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Waisenhaus in Großweide. Erinnerungen von Jakob Heinrich Klassen aus Rudnerweide.

 

Von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

 

Großweide, das ehemalige Waisenhaus. Mit diesem Dorf verbindet mich sehr viel. Hier verbrachte ich einen großen Teil meiner Kindheit. Hier hatte ich meine Freunde. Hier warteten wir mit meiner Mutter lange vergeblich auf meinen Vater, der eines Tages im Jahr 1932 aus heiterem Himmel in Rudnerweide verhaftet wurde, und wie auch in vielen anderen Familien, nie wieder nach Hause kam. Hier endeten meine Kinderträume. Denn wir wurden 1941 aus meinem Dorf mit samt allen Bewohnern ganz weit weg nach Kasachstan vertrieben. Dahin, wo wir viele Jahre mit Elend, Kälte und Hunger zu kämpfen hatten. Dahin, wo für eine schöne Kindheit und Jugend kein Platz mehr war. Viele würden die Zeit dort nicht überleben.

Nun zurück zur Grossweide.
Großweide war ein schönes, gepflegtes Dorf. Durch das ganze Dorf verlief eine lange Straße, die an beiden Seiten einen Bürgersteig hatte. Damit das Regenwasser abfliessen konnte war er etwas höher als die Fahrstrasse und mit Sand oder feinem Kies bedeckt. Die Straße war wie eine Allee an beiden Seiten durch herrliche Akazienbäume geschmückt. Die Häusergrundstücke waren ca. 60 Desjatin (50 Morgen) gross. Sie standen etwas nach hinten auf dem Grundstück und waren mit Dachziegeln bedeckt, zum Teil aus Schilf oder auch Bedachungseisen. Ein schmaler Pfad trennte den Vorgarten vom Gemüsegarten und jedes Haus war von einem Zaun umgrenzt.
Am Ende des Dorfes befand sich ein kleiner Wald, der von den Bewohnern des Dorfes als Windschutz gepflanzt worden war.
Quer durch das ganze Dorf  verlief eine Niederung (Низина)- wir nannten sie „dee Leech“ auf plattdeutsch - die normalerweise immer trocken war. Im Frühjahr jedoch, wenn die Schneeschmelze einsetzte oder im Herbst, wenn es zu viel geregnet hatte, fühlte sie sich voll mit Wasser. Die Wassermengen liefen Richtung der freien Felder und vereinigten sich dort auf der anderen Seite des Dorfes, hinter dem Hauptgebäude des Waisenhauses, mit der Riitsch (Fluss auf plattdeutsch – E.K.). Das war, wie wir dazu sagten, „dee Utjacht“, mitsamt einer Brücke. Es war eine grosse freie Wiese. Ab und zu kamen Zigeuner 2-3 mal im Jahr ins Dorf um dort ihr Lager aufzuschlagen. Manchmal kam auch ein Tierarzt um sich um die kranken Tiere zu kümmern und sie zu impfen. Dazu wurden die Tiere auf dee Utjacht getrieben.
Zwei Häuser weiter neben dem Waisenhaus am Ufer der Riitsch stand auch ein kleines Lebensmittellädchen. Den Verkäufer nannten wir Loafte-Woall. Dort kauften wir regelmäßig ein: 500 Gramm Zucker für den Monat, Mehl, Bonbons, ab und zu Bekleidung. Das Brot für uns hat meine Mutter immer selber gebacken.

Weiter unten im Dorf lagen der Dorfrat (Сельсовет), das Versammlungshaus, der Friedhof  und die Post. Die beiden Dörfer Rudnerweide und Grossweide waren einem Dorfrat untergeordnet.

Das Waisenhaus war ursprünglich für mennonitische Kinder erbaut worden. Der Gründer des Hauses war Abraham Harder. Er empfand es als seine christliche Aufgabe, ein solches Haus zu errichten. Meinen Wissens nach hatte er ein ähnliches Haus auch woanders*. Wann das Waisenhaus in eine Mittelschule umgeändert wurde ist mir nicht bekannt. Die hieß damals „неполная средняя школа“. Es befand sich noch eine ältere Schule in Grossweide, die zu meiner Zeit aber nicht mehr benutzt wurde.

Im Dorf  wohnte eine Familie Klassen. Nach meinem Wissen waren wir nicht verwandt.

Als das Waisenhaus aufgelöst wurde, wurden die Waisenkinder zum Teil in den mennonitischen Familien aus der Umgebung untergebracht. So haben dann auch meine Großeltern Jakob und Agatha (geb. Wiebe) Klassen aus Rudnerweide, die bereits 9 eigene Kinder hatten, die Brüder Wilhelm und Eugen Penner in ihrer Familie aufgenommen. Die Nachbarin meines Großvaters Aganetha (geb. Neufeld, ) werw. Sudermann aus Rudnerweide, hatte die Schwester der beiden Brüder, Frieda Penner, aufgenommen (Frieda war die älteste der Geschwister - E.K.).  Später, als Jakob und Aganetha ihre jeweiligen Ehepartner verloren hatten, haben beide geheiratet. Aganetha brachte ihre Kinder aus der ersten Ehe und Frieda in die Familie mit und so wurden die Geschwister Penner wieder in einer Familie vereint. Vermutlich stammen die Geschwister Penner aus Berdjansk. Heute würde man dies eine Patchworkfamilie nennen. (Die Geschwister hatten noch einen Bruder, Alexander Penner. Er wurde von der Familie Susanne Reimer (ursprünglich aus Pordenau) aufgenommen. Die Eltern der Geschwister sollen an Typhus gestorben sein. Die Familie Penner kam ursprünglich vom Gehöft Wassiljewskij (Хутор Васильевский) Berdjansk – E.K.)

Die Einrichtung des Waisenhauses bestand aus vier Gebäuden. Das Hauptgebäude war zweistöckig und mit einer Holztreppe verbunden und bestand nur aus Klassenräumen. Im Keller befanden sich noch eine kleine Werkstatt und ein Heizungsraum mit einer zentralisierten Heizung.
Das Gebäude mit dem rechtwinkligen Grundriss war ein Internat für die Kinder aus den umliegenden Dörfern, welche für den Schulbesuch nach Grossweide kamen. Hierfür dienten  etliche Räume als Wohnungen für 2 bis 3 Personen. Während der Sommerferien stand das Gebäude leer. Seitlich an dem Gebäude befanden sich der Speisesaal und die Küche. Das Gebäude wurde mit Kohle geheizt und die dafür benötigte Kohle im Keller gelagert. Für die Internatskinder wurden die Speisen in der Küche zubereitet. Gekocht haben mennonitische Frauen, die aus den Dörfern geschickt wurden. Sie hatten auch ihre Wohnungen hier in der Schule. Der Herd wurde mit Heu befeuert. Die übriggebliebene Asche wurde in einem kleinen Raum gelagert und im Frühling auf den Feldern als Dünger verteilt. Während der Erntezeit spendete jeder Bewohner des Dorfes zusätzlich eine volle Schubkarre mit Obst und Gemüse an die Schule.

Hinter Franztal ging der Weg weiter nach Neljgowka (Нельговка), ein russisches Dorf. Gleich hinter diesem war die gleichnamige Bahnstation. Dorthin musste die Kolchosen ihr Getreide abliefern. Die Kohle für die Schule wurde von da mit der Pferdefuhre (Подвода) ins Dorf transportiert.

Im Keller war es schön kühl. Ich habe einige male erlebt, dass die im Sommer Verstorbenen des Dorfes zur Not dort bis zur Beerdigung gelagert wurden.
Der Vorbau des Hauses war ein hoher  Eingang in das Untergeschoss und war mit Blecheisen bedeckt. Das war eine schöne glatte Ebene, darauf wurde im Sommer Obst (Dörrobst) getrocknet.

Das weitere Gebäude war ein kleines Häuschen. Es war  die Wohnung des Direktors. Zu meinen Zeiten war der Direktor der Schule Heinrich Penner, er hatte zwei Söhne. Danach, in der Säuberungszeiten, wurde er durch einen Russen, dessen  Name ich nicht mehr kenne, ersetzt. Heinrich Penner durfte aber weiter unterrichten, doch er wohnte nun ausserhalb des Hofes unten im Dorf.
Jedes Dorf besaß eine eigene Grundschule. So auch Grossweide. In die erste bis vierte Klasse gingen nur die Kinder aus unserem Dorf. In die fünfte bis siebte Klasse gingen die Kinder aus Grossweide, Rudnerweide, Franztal und Pastwa.

Im nächsten kleinen einstöckigen Häuschen wohnten wir, ich und meine Mama. Ich selber wurde in Rudnerweide geboren, wo auch meine Familie und die ganze Verwandtschaft lebten. Als mein Vater verhaftet wurde und da meine Eltern kein Eigentum hatten, wurden wir mit Mama bei den Verwandten untergebracht. Nach vielem langen, mühsamen Hin und Her, konnte mein Onkel Daniel Ediger, der in der Schule gearbeitet hat, uns da unterbringen. Auf dem berühmten Foto von Grossweide mit dem Waisenhaus kann man das Fenster unserer Wohnung sehen. Wir hatten nur ein Zimmer und das teilten wir mit Anna Brandt, die nicht verheiratet war. Es gab nicht genügend Räume für den Unterricht. Ein Raum in unserem Hause wurde zusätzlich für den Klassenraum vergeben. Einen weiteren Raum nahm die kleine Bücherei ein.
Links stand ein Verschlag aus Holz (Сарай), neben ihm große Kastanienbäume. Dahinter war der Schulgarten mit Kirsch-, Birnen- und Äpfelbäumen.
In der Mitte des Hofes stand ein altes Wasserbrunnen. Doch das Wasser darin war sehr salzig und daher ungeniessbar. Zum Trinken, Kochen und Waschen sammelte man also das Regenwasser. Hierfür wurden am Rande des Hofes, rechts und links, zwei große Wasserzisternen in der Erde einbetoniert. Von oben sahen sie wie ganz normalen runde Wasserbrunnen aus. An einer Vorrichtung darüber war eine Kette mit einem Eimer daran befestigt um Wasser aus den Zisternen zu schöpfen.
Zum Turnen standen auf dem Hof zwei Recks (Турники) aus Holz. Da habe ich als Kind viel Zeit verbracht.
Das Grundstück des Hauses wurde von zwei Seiten mit halbhohen Mauer umgränzt, wir nannten dies Tejeltuun. Auf beiden Seiten waren Bögen (Arka) für den Ein- und Ausgang eingelassen.  Die Einfahrt, die von der Hauptstrasse, die rechts nach Franztal und links nach Sparrau führte,hatte eine breiten Bogen für die Pferdekutschen und rechts und links davon jeweils einen kleineren für die Bewohner. Die Bögen auf der anderen Seite zeigten in Richtung Rudnerweide.
Im Volksmund hiess Rudnerweide liebevoll Krüschtjedarp. Den Weg haben wir gerne benutzt und die 3 km ging es zu Fuß ins Dorf um die Verwandten zu besuchen. Den Sommer verbrachte ich dort bei meiner Oma Görtz.
Rechts und links des Bogens gab es jeweils eine Säule mit einer Art Deckel oben drauf. Für uns Kinder war es eine gute Sitzgelegenheit, wir saßen oft da drauf. Später, als die russischen Truppen das Dorf belagerten, beobachteten wir von dort oben das ganze „Kriegstheater“.
Von der Seite der Utjacht waren die anderen zwei Seiten des Grundstückes offen, ohne Mauer.
Im Hinterhof gab es auch ein kleines Grundstück, dort wurden auch etliche Gemüsesorten gepflanzt. Ein kleiner Teil des Grundstücks durften meine Mutter und ich für uns nutzen. Zum Krautjeten haben wir dee Koah benutzt. Koahre (auf plattdeutsch – E.K.) konnte man per Hand oder mit Pferden. Es war ein schmales Messer mit zwei Gurten (Trägern), das man umhängen konnte. Man schob es vor sich her und dadurch wurden die Wurzeln unter der Erde abgeschnitten.

Weiter unten im Dorf führte die Strasse nach Tschernigowka. Es war eine berüchtigte Richtung. Von da kamen die schwarzen PKWs (легковушки) um die Männer aus dem Dorf zu verhaften und abzutransportieren. Das ganze Dorf blieb nach und nach ohne Väter, Ehemänner und Brüder.

Meine Mutter Susanne Klassen (geb. Görtz) hat zusammen mit Anna Brandt in der Schule gearbeitet. Für ihre Tätigkeit bekam sie 30 Rubel im Monat, ausgezahlt bei der Post.
Meine Mutter und Anna waren für so einiges in der Schule zuständig. Außer zu putzen, mussten die beiden pünktlich für den Unterricht und die Pause mit der Glocke läuten, die Gartenpflanzen gießen und jäten, Bäume kalken, im Winter die Räume mit Kohle heizen ect.
Außerhalb des Hofes weiter im Dorf stand ein Pferdestall. Zwei Pferde waren dort untergebracht, sie hießen Сокол und Мальчик. Sie wurden für schulische Bedürfnisse eingesetzt. Mein Onkel Daniel Ediger arbeitete mit einem Herr Derksen zusammen als Hausmeister und beide waren auch für die Pferde zuständig.

Ich kann mich nur an drei Namen meiner Mitschüler erinnern: mein Cousin Jakob Ediger, Jakob Dickmann und Peter Friesen und im Internat Andrej Kliewer (gest. 2018)
Nikolaj Andreasowitsch Rahn war mein Grundschullehrer. Er war ein gebildeter Mann. Unsere Fächer waren: ukrainische Sprache, развитие речи, чтение, провописание, Gesang und Sport.
Im Winter ging Herr Rahn mit uns Schlitten fahren, im Sommer spielten wir draußen mit ihm öfters das russische Spiel Лапта. Während der Sommerferien fuhren die ältesten Klassen zum Asowschen Meer ins Pionierlager. In dieser Gegend gab es bulgarische Dörfer und in einem von den Dörfern waren wir in der Zeit untergebracht. Meine Mama musste als Mitarbeiterin auch mitfahren und da ich noch klein war durfte ich mitkommen und die Zeit dort genießen.
Im Gesangunterricht durften damals nur bestimmte Lieder gesungen werden, wie z.B.:

„По долинам и по взгориям,
Шла дивизия вперёд....“ oder

 „Если завтра война,
Если завтра в поход,
Будь сегодня к походу готов...“

Als der Krieg kam, wurde der Text etwas geändert:
„Если завтра война,
Как мы пели вчера,
А сегодня война наступила...“

Rahn unterrichtete auch bei den älteren Schülern und führte außerdem noch ein музыкальный Кружок Musikorchester. Im Club des Dorfes gaben diese zu bestimmten Anlässen mit dem Orchester manchmal ein Konzert. Ab und zu brachte man Spielfilme ins Dorf und die wurden in der Schule gezeigt. Später kam eine neue Lehrerin zu uns, ob sie allerdings bei uns nur zum Praktikum war oder auch richtig unterrichten sollte, ist mir nicht bekannt. Wir nannten sie Fräulein Lehn.
So ging es bis 1938. Dann wurde die deutsche Sprache in der Schule verboten. Als 1941 der Krieg ausbrach, hatte ich die zweite Klasse in russischer Sprache beendet. Damals kamen die russischen Truppen auf Pferdefuhren (Конные обозы) ins Dorf und haben sich in den Schulgebäuden einquartiert. Rudnerweide und Grossweide waren voll von Soldaten. Überall, im Garten oder im Stall, standen Kanonen, Pferde, Autos. Wir mussten uns eine neue Wohnung suchen. Keiner durfte mehr nach Rudnerweide. Der Weg war abgeschnitten. Weitere russische Truppen marschierten in Richtung Tschernigowka. Eine unendliche Kette aus Panzern, Autos und Kanonen rollte mit lautem Getöse mehrere Tage und Nächte durch das ganze Dorf.
Am 4. Oktober 1941 wurde das gesamte Dorf nach Kasachstan vertrieben. Man hat uns mit Pferdefuhren zum Bahnhof Neljgowka gebracht. Auch die Rudnerweider sollten an dem Tag ihre Heimat verlassen. Wir hatten gehofft, wenigstens unsere Verwandten aus Rudnerweide sehen zu können. Dann hieß es, es gäbe nicht genügend Fuhren. Unsere Wege trennten sich für viele Jahre. Wir sahen uns erst viel, viel später wieder, als Krieg schon beendet war. Ade meine Heimat, ade Grossweide, das Dorf, das für lange Zeit mein Zuhause war. Wir würden uns nie wiedersehen.
Nach wenigen Tagen marschierten die deutschen Truppen ins Dorf Rudnerweide. Die Bewohner wurden von den deutschen Truppen alle nach Deutschland deportiert und nach dem Krieg von den russischen Truppen wieder in die Sowjetunion gebracht. Jemand aus der Rudnerweider Verwandtschaft erzählte, dass, als wir schon vertrieben waren, er auf eigenes Risiko noch einmal nach Grossweide zurückkehrte um zu schauen wie es dort aussah. Das Dorf sah ziemlich verwüstet aus. Unsere schönen Bäume waren alle abgesägt.
Jetzt bin ich alt und schon seit Jahren fast blind, ich kann nur noch Konturen wahrnehmen, hell oder dunkel unterscheiden. Aber das Dorf ist mir immer noch so vertraut, dass ich jede Ecke und jeden Winkel immer genau vor Augen habe.

Mein Opa Jakob Klassen hat vier von fünf seiner Söhne überlebt und seine letzte Bleibe fand er in Kusakan, Kasachstan. Zwei seiner Söhne starben im Bürgerkrieg, einer von ihnen wurde in Feodossien, Krym begraben. Zwei Söhne wurden verhaftet und kamen nie wieder nach Hause. Eine Tochter starb im Alter von 20 Jahren am Thyfus. Die zweite Ehefrau meines Opas Aganetha starb drei Tage vor ihm und die beiden wurden in einem gemeinsamen Grab beigesetzt.

Daniel Ediger sollte verhaftet werden, es war während der Ferienzeit am Asowschen Meer. Da er nicht zu Hause war, kam die Nachricht, der berühmt berüchtigte Einberufungsbefehl (Повестка – E.K.) ins Ferienlager. Er fuhr nach Hause, packte seine Sachen und ging zu den GPU - Organ. Sich verstecken  oder verweigern war damals zwecklos. Er kam nie wieder zurück. Seine Frau ist in Kasachstan in einem Schneesturm erfroren. Sein Sohn Jakob Ediger arbeitet nach dem Krieg als Geologe. Er hatte eine Familie und war auch bei mir zu Besuch. Mittlerweile ist er schon verstorben.

Heinrich Penner und Herr Derksen wurden wie alle verhaftet und kamen nicht mehr nach Hause.
Anna Brandt wurde mit uns zusammen nach Kasachstan deportiert und zog später nach Kasachstan zu ihrer Mutter und Schwester.
Frieda Penner heiratete Isaak Löwen aus Rudnerweide. Er war ein Lehrer. Nach dem Krieg wohnten beide in Tscheljabinsk. Er arbeitete dort als Buchhalter auf ЧМЗ (Челябинский металлургический завод). Tante Frieda und Onkel Isaak Löwen würden noch zwei Söhne und später Enkelkinder bekommen. Ihre ewige Ruhe fanden sie im hohen Alter in Fergana, Usbekistan.
Lehrer Rahn und Fräulein Lehn heirateten und bekamen noch vor dem Krieg ihr erstes Kind. Meinen Wissens nach hat Herr Rahn die Kriegszeit überlebt und hatte noch eine Zeit lang mit Onkel Isaak und Frieda Löwen einen Briefwechsel gehabt.

Die beiden Brüder Wilhelm und Eugen Penner haben in Rudnerweide geheiratet. (Eugen starb am 04.11.1936, Wilhelm wird seit dem Krieg vermisst. Alexander kam in die Trudarmee und ist dort 1943 verstorben. E.K.)
Peter Friesen hatte noch zwei Brüder. Sein Schicksal ist mir unbekannt.
Jakob Dickmann kam ins Waisenhaus in Presnogorkowka, Kasachstan. Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

Meine Mama erkrankte an den Folgen von Kälte und Hunger. Sie starb am 14.03.1943 in Kusakan im kalten Kasachstan. Und ich? Wie das Leben manchmal so ist. Ich würde im Waisenhaus in Presnogorkowka, Kustanaj Gebiet, Kasachstan aufwachsen....

 

P66161. Skizze von Waisenhaushof in Grossweide. Gezeichnet von Jakob Klassen aus Rudnerweide.

 

 

* mehr dazu s. die Berichte aus „Men. Rundschau“

Bericht von Abram Harder aus Grossweide, Gründer des Grossweider Waisenhauses in der „Mennonitische Rundschau“ vom 23 September 1908, S. 9. und eine Bestätigung über die eingegangenen Spenden vom 13 März 1907, S. 8.

Bericht von Abram Harder aus Grossweide, Gründer des Grossweider Waisenhauses in der „Mennonitische Rundschau“ von 26 Juni 1907, S. 4-5.

Bericht von Abram Harder aus Grossweide in der „Mennonitische Rundschau“ vom 27. September 1922, S. 11-12.

Bericht von Abram Harder aus Grossweide in der „Mennonitische Rundschau“ vom 21. März 1923, S. 5-6.

Bericht von Abram Harder jun. aus Deutschland „Über das Schicksal des ehemaligen Großweider Waisenhauses“ in der „Mennonitische Rundschau“ von 19. November 1930, S. 5.

Biograpie von Abraham Harder, Gründer der Waisenanstalt in Grossweide, Molotschna.

Meldungen und Berichte über das Waisenhaus in Grossweide in der „Friedensstimme“ und ein Auszug darüber aus dem Buch „Geschichte der Alt-Evangelischen mennoniten Brüderschaft in Russland“, von Friesen P. M.

 

 

P66157.Waisenhaus der Evangelischen Zeltmission 1921 mit mennonitischem Personal. [45]; [48 S. 70]; [347]

   
P66158. Abram Harder und Frau. Hauseltern des Waisenhauses in Grossweide. [45]; [48 S. 94]
   
P66159. Waisenhaus in Grossweide. In der Mitte das Haus „Ebenezer“. [45]; [48 S. 94]
   
P66160. Bahnhof von Nelgowka. [45]; [48 S. 66]
   
   
Quellen:
45. Berichte, Fotos und Informationen von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.
 

48. Als ihre Zeit erfüllt war. 150 Jahre Bewahrung in Russland. Walter Quiring, Helen Bartel. Saskatoon, Saskatchewan. 1963.

347. Mennonite Archival Image Database (MAID).

   
Zuletzt geändert am 25 Februar, 2018