und auch nach der Saatzeit regnete es viel. Da trat ein Wendepunkt ein. Schiller sagt: „...Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand...“ Verluste an Vermögen, auch an Menschenleben, haben die Leute, namentlich um Aulieata herum, zu verzeichnen, die ihnen von einem Wolkenbruch zugefügt wurden. Dieser entstand auf einem Ausläufer der Alexanderkette, genannt Aetschkili. Vor und in der Kapschlucht, wo sich fast alle Gewässer vereinigten, hat das Wasser Mühlen zertrümmert, Brücken fortgerissen, den Fahrweg zur Stadt verspült, der am Berg den Fluß Talas entlang führte, die Fänge von Bewässerungkanälen verschwemmt oder voll Steingeröll gespült. Letztere wieder herzustellen hat sehr viel Mühe gekostet. Auch konnte in dieser Zeit nicht gewässert werden, weshalb auch sehr viel Getreide unbewässert blieb.
Das Wasser war auf einer Ecke in der Kapschlucht, wo man es messen konnte, etwa 7 Arschin über den gewöhlichen Wasserstand gestiegen, und dieses will bei der furchbar schnellen Strömung des hiesigen Wassers viel sagen. Die Schlucht ist von 40 – 100 Faden breit. Ein anderer Strom. Der unterhalb der Kapschlucht sich durch ein Russendorf den Weg bahnte, hat dort großen Schaden angerichtet. Vereint mit dem Talas ging es dann Aulieata zu. Viele Kadaver trug das Wasser mit sich. Von einer Wiese vor der Stadt sollen für 40 000 Rbl. Schafwolle fortgeschwemmt sein. In mehreren Straßen stieg das Wasser auf mehrere Fuß. Man kann sich denken, welche Bestürzung die Bewohner befiel.
Nach diesem Gußregen trat anhaltende Dürre ein. Hätten die Menschen nach ihrem Ermessen mit dem Wasser haushalten können, so hätten sie es allmählich regnen lassen. Doch noch mehr. Wenn man in unsere Berge kommt, muß man staunen über die Menge des ewigen Schnee`s. Alljährilich taut der Schnee zu einem Teil im Laufe des Sommers allmählich auf, doch bleibt immer noch viel liegen. In diesem Jahre jedoch hat Gott der Herr gezeigt, daß er durch eine kalte Luftströmung in den höheren Luftregionen das Tauen des Schnee`s aufhalten kann, während es im Tale heiß ist.
Alles dieses müssen wir als eine Heimsuchung Gottes erkennen, worunter unter anderen auch wir in unserer Ansiedlung Hohendorf schwer betroffen sind. Was schon das Ansiedeln an Beschwerden und Ausgaben auf sich hat, wird mancher erfahren haben. Wenn nun so ein herber Schlag kommt, dann ists doppelt schwer. Erwähntes Dorf liegt 25 Werst von den anderen Mennonitendörfern am Flusse Bischtasch. Dieser Fluß ist ohnehin schon wasserarm, und trotzdem von den Russen sehr wenig gepflügt wurde, bei den Kirgisen war von seiten der Obrigkeit verboten zu pflügen , so konnten manche Felder nur verspätet bewässert werden, andere blieben ganz ohne Wasser. Von den bewässerten Feldern hat man die Saat oder auch die doppelte Saat erhalten, von einigen auch noch etwas mehr, von den anderen garnichts, und mit Sorgen blickt man in die Zukunft. Die alten Kirgisen sagen, daß die solcher Dürre sich nicht entsinnen können.

Korn. Wall
   
Zuletzt geändert am 15 März, 2018