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Brief von Jakob und Sarah Mandtler aus Andrejewka, Turkestan in der "Mennonitische Rundschau" vom 7. Januar 1914

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 7. Januar 1914, Seite 14. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Asien.
Andrejewka, den dritten November 1913. Wünsche dem lieben Editor Gnade, Friede und Wohlergehen von Gott und unserm Herrn Jesum Chrustum.
Amen.
Da auch mir der Herr noch Gnade und Gesundheit gibt, will ich noch allen meinen Geschwistern und auch den Geschwistern meiner lieben Gattin etwas von unserm Befinden mitteilen aus der weiten Ferne.
So der Herr noch ferner Gnade gibt zu unserm Leben, so werden wir alle beide diese Woche 70 Jahre. Unsere Geburtstage sind vier Tage von einander. Wir haben viel zu rühmen von Gottes Gnade und Güte in Christo Jesu, die wir erfahren haben durch den Glauben, den wir haben, und freuen uns der seligen Hoffnung, der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll, Röm. 5,2. Wir rühmen uns auch des folgenden Verses; denn meine Frau muß jetzt schon wieder fast immer die Stube hüten wegen dem Husten und Asthma. Im Sommer hat es noch wieder sehr gut gegangen, aber seit unserm Erntedankfest am 5 Oktober hat sie manche Nacht viel im Bett gesessen wegen Husten und Atemnot. Ich bin noch ziemlich rüstig, so daß ich noch kann die Botschaft des Evangeliums in Schwachheit verkündigen.
Ich gehe zuerst zu unsern Geschwistern in Canada, nämlich Joseph Knelsens in Saskatchewan, von Rosental, Alte Kolonie hin gezogen. Schreibt einmal! Lebt ihr noch, oder nicht? Wir möchten einmal etwas von euch hören. Dann weiter gehe ich zu Gerhard Dücken, Wiesenfeld, P.O. Kronsgart, Manitoba. Was macht ihr alle, habt ihr uns ganz vergessen? Schreibt uns noch mal wieder, wir werden nicht mehr lange lesen. Seid alle gegrüßt von uns. Es ging mir heute so, daß ich die Nähe des Herrn besonders spürte, daß ich mit dem Dichter des Liedes No. 2 in den Frohen Botschaft singen konnte: „Ich bin so froh für den Trost, den Gott gibt“ usw.
Was machen all die „Asiater“? besonders die zuletzt hingezogenen, David Reimer, Cornelius Gooßen und der alte Cornelius Reimer? Ich habe gelesen, daß der Letztere noch lebt. Ihr und alle die sich meiner erinnern sind von mir gergüßt!
Dann gehe ich nach Deutschland zum Bruder meiner Frau Bernhard Dück, wohnhaft gewesen in Petershagen bei Tiegenhoff. Er ist ganz alt; wenn er noch lebt, zählt er schon die 82. Lebt er nicht, so lebt sein Sohn vielleicht noch. Sollte von ihnen keiner die Rundschau lesen, dann sind in ihrer Nähe vielleicht freundliche Leser, die ihm dies zu lesen überlassen. Danke im voraus.
Von meinen Geschwistern sind noch: Peter Kasper, dessen Frau meine Schwester ist, in Südrusßland, Molotschna, Alexandertal, Johann Mandtler, Terek No. 12 glaube ich, und dann noch auf der Pawlodarer Ansiedlung meine jüngste Schwester Maria Aron Reimer. Den Namen ihres Dorfes weiß ich nicht. Seid alle von uns allen gegrüßt.
Dann gehe ich zu meinem Onkel Cornelius Mandtler, Jekaterinoslawer Gouvernement, Bachmuter Kreis – wie das Gut, auf dem er wohnt, heißt, weiß ich nicht (vielleicht Petrowsk? Ed. (Editor – E.K.)) – südlich liegt Memrik und östlich Alexanderpol. Es liest auch dort jemand die Rundschau, der, falls er selbst sie nicht hält, gebeten ist, sie ihm zu lesen zu geben. Dank im voraus, auch die in Lindenau, Fischau und wo sonst noch solche wohnen mögen.
Werden wir uns alle bei Jesu in der seligen Ewigkeit mit allen im Glauben vollendeten wiedersehen? Wenn wir wie der geboren sind und im Glauben an Jesum leben und von ihm uns führen lassen, dann wird es geschehen. O Gott, gib uns allen diese Gnade!
Wir haben dieses Jahr eine schwache Ernte gehabt, die schwächste sein unsers Hierseins. Vier Monate haben wir keinen Regen gehabt und infolge der Trockenheit war das Wasser zum Bewässern sehr wenig.
Alle unsere Kinder, Schwiegerkinder in der Nähe sind alle gesund. Von den drei Großkindern in der Ferne wissen wir nicht; sie sind im europäischen Rußland.
Seit Mitte Oktober haben wir mehrere schöne Regen gehabt, so daß der Boden naß ist, und jetzt haben wir schon soviel Schnee bekommen, daß schon einige auf Schlitten fuhren. Jetzt wird es klar bei wenig Frost. Dann schmilzt die Sonne den Schnee wieder weg. Auf dem Gebirge ist schon sehr viel Schnee gefallen; sie sehen sehr weiß.
Der Gesundheitszustand ist im verflossenen Jahre mit wenigen Ausnahmen gut gewesen. Wir haben sehr gesundes Klima, weil wir so hoch über dem Meeresspiegel liegen. Alle Freunde und Geschwister grüßend,
Jakob und Sarah Mandtler.

 
Zuletzt geändert am 6 April, 2017