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Brief von Abram Koop aus Nikolaipol, Asien in der "Mennonitische Rundschau" Nr. 41 vom 14. Oktober 1885

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" Nr. 41 vom 14. Oktober 1885, Seite 1. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Asien.

Nikolaipol, 11 August 1885.
Lieber Editor! Wünsche dir Gottes Segen zuvor auf allen deinen Wegen, aich in dem Geschäft. Weil sich hier aus Asien so wenig hören läßt, so vertraue ich dem Papier einige kleine Berichte an.
Hier erbebte in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli die Erde, so daß Menschen und auch Vieh etwa um 2 ½ Uhr Morgens erwachten. Mir war es ganz klar, was es wäre. Einihe haben`s aber nicht gewußt, denn es gab ein Getöse, als wenn ein großer Sturm tobte und doch war es windstill. Bei uns hat es keinen Schaden gemacht, aber bei den von unserer Stadt etwa 200 Werst östlich entfernten Russen sind die Häuser ziemlich alle zerbrochen und auch einige Personen um`s Leben gekommen. Ich kann nur von zwei Dörfern berichten wie viele Todte es da gab, in einem sind 17 Personen todt und 15 verwundet, im andern 60 todt und auch etliche verwundet. Auch soll sich die Erde versetzt haben, wo es gerade gewesen ist, sind Berge entstanden. Am folgenden Tage ist die Post hier nicht gefahren. Eine ernste Zeit für Jedermann: „Ich komme bald zu geben einem Jeglichen, wie seine Werke werden.“
Von Krankheiten weiß ich nichts außer Peter Wiebe, fr. Wernersdorf, der im April von Schlage getroffen wurde, war ganz sprachlos, kann jetzt aber wieder sprechen, muß jedoch noch immer das Bett hüten der Lähmung halber an der rechten Seite.
Die Heuernte ist nicht sehr gut ausgefallen; es gab nur halb so viel wie voriges Jahr. Das Getreide steht ganz gut, Brod kann es wieder geben. Es ist nur billig, hier in unserer Stadt kostet ge...lindertes (unleserlich – E.K.) Mehl 60 Kop. @ Pud. Die Ersten Kartoffeln 2 Rbl. @ Pud, jetzt 25 Kop. @ Pud.
Kann noch berichten, daß der Sohn des Heinrich Janzen, Heinrich, sich mit der Tochter Cornelius Reimer, Katharina, verehelicht hat.
Ich kann ferner berichten, daß wir Besuch hatten von Taschkent, nämlich beide Gouverneure. Es hat ihnen hier gefallen. Der Kriegsgouverneur blieb bei uns über Nacht und hat sich nach mancherlei erkundigt. Der Generalgouverneur kam den 2. Juli, war blos zu Mittag, mußten ihn nach den Russen fahren. Er frug was wir wünschten und es wurde geantwortet, daß wir gerne vom Dienst frei sein möchten, worauf er frug ob die Jünglinge nicht zu hause wären. Ueberhaupt wurde wenig davon gesprochen. Nach dem Tobias, der zurück bleiben mußte, war keine Frage.
Muß noch bemerken, daß der Holländer Zuchtstier dem Jakob Kröker und Johann Martens jedem eine Stute aufgerissen hat, welches ein bedeutender Schaden ist, weil die Stuten knapp sind, die aus der alten heimath mitgebracht wurden. Ich grüße noch die frisch Eingewanderten aus Asien.
Abr. Koop.

   
Zuletzt geändert am 18 Dezember, 2016