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Brief von Anna u. H. Mandtler aus Gnadenfeld, Turkestan in der "Mennonitische Rundschau" vom 24. Januar 1912

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 24. Januar 1912, Seite 16. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Gnadenfeld, Turkestan, den 27. November 1911.
Werter Editor! Den Gruß des Friedens zuvor! Ich wollte sonst schon nicht mehr kommen, aber ich bitte dich, noch einmal ein paar Zeilen in der mir sehr werten Rundschau aufzunehmen.  (Sehr gern. Editor)
Ich will euch, lieben Freunde, versuchen aufzurütteln und bitte um ein Lebenszeichen. Gesund sind wir gegenwärtig so leidlich, was ich auch einem jeden wünsche. Es ist hier jetzt kalt und wir haben Schnee zum Schlittenfahren. Die Blumen blühen an den Fensterscheiben.
Ich wollte mich sonst nicht mehr mühen um Nachricht von den Freunden; aber es mahnt mich immer; am Ende läßt sich doch noch jemand hören. Ich würde mich herzlich freuen, meine Freunde! Aber es hat sich bis jetzt noch niemand gefunden als du, lieber Vetteronkel Abraham Hamm (so, wie du dich meldest.) Zwar ist es mir nicht deutlich, denn nach meiner Meinung war dein Vater mein Vetteronkel; doch lasse ich es auch gerne gelten, freue mich nur sehr, daß du noch die Liebe zu mir hast. Ich wünsche dir viel Glück im Irdischen und noch mehr Segen in himmlischen Gütern. Liebe Onkel, sei doch so gut und grüße meine Onkel Bernhard Hamm, der wohl nicht mehr die völlige Liebe hat, auch seine Kinder, wenn`s geht. Können Sie, lieber Onkel Bernhard, nicht einmal ihre Liebe aufs  Papier bringen? Bist du, lieber Vetteronkel, in deiner Mutter Füßstapfen? Wohl dir, dann gibt’s ein Wiedershen! „Dort droben im Himmel, dort haben wirs gut!“
Jetzt wende ich mich noch an dich, lieber Kousin, Peter Vogt! Du bist wohl zu kurzsichtig gewesen, als du meinen Aufsatz in No. 18 gelesen hast? Ich bin Anna, geborene Hamm. Zwar bist du mir unbekannt, aber das macht vielleicht, weil du älter bist als ich. Wenn ich bis zum kommenden Mai lebe, zähle ich 53 Jahre. Als ich bei deinen Eltern in Großweide zugaste war, habe ich nur deine zwei jüngsten Brüder gesehen, auch einmal Maria, die war aber schon „Tante.“  Kannst du, lieber Kousin, Peter, mir Aufschluß geben über Dietrich Nickels Sara? Deine Mutter u. meine Mutter und Tante Nickel waren Schwestern. Bitte, wenn du weißt, wo sie sich aufhalten, mir entweder durch Briefe oder durch die Rundschau solches zu berichten! Wer kann mir behilflich sein und meine Schwester Susanna Pankratz, geb. Hamm aufsuchen. Für solche Auskunft würde ich sehr dankbar sein und würde mich sehr freuen. Ob sie noch lebt oder bereits gestorben ist? Sie zog mit ihren Pflegeeltern von der Krim nach Amerika als ich 17 Jahre alt war. Wenn ich nicht irre, zogen sie nach Nord-Dakota.
Bitte, ihr lieben Freunde, laßt euch finden, wenn nicht von mir, so doch von unserem Jesus, der uns alle selig machen will und uns zusammen bringen wird zu einer Herde, wo er dann der alleinige Hirte sein wird. Ich freue mich auf jene Zeit, wo das bestäubte Wanderkleid, an das man hier gewöhnt ist, ins Grab sinkt, wo Jesu durchbohrte Hand uns segnet und krönt.
Jetzt komme ich noch zu dir, Neffe Jakob Hamm, in Kansas. Bitte, schreibe mir doch, wie es dir geht! Wie war dir zumute, als du das Telegramm erhieltest, daß Papa, mein lieber Bruder, tot war? Freue dich mit mir, denn es gibt ein Wiedersehen!

„O, laßt den Mut nicht sinken,
Denn Jesus ist euch Freund,
Folge fröhlich seinem Banner,
Bis fliehen muß der Feind!“

Grüße auch David Reimers von uns, wenn du mit ihnen zusammen kommst.
Jetzt eile ich noch zu meinem Cousin Heinrich Teichrieb, 2637 East, Third Str, Los Angeles, Calif. Wie geht es euch? Bist du gesund, lieber Bruder in Christo? Lasse es uns wissen!  Hast du, lieber Heinrich deine Schwester Maria gefunden durch dieses werte Blatt? Sei herzlich gegrüßt von uns samt Frau und Kindern! Auf solche Art dachte ich meine Schwester Susanna zu finden; denn sie wurde durch die Rundschau nach dem Tode des Vaters gesucht, ihr Erbteil in Empfang zu nehmen. Sie wird wahrscheinlich brieflich gemeldet haben, und so war mein Suchen vergebens. Meine Schwester Lieschen wohnt in Barnaul. Ihr Mann, Schwager Tjahrt hat eine Dampfmühle gebaut. Ob sie schon ferig ist, weiß ich nicht, denn die schreiben gar nicht. Ich denke, im Sommer haben sie nicht Zeit und jetzt ist ihnen die Tinte eingefroren. Dann ist da unsere Halbschwester Gretchen und Mariechen. Bruder Bernhard weiß ich nicht, wo er ist. Sollte euch dieses wo antreffen, so seid ihr alle herzlich gegrüßt, auch du, Jakob Hammen Peter, Rosenwald, Wol. Orlow, früher Rückenau.
Noch einen Gruß an alle, die sich meiner erinnern, auch an Martin B. Fast, als Schulbruder. Auf Wiedersehen beim Heiland.

Anna u. H. Mandtler.

   
Zuletzt geändert am 27 Januar, 2017