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Brief von Katharina P. Wall aus Andrejewka, Turkestan in der "Mennonitische Rundschau" vom 25. Oktober 1911

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 25. Oktober 1911, Seite 18. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Andrejewka, Turkestan, den 22. August 1911.

Einen herzlichen Gruß dem Editor und den Lesern der Rundschau! Da die Rundschau fast überall unter unsern Deutschen gelesen wird, wollte ich den Editor bitten, dies mein Schreiben auch in die Rundschau aufzunehmen.
Wir sind, Gott sei Dank, wieder ziemlich gesund. Das Dreschen ist nun bald wieder beendigt.
Tante und Onkel Kornelius Gooßen! Dies soll Ihnen zur Nachricht dienen. Was schaffen Sie denn immer. Ich hoffte immer, es würde auch einmal etwas von Ihnen in der Rundschau zu lesen sein, aber ich warte vergebens. Ich wünsche Ihnen die schöne Gesundheit an Leib und Seele.
Noch etwas an Gerhard Wieben, meinen Großonkel und –tante, sowie an alle Freunde, wo immer sie sein mögen. Sie werden vielleicht nicht wissen, wer ich bin: Ich bin Peter Wallen Tochter. Meine Mama ist eine Tochter von Kornelius Gooßen.
Jetzt will ich berichten, daß sich hier viele zum Heiland bekehren. Es haben sich schon 26 Seelen taufen lassen, unter die ich mich auch nennen darf. Es sind aber noch mehr, die der Taufe  bedürfen. Nun, lieber Großonkel und-Tante, sind Sie noch schön gesund? Ist es dort in Sibirien nicht kalt? Hier ist es immer windig und neblich. Ihr Lieben, laßt alle von euch hören, wenn auch durch die Rundschau, und seid herzlich von und allen gegrüßt.

Jesus hat uns aufgewecket
Aus dem tiefen Sündenschlaf,
Hat sich nach uns ausgestrecket;
Treu gesucht sein irrend Schaf.

Als wir so in Sünden lebten,
Nimmer achtend der Gefahr,
Als in Feindes Macht wir schwebten,
Der von Anfang Lügner war.

Hat der Herr, den wir betrübet,
Und den Rücken zugekehrt,
Uns gezeigt, wie er uns liebet,
Und hat uns zu Gott bekehrt.

Jesus ist der gute Hirte,
Unser Bruder, unser Freund,
Ewig wird er einst bewirten,
Die sich hier mit ihm vereint.
Droben, wo im Himmelssaale
Sanfte Friedenslüfte wehn,
Werden wir bei ihm einst alle
Uns verkläret wiedersehn.

Dort auf Kanaans grünen Fluren,
An des Lebensstromes Strand
Folgen selig wir den Spuren
Unsers Hirten Hand in hand.

Kath.P-Wall.
   
Zuletzt geändert am 9 Februar, 2017