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Bericht von Abram Harder aus Grossweide in der „Mennonitische Rundschau“ vom 21. März 1923, S. 5-6

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 21. März 1923, S. 5-6. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Eingesandt von M.B.Fast, Reedleh, Cal.

Großweide, den 16. Dezember 1922.
An die Freunde der Großweider gew. Menn. Waisenanstalt in Amerika!
Ganz unerwartet kam vor einiger Zeit das Blatt der Rundschau, in welchem mein Bericht vom 10. Juli d.J. über die gnädige Durchhilfe im Waisenhause war, in meine Hand. Wunderbar hat Gott uns geholfen, die Amerikanischen Brüder sind Handlanger gewesen, und es wird Ihnen in alle Ewigkeit vergolten werden. Heute jedoch muß ich den lieben Freunden berichten, daß wir die Waisenanstalt haben verlassen müssen, weil die Regierung sie ganz übernommen hat. Unvergeßlich wird uns der 11 Dezember bleiben, an welchem Tage wir den Hof, wo wir über 16 Jahre Hauseltern gewesen, verlassen mußten. Die meisten Kinder sind von der mennonitischen Gesellschaft aus der Anstalt herausgeholt worden, so daß gegenwärtig von 69 noch 25 geblieben sind. Wir wohnen jetzt mit unsern eignen Kindern und 7 Waisenkindern, die wir aus der Anstalt mitnahmen, in der Wohnung beim Großweider Versammlungshause. Für die Schwestern, die mit uns in einer Arbeit standen, haben wir beim Nachbar eine Stube gepachtete, essen kommen sie zu uns, so daß wir doch noch 24 Seelen zu Tische sind. Hätten wir jetzt nicht noch Vorrat von den Paketen, welche uns von lieben Geschwistern und Freunden aus Amerika geschickt worden sind, würden wir uns gefragt haben, wovon wir jetzt wohl leben sollten. Aber Gott sei Dank, Er hat vorher gesorgt! Es würde für uns noch eine große Freude und Hilfe sein, wenn wir die Pakete, welche noch auf dem Wege sind, bekommen könnten. Aber weil der jetziger Vorsteher der Waisenanstalt einen amerikanischen Brief von Br. Ewert, mit der Nachricht von letzterem, daß er der Waisenanstalt 5 Pakete schickt, erbrochen hat, so werden der Brief und auch die Pakete für die Anstalt beansprucht, da der Brief die Adresse „Direktor A.H. Waisenhaus“ hat. Auch noch Karten von 3 anderen Paketen hat der Vorsteher der Waisenanstalt in Händen, so daß die Pakete auf der Adressen „Direktor, Vorsteher“ oder sonst eine Bennenung, die auf unsere gewesene Arbeit nihweist, u. „Waisenhaus“ steht. Für uns verloren sind. Da es unmöglich ist, jedem Spender der Pakete einen Dankbrief zu schreiben, so nenne ich hier die Namen der Personen, von denen wir Pakete erhielten, und denen ich nicht einen persönlichen Dankbrief geschrieben habe. Von Monat August bis jetzt haben wir erhalten: Von (?) Ediger 1 Paket, C.F.Klassen 4 P., von (?) 2 u. 2, J.Wiens 2, E.Hinz 1, Ungenannt 10 P., K.Klassen 1, D. Bergthold 1, A. Pankratz 1, E. Bradbeat 5, M. Thießen 1, F. Dirks 1, P.Siemens 1, M. Harder 1 paket, und 4 Pakete von Br. M.B.Fast, Reedleh, Calif. Wie sehr und viel wir für die große Liebe, die Ihr, liebe Geschwister und Freunde, uns durch die Zusendung der Lebensmittel erwiesen habt, Euch danken sollen, wissen und können wir nicht, doch das ist uns bewußt, daß Gott unser Vater im Himmel Euch eist einen großen Lohn dafür geben wird. Nicht nur sind durch Eure Liebestat Tränen getrocknet worden, sondern viel Dankestränen sind geflossen. Sollte Gott uns auch nach Amerika führen, würde mein Wunsch sein, jeden Spender zu treffen um ihm persönlich unsern innigsten Dank abzustatten. Bis dahin Gott befohlen!
Gruß mit Matth. 25, 40
Gewesener Hausvater der Waisenanstalt
Abr. Harder

 
Zuletzt geändert am 1 Juli, 2017