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Ein zusammengefaster Bericht von der Redaktion mit Briefauszügen über notleidenden Mennoniten in Asien (Aulie-Ata und Chiwa) und Spendenaufrufen in der "Mennonitische Rundschau" Nr. 17 vom 23. April 1884

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" Nr. 17 vom 23. April 1884, Seiten 1-3. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Gott sei Dank, daß unter sämmtlichen Mennoniten in Amerika energische Schritte gethan werden, womöglich sämmtliche Mennoniten aus Asien herüberzubringen. Wer hilft bei diesem Werke? – Reichliche und geringe Gaben befördert herzlich gern der Editor, J.F.Harms, Hillsboro, Kansas.

Nothstände in Asien.
Über das Ergehen unsrer nach Asien hin ausgewanderten Glaubensgenossen sind die Leser dieses Blattes von Zeit zur Zeit unterrichtet worden, das wird vielleicht nur wenige derselben befremden oder überraschen, von solchen Nothständen in Asien zu hören, die einer Abhülfe (Abhilfe – E.K.) in noch anderer Weise, wie bisher geschenen, dringend bedürfen. Ueber die Abhülfe wird an einem anderen Orte eingehender gesprochen, hier soll nur durch einige für sich selbst sprechenden Bruchstücke aus Briefen auf die Nothstände selbst hingewiesen werden, woraus sich der geneigte Leser die dringliche Nothwendigkeit schneller Hülfe selbst folgern kann.
Von Aulieata wird geschrieben: „Die Armuth hat hier so überhand genommen, daß wir fast nicht aus noch ein wissen, dazu sind wir schon an die Krone (Regierung) verschuldet so bei 150 Rubel ($ 75.00 auf die Familie?) Seit der Zeit, als wir einst des Glaubens wegen die schwere Reise nach Asien antraten, haben wir schon mehr Noth und Elend erfahren, als die Feder beschreiben kann, noch der Mund aussprechen kann. Schon auf der Reise durch die Don- und Kalmückengegenden hatten wir vieles zu ertragen. Viele der Unsern starben auf dem Wege. In Taschkent haben wir zwei Jahre geweilt, wo Manche durch Klima-Krankheiten hingerafft wurden. Als wir bei Aulieata auf dem Lande angekommen, brachen die Pocken aus und grassirten (blieben – E.K.) ein halbes Jahr. Wir waren so weit, daß wir unsre Blöße nicht mehr decken konnten, doch haben wir für die durch Euch gesandten Gaben ein wenig Kleider und auch Brod gekauft. Eine große Beschwerde ist auch das Bewässern des Landes hier, denn wir haben hier nicht genügend (fließendes) Wasser dazu und Brunnen zu machen ist unmöglich wegen der Tiefe. Den Winter müssen wir Schnee und Eis schmelzen und diesen Winter hatten wir auch nur wenig Schnee. Wir sind so weit gekommenin unsern Bedrängnissen, daß wir zu Gott und Menschen schreien müssen um Erbarmung.“

In Chiwa steht es noch ebenso traurig aus. Von dort wird berichtet: „Den in meinem letzten Briefe gemeldeten Diebstählen, deren noch mehrere vorgekommen sind, so daß im Ganzen 46 Pferde und 20 Kühe gestohlen worden, sind freche Einbrüche und Räubereien gefolgt, wobei die Räuber sowohl von den Schutzwaffen als von dem Gäbel Gebrauch machten. Dem Herrn sei Lob und Dank, daß es keine Menschenleben gekostet, aber Verwundungen mehr oder weniger gefährlich, sind vorgekommen. Zwei Brüder haben Gäbeldiebe über den Kopf bekommen, so, daß dem einen das eine Ohr fast abgehauen ist. Ach es waren schreckliche Nächte.“ Bei einer Frau fanden die Räuber eine kleine Geldsumme. Dadurch nur noch raubgieriger gemacht, werden die Einbrüche immer frecher. So vertrieben sie auf einer Stelle die Bewohner des Hauses, machten sich Feuer im Hause, indem sie Tische, Stühle u.s.w. verbrannten und befahlen den das Haus einstehenden Bewohnern, sich zu entfernen, und als diesem Befehle nicht sofort nachgekommen wurde, hieben, die Räuber mit ihren Gäbeln drein. Von einer Familie wird berichtet, daß sie unter schweren Ahnungen sich eben in ernster Abendandacht dem Schutze Gottes besohlen, und sich zu Bette begeben, als sie bald darauf gewuchtige Axtschläge an die Thüre vernahmen. „Jetzt sind die da“ flüstete man sich zu, weckte alle Familienglieder wieder auf und vereinigte sich zu brünstigem Flehen zu Gott, während die Räuber die Thüre zu sprengen suchten. Die Thüre schien indessen nicht schnell genug nachgeben zu wollen, und die Räuber zogen unverrichteter Sache weiter.
Manche solcher Scenen könnten noch angeführt werden, aber genug für dies Mal, denn schon aus dem Gemeldeten geht zur Genüge hervor, daß den sozusagen unter die Mörder Gefallenen die Hülfe noth thut, nach welcher sie so sehnlicht verlangen, nämlich durch Auswanderung nach Amerika diesen Nothständen entgehen zu können.

Lieber Leser, wie viel giebst du, damit die Mennoniten aus Asien aus ihrem Elende kommen? Giebst einen Dollar? Oder auch nur fünfzig Cents? Auch noch weniger nimmt mit Dank entgegen und befördert es. – J.F.Harms, Hillsboro, Kansas.

Hilferufe aus Asien.
Derselben sind schon viele ergangen von unsern dorthin ausgewanderten Glaubensgenossen, meistens waren es aber nur Privatgesuche und wenn es Gemeindegesuche waren, so waren sie doch nur um Hülfe für die Ansiedlung dort in Asien. Nunmehr aber kommen Rufe um Hülfe zur Uebersiedlung nach Amerika und theilen wir solche im Auszuge aus Briefen mit.

Von Aulieata wird geschrieben: „Wir sehen es ein, daß wir zu weit ins Morgenland gegangen sind – so sind mehre Familien schon auf den Gedanken gekommen unsre Flucht zu nehmen nach Amerika, und wir bitten Euch um Euren Rath, ob solches könnte möglich gemacht werden. Wir stehen jetzt wieder zwischen Furcht und Hoffen, denn es ist uns wieder von der Obrihkeit kund gethan, wann wir nicht (die Wehrpflicht?) annehmen, so inst unsers Bleibens hier nicht. Für Häuser und Wirthschaftssachen ist wohl nicht zu denken, daß wir auch nur einen Kopeken bekommen werden, wiewohl wir ziemlich aufgebaut haben, weil wir glaubten wir werden jetzt Ruhe bekommen. Viele sind auch gesonnen zu bleiben, selbst wenn es in den Kerker geht, aber wir sind sechs Familien an der Zahl die sich einig geworden sind, auszuwandern, wenn solches möglich gemacht werden kann. Doch es fehlt uns an Mitteln, darum bitten wir alle Brüder in Christo „Ihr wollet doch thun, soviel Euch Gott Kraft und Freudigkeit schenken wird.“ Wir sind gestern den 22. Januar zusammen gewesen und haben unter Gebet und Flehen über unser Auswanderung berathen. Wir müssen von Aulieata ab Harbaen (zweirädrige Karren) (Arba – E.K.) dingen von Stadt zu Stadt.Ein Kaufmann hat diese Fahrlinie unter sich bis Orenburg und kostet ein Harba auf dieser Strecke 100 Rubel. Von Orenburg bis Samara geht’s schon per Bahn. Von da müssen wir nach Berdjansk unsre Auswanderungspässe zu nehmen. Wir bitten alle einstimmig, uns mit dem nöthigen Reisegeld zu Hülfe zu kommen.“Von Chiwa schreibt man: „Seit meinem letzten Briefe nach Amerika hat sich unsre Lage noch viel ernster gestaltet. Zwar ist uns jetzt Wache hergeschickt worden, doch kann man bei der vollständigen Machtlosigkeit der hiesigen Regierung, zumal es ihr auch noch wohl an dem rechten Willen fehlt, und sie nur thut, was sie Rußlands halber thunmuß, kein Vertrauen in die hiesigen Zustände setzen. Doch die ernste Frage ist, was wir thun sollen. Eine Zeitlang hatten wir die Absicht, auf die russische Seite zu gehen, um da als chiwaische Unterthanen zu leben. Wir zogen deshalb Erkundigung darüber ein, die Beamten wollten es gerne, aber ihr Wort konnten sie nicht geben aus dem einfachen Grunde, weil das Militärgesetz dem entgegen steht. Wir sind nun, d.h. zunächst einige Familien, zu dem Entschluß gekommen nach Amerika auszuwandern und haben vorgestern (28. Januar) unsre Absicht vor der Gemeinde ausgesprochen. Aber unsre Geldmittel sind fast alle erschöpft, und da möchten wir, aufgemuntert durch manche Eurer frühern Briefe, Euch um Eure Hülfe bitten. Wir wissen es wohl, was für Anforderung wir damit an Euch stellen, und doch ist dieses, außer dem kindlich gläubigen Gebet zu dem Herrn, der da reich ist über Alle die ihn anrufen, der einzige Weg, der uns übrig bleibt. Macht der Herr nicht die Herzen der Lieben in Amerika willig zum Geben, so wäre uns die Möglichkeit von hier weg zukommen, obgleich ja des Herrn Hand auch sonst stark genug ist zu helfen, fast abgeschnitten. Was die Reise nur annährend kosten würde, können wir ja nicht berechnen. Von hier bis zur nächsten Eisenbahnstation Orenburg, ca. 1300 Werst (über 800 Meilen) dürfte die Person vielleicht 30 Rubel kosten, von dort bis zur preußischen Grenze wohl etwas mehr; von da nach Amerika wißt Ihr l. (lieben – E.K.) Brüder, besser als wir. Es giebt das eine große Summe und wir würden nicht wagen, Euch um Hülfe zu bitten, wenn wir andern Rath wüßten. Unsre Bitte wäre nun die, ob Ihr es möglich machen könnt, daß vielleicht 20-30 Familien dorthin kommen könnten. Wir möchten so gerne recht bald von hier weg, da das längere Bleiben hier leicht schwere Folgen nach sich stehen könnte.“
In einem andern Briefe von Chiwa heißt es: „Wir wollen gerne die niedrigsten Plätze, Eisenbahn 4. Klasse, und Zwischendeck auf den Schiffen benutzen, wenn uns nur geholfen wird.“
Obige Hilferufe sprechen für sich selbst und wir wünschen nur, daß sie allenthalben bei den Lesern geneigtes Gehör und willige Herzen und Hände zum Helfen finden möchten.

Fühlst du ein Mitleiden mit den Brüdern in Asien? Sicherlich! Wohlan, dann gieb, ja gieb etwas! Gieb gleich! Gieb nach Vermögen! Gieb willig! Adresse: J.F.Harms, Hillsboro, Kansas.

Auszug aus einem Briefe.
Einem Briefe aus Aulieata an Peter Becker, Dakota, entnehmen wir noch das Folgende:...Geliebten Brüder, es liegt uns schwer am Herzen, wieder an Euch zu schreiben und noch einen Dank abzustatten für Eure Liebe und Treue, die Ihr an uns erwiesen habt. „Wohl dem. Der sich des Dürftigen annimmt, den wird der Herr erretten zur bösen Zeit.“ ...Wir sind hier hergewandert, als Freie, aber jetzt hat es den Anschein, daß es nicht sein kann, auch wohl nicht werden wird. Es wird so fein angelegt und wenig scheinen die kleinen Dienste, die wir leisten sollen, aber wir können doch damit gefangen werden, daß wir ganz unter das Gesetzt der Wehrpflicht gerathen. Nun kommen wir, ich und Schwager Eck als Eure Mitbrüder in Christo zu Euch um Rath fragend, und bitten Euch, nehmt die Sache doch in die Hand und prüft, was für uns am besten ist. Wir haben wenig Zeit und müssen uns bald entschließen, annehmen oder das Land räumen. Wie es den Anschein hat, wird es doch wohl wieder eine Trennung geben. Der Oberschulz, Jakob Janzen und der Dorfsvorsteher sind neulich zwei Tage verreist gewesen und haben noch eine Bittschrift eingereicht an die hohe Behörde. Der Dorfsvorsteher sagte selbst zu mir: „Wer gesonnen ist, nach Amerika auszuwandern, der kann schon anfangen, darum zu wirken.“ Doch was können wir thun? Wir sind wie die Gefangenen Zions, wenn wir nich Hülfe aus Eurem Lande erhalten. Aus Jakob Schmidts Brief haben wir nun erfahren, daß bei Euch noch Rath sein soll für die Familien, die aus Tobias Unruhs Gemeinde aus Karolswalde sind. Von denen sind wir hier vier Familien, nämlich meine Familie, Peter Ecken, David Schmitten, und Andreas Bullers. Vier Familien von Karolswalde sind in Chiwa: Bernd Beckers, Benjamin Dirksen, Peter Unruhs und Cornelius Unruhs. Diesen lieben Geschwistern geht es noch viel schlimmer als uns, wie aus einem Briefe von Cornelius Unruh zu ersehen ist. Ich glaube, es wäre gut, wenn der Brief veröffentlicht würde, schicke ihn daher mit...

David Schulz.

 

Brief vom 19.Dez. 1883, aus Chiwa von Cornelius Unruh an seine Geschwister in Aulieata.
Liebe Geschwister.......Wir sind mit unsern Kindern so ziemlich gesund und wünschen Euch von Herzen ein gleiches.......Geerntet haben wir dieses Jahr nichts und ob wir künftiges Jahr säen oder ernten werden, das ist nur Gott bewußt. Den Anschein hat es, als ob es ganz aus mit uns ist, denn wir werden von den hiesigen Bewohnern beraubt und ausgeplündert. Aus unserm Dorfe sind schon 37 Pferde und 15 Kühe gestohlen und darunter sind auch unser Pferd und Kuh. Es geht fast keine Nacht dahin, daß die Diebe nicht das Dorf durchschleichen und nehmen, was sie nur kriegen können. Vom 16. auf den 17. Dezember haben wir eine grauenvolle Nacht durchlebt. Was für ein Geschrei und Gewinsel, und welch ein Schießen da zu hören war, will ich Euch nicht genau beschreiben; es hülfe ja auch nichts, Gott sei nur Lob und Dank, daß es kein Menschenleben gekostet hat. Wir wissen, daß dies eine Prüfung für uns ist, und Gott will sehen, wie wir uns darin erhalten. Man möchte wohl auch zur Gegenwehr greifen und sich vertheidigen, doch weil wir wissen, daß es vom Herrn kommt, so müssen wir dieses Uebel über uns ergehen lassen; wir hoffen aber gewiß, daß der Herr uns erretten wird.......In einem andern Dorfe, ungefähr zwei Werst von hier, wohnen zehn Familien, die haben sich mit einer Mauer umgeben. In unserem Dorfe wohnen 45 Familien. Aus unserer Gemeinde will ich sonst nichts anmerken, als daß es traurig steht: Jakob Stärkel, Dietrich Ott und Gerhard Dück, die haben sich im Flüsse getauft und sind von uns nach Petro Alexandrowsk gezogen.......
Verbleiben Eure Geschwister
C.U.

Protokoll der Versammlung zur Ünterstützung hilfsbedürftiger Einwanderer aus Asien.

Am 4. April 1884 versammelten sich in dem Hause des Br. Regier in Newton, Kann., auf Anregung des Br. Pet.Claassen eien Anzahl solcher Brüder, an welche briefliche Hilferufe aus Asien, resp. Aulieata und Chiwa ergangen waren, zur Berathung über Mittel und Wege, wie den hilfesuchenden Brüdern am schnellsten und vortheillhaftesten ihr sehnlicher Wunsch erfüllt werden kann, den Nothständen in Asien die in verschiedenen Briefen in ergreifender Weise geschildert, zu entfliehen und in Amerika ein Bergendes Asyl zu suchen.
Die Versammlung organisierte sich, indem Br. Chr.Krehbiel zum Vorsitzer, und D.Goerz zum Sekretär erwählt wurden.
1. Bruder Pet.Claassen legte Briefe und Depeschen von den Brüdern aus Nebraska vor, aus denen die Versammlung mit Freuden vernimmt, daß die Brüder in Nebraska mit denen in Kansas zusammen am Werke der Hilfeleistung arbeiten wollen.
2. Da aber die Dringlichkeit der Bitten aus Asien ein sofortiges Handeln nothwendig macht, so wählt die Versammlung ein Komitee von sieben Brüdern in folgender Zusammenstellung: Den Präsidenten und Sekretär des früher unter dem Namen „Board of Guardians“ bekannten Hilfskommittees Chr.Krehbiel und D.Goerz zum Geschäftsausschuß in Verbindung mit B.Regier von Newton als Präsident und Abr. Sudermann als Schatzmeister und H.Richert von Neu-Alexanderwohl, Wm.Ewert (Wilhelm? – E.K.) von Bruderthal und D. Gaeddert von Hoffnungsau als Mitglieder des Kommittees.
3. Eine Abschrift dieser Beschlüsse soll den Brüdern in Nebraska zugestellt werden mit dem Wunsche, daß auch dort möchte ein Komitee gewählt werden, mit dem sich das Kansaskommittee in Verbindung setzen kann.
4. Den abwesenden Kommitteegliedern D. Gaeddert, H. Richert und Wm. Ewert soll ebenfalls je eine Abschrift dieser Beschlüsse zugestellt und außersdem die Beschlüsse auch in Bundesboten, Herold der Wahrheit, Menn.Rundschau und Evangeliums Pannier veröffentlicht werden.
5. Ein Aufruf an Alle zur Begeisterung für die Unterstützung der asiatischen Emigranten soll ebenfalls in genannten Blättern erscheinen.
6. D.Goerz berichtete der Versammlung, daß er bereits Anfragen bei den verschiedenen Dampfschifffahrtsgesellschaften um Special-Raten für die Emigranten gemacht und wurde er beanfragt, die angeknüpften Unterhandlungen fortzusetzen.
7. Als Grundlage solcher Unterhandlungen macht die heutuge Versammlung sich für eine vorläufige Anzahlung von $ 1,000  verbindlich, bis eine genügende Unterstützungssumme die etwa
8-10,000 Dollars betragen sollte, collektiert oder doch gesichert ist.
8.  Versammlung ersucht Br. Pet. Claassen, mit diesen Beschlüssen nach Nebraska zu reisen, mit den dortigen Brüdern Rücksprache zu nehmen und das Resultat der dortigen Besprechungen uns wieder zu bringen.
9. Beschlossen den zwanzig Familien in Chiwa zu telegraphiren und den sechs Familien bei Aulieata zu schreiben, daß zu ihrer Hilfe hier Anstrengungen gemacht werden.
10. Die Brüder B.Regier und Abr.Sudermann sind gebeten, die Brüder in Preußen brieflich um ihre Mithilfe in der Unterstützungssache zu ersuchen.
11. Unterstützungsgelder sollen schenkungsweise oder auch vorschußweise, wie die Geber bestimmen mögen, angenommen und verwendet werden, leztere jedoch nicht anders, als auf mindestens drei Jahre und ohne Interessen.
12. Das Komitee soll unter dem Namen „American Mennonite Aid Committee“ geschäftliche Transaktionen thun.
13. Beschlossen zu vertagen bis Br. Pet.Claassen von Nebr. Zurückkehrt und die Versammlung wieder zusammenruft.
Chr.Krehbiel, Vorsitzer.
D.Goerz, Schreiber.

Die Mennoniten in Asien müssen herübergebracht werden! Es kann geschehen!! Es wird geschehen!!! Thu auch etwas dazu l. (lieber – E.K.) Leser.
J.F.H.
Ein Aufruf an Alle –
Zur Unterstützung hilfsbedürftiger Mennoniten in Asien, die gerne nach Amerika auswandern möchten.

Manch Tausend Dollars ist schon von Amerika nach Asien zur Mithilfe dortiger Mennoniten bei ihrer schwierigen Ansiedlung daselbst gesandt worden, dafür haben wir viele Zeugnisse, welche zur Fortsetzung dieser Unterstützung aufmuntern. Indessen stellt sich jetzt immer mehr heraus, daß diese eine Art der Mithilfe allein nicht hinreichend und nicht durchgreifend genig ist, und schon mancher Geber hat bei der Absendung seiner Gabe nach Asien sich dahin ausgesprochen: Wie viel nachhaltiger und weitreichender könnten unsre Gaben den Brüdern in Asien zu statten kommen, wenn die dort hingesandten Gelder gebraucht würden, die Reise der Brüder nach Amerika zu bezahlen. Hier in unsrer Nähe und Mitte würden die jetzt hilfebedürftigen Brüder ja bald so hergestellt sein, daß sie keine Unterstützung mehr nöthig haben würden. Doch solche Bemerkungen wurden nur im Stillen gemacht, denn wohl keiner der Geber wollte durch seine Gabe für Amerika agitieren, und das soll auch durch diese Zeilen durchaus nicht geschehen.
Die Ueberzeugung und Glaubensanschauung derjenigen Brüder, die nun einmal daran festhalten, daß in Asien der Sammelplatz der Brautgemeinde sei, soll nicht dadurch angefochten werden, daß die jenen Brüdern so nöthige Unterstützung ihnen entzogen, oder auch nur geschmälert wird. Aber wenn auch ohne Zuthun von dieser Seite unter den Brüdern in Asien sich solche finden, die es einsehen, daß sie zu weit nach dem Osten gegangen, und die dem Raube ihrer Habe, Mord u.Todschlag seitens der sie umgebenden heidnischen Völker entfliehen möchten, und zu diesem Zwecke sich nach Amerika wenden, mit dem Rufe: „Helfet uns, daß wir dem Elend hier entgehen und zu Euch nach Amerika kommen können“ – dann öffnet sich uns hier ein zweiter Weg der Hilfeleistung, den wir ebenso wenig unbeachtet lassen dürfen, als den erstern (oben angedeuteten) und es gilt hier: Das Eine zu thun und das Andere nicht zu lassen.
Es ergehet daher hiemit die Bitte und Aufforderung an Alle, welche den „Hilferufen aus Asien“ in einer andern Selle (Stelle? – E.K.) dieses Blattes freundlich Gehör schenken, und welche aus den kurzen Beschreibungen der „Nothstände in Asien“ (in einer andern Spalte) die Nothwendigkeit der erbetenen Hilfe erkennen, sowie mit der weiter unten angedeuteten Art und Weise der Hilfeleistung einverstanden sind: sendet Eute Gaben zur Unterstützung für die Reisehilfsbedürftiger Brüder von Asien nach Amerika an den zum Empfang solcher Gaben ernannten Bruder Abraham Sudermann, Newton, Harveh, Co., Kann.
Es werden solche Gaben gerne schenkungsweise angenommen, aber auch leihweise Vorschüsse, auf nicht kürzere Zeit als drei Jahre, ohne Interessen, sind willkommen, denn die jetzt schon nöthige Unterstützungssumme von $ 8,000 bis $ 10,000 für die bereits reisefertigen ca. sechsundzwanzig Familien würde vielleicht schenkungsweise allein nicht schnell genug zusammenkommen, durch Mithilfe von Vorschüssen aber leichter erreichbar sein.
Das zur Verwaltung und Verwendung dieser Gaben und Vorschüsse erwählte „Amerikanische Mennonitische Hilfskommittee“ wird sich bemühen, auf Grund früher schon in der Unterstützungs- und Emigrationssache gemachten Erfahrungen die eingehenden Unterstützungsgelder so weitreichend als möglich anzuwenden, indem die Passagekontrakte zu den möglichst billigen Preisen in kürzester Zeit sollen abgeschlossen werden.
Hoffen wir denn gerne, daß auch in der Unterstützung dieser um Hilfe zum Herüberkommen aus Asien rufenden Brüder die Bereitwilligkeit unsrer Gemeinden zum Helfen und Geben sich aufs Neue bewähren möge.
Um Auftrage den am 4, April 1884 in Newton zur Unterstützung hilfsbedürftiger Einwanderer aus Asien abgehaltenen Versammlung.
Das A.M. Hilfskommittee
Hülfe für unsere Mitbrüder in Asien zu bewerkstelligen, das ist vor allem Andern jetzt unser Hauptaugenwerk bei Redigirung dieser Nummer der „Rundschau.“  Die Schulderungen der dortigen Zustände sind nicht übertrieben, sondern schlicht, aber wahr erzählt. Ich noch einer unserer Leser ohne Mitgefühl geblieben? Ist das nicht der Fall, so sollte auch kein einziger Leser überbleiben, der nicht etwas zur Unterstützung Projektes thäte. Auch das geringste Scherflein wird angenommen. Bedenkt nur mal, viele Tropfen bilden das Meer, so würde auch eine ganz schöne Summe zusammenkommen, wenn mal jeder Leser einen Dollar oder wenns ginge noch mehr opferte. Ein naher Freund hier will eine Kuh verkaufen und der Erlös soll zur Auswanderung der asiatischen Geschwister gegeben werden, Wer will ebenso machen? Ihr Bemittelten, greift tief in die Tasche! Die Summe, die man braucht, ist groß und wenige sind der reichen Geber.#
Aeltester Peter Becker aus Dakota, der uns die aus Asien erhaltenen Briefe zuschickte, richtet folgende ernste Worte an unsre Leser: „Ihr theuern eingewanderten Geschwister, wenn wir heute unser Auswanderungsloos betrachten, so dürfen wir mit dem Psalmisten sagen; „Uns ist das Loos aufs Lieblichste gefallen; uns ist ein schön Erbtheil geworden.“ Wir haben im Zeitlichen bis dahin Frieden und Ruhe genossen und der Herr hat unsere Arbeit gesegnet, daß das Vermögen eines Manchen sich schon vermehrt hat und fast ohne Ausnahme haben wir Alle unser gutes Fortkommen. Wer hat nun so treulich für uns gesorgt, und es uns in den Sinn gegeben, nach diesem Lande zu ziehen? Ich glaube unser gnädiger und treuer Gott hats gethan, und Ihr l. (liebe – E.K.) Geschwister glaubt sicherlich auch so. Nun betrachtet einmal den Unterschied zwischen unserer Lage und der Lage der Geschwister in Asien! Sie werden beraubt und geplündert, leben in Angst und sind in  Todesgefahr, während wir hier ruhig auf unserm Lager ruhen können. Sollen die Hülferufe dieser Armen unerwidert bleiben? In unserer Umgebung habe ich schon manche opferwillige Geschwister gefunden, was sagen aber die l. (lieben) Rundschau-Leser dazu?“

„Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Nicht wahr, lieber Leser, du giebst gern etwas für die Mitbrüder in Asien, damit sie können herübergeholfen werden? Welche Lust, geben zu können. J.F.H

   
Zuletzt geändert am 3 Januar, 2017