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Briefauszug von Unbekannten aus Asien; ein Brief von J. T., der während der Ausreise (aus Orenburg) nach Amerika geschrieben wurde aus „Bundes-Bote“ und eine Spendenquittung in der "Mennonitische Rundschau" Nr. 33 vom 13. August 1884

 

Abgeschrieben von Elena Klassen (Email), alle ihre Berichte.

 

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" Nr. 33 vom 13. August 1884, Seite 1. (gotisch) von Elena Klassen.

 

Asien.
Aus der Ansiedlung bei Aulieata wird uns unterm 8. Juni gemeldet, daß die Witterung zu der Jahreszeit Vormittags bis 11 Uhr ziemlich warm sei, dann aber kühl. Es habe neulich geregnet, doch sei das wie es scheine, nicht einmal nützlich. Durch richtiges Bewässern erzielen Einige sehr gute Resultate mit Gemüse u.s.w. Das Traurigste, dessen der Schreiber erwähnt, ist, daß Siebert Görz immer noch in einem irrsinnigem Zustande einhergeht. In Betreff der Auswanderer sagt unser Freund: „Zum Frühjahre werden Mehrere sein, die nach Amerika ziehen möchten; ein Häuflein hat sich schon zusammengefunden, welches der späten Jahreszeit halber die Reise aufschiebt, doch im festen Vornehmen steht, wenn die Unterstützung aus Amerika eintrifft, dann zu ziehen. Auch ich habe mich entschlossen, mit meiner nur kleinen Familie hinüber zu kommen und so wird noch Mancher diesem Gedanken Raum geben.“

 

Orenburg, 4. Juni, 1884. Ich hätte wohl schon längst einen Brief abfertigen sollen, doch machten die Umstände, unter denen wir in letzter Zeit in unserer nun verlassenen Ansiedlung lebten, es fast unmöglich und davon war ja auch nichts besonderes zu berichten. Es waren ernste Tage, die unserer Abfahrt vorangingen. Nicht nur, daß wir selbst mit den Reisezurichtungen, die, weil wir eine so lange unbewohnte Strecke vor uns hatten, recht umfassend waren, alle Hände voll zu thun hatten; wir sahen in diesen letzten Tagen auch Alles das, was uns im vergangenen Jahre so sehr viele Arbeit  gekostet hatte, schnell zusammen brechen. Die andern Geschwister, (37 Familien) die nicht mit uns gehen wollten, sondern den ihnen vom Chan gemachten Vorschlag, sich in der Nähe von Chiwa anzubauen, annahmen, bekamen in jenen Tagen, die ihnen zugesandten Arbeiter und Wagen, so daß ein großes Menschengewühl entstand. Sämmtliche Häuser wurden eingerissen, das Holz auf  Wagen geladen und fortgefahren. Dann fuhren die Geschwister noch einen Tag eher ab, als wir; das waren Alles sehr ernste Dinge. Nur das eine Gefühl war wohlthuend, daß wir in herzlicher Liebe auseinander gingen uns zu gegenseitiger Fürbitte ermunternd.
Den folgenden Tag, (17. April) ging dann auch unsere Abreise vor sich, nachdem wir noch gemeinschaftlich uns dem Schutze des Herrn befohlen. Zunächst hatten wir noch 130 Werst durch zum Theil bebaute Gegenden zu reisen und dann fing der eingetlich schwere Theil der Reise an, wo wir 680 Werst reisen mußten auf ungebahntem Wege und durch unbewohnte Gegenden, wo wir nur vereinzelte Kirgisenkibitken (traditionelle kirgisische Zelte – E.K.) antrafen und wo es für einen Zug, wie den unsern, in späterer Jahreszeit nicht gut möglich gewesen wäre, durchzukommen, des Wassermangels wegen. Nun, der barmherzige Herr hat geholfen, wir kamen glücklich durch. Zwar blieben wir nicht ohne die ernste Mahnung, der Güte des Herrn zu gedenken, wo er uns leicht führte, obwohl wir auch seinen Ernst fühlten, indem zwei Kinder, überfahren wurden, wobei besonders das Eine nicht unerheblich verletzt wurde, aber gerade da, wo wir den Ernst erfahren mußten, sahen wir auch die Treue unseres Gottes. Denn mit natürlichen Augen besehen, hätten die Kinder müssen zerquetscht worden sein und sie sind heute ganz gesund. Den 25. Mai erreichten wir den ersten russischen Ort. Damit war der shcwerste Theil der Reise zurückgelegt. Wir durften und mußten sagen: „Bis hierher hat uns der Herr geholfen.“
Ich schrieb neulich, daß unsere Paßangelegenheiten sich in Chiwa leicht geordnet hatten, daß wir die Pässe erhalten hätten; dieser Bericht bezog sich mehr auf eine Aeußerung des rissischen Beamten in Chiwa, der zu uns sagte, daß der Ertheiling von Pässen nichts im Wege stände und daß er uns dieselben zuschicken werde. Nachher mag es ihm doch wohl anders geworden sein, wir bekamen eine Bescheinigung nach einer russischen Gouvernementsstadt hin, wo wir der Regierung zur Verfügung gestellt wurden und wir uns die Pässe auswirken mußten. So wurde denn beschlossen, daß von jenem erwähnten russischen Orte uns zwei Brüder vorausreisen sollten, um hier in Orenburg die Sache einzuleiten und wurden dazu Br. Joh. Penner und ich vorausgeschickt, während der Zug langsam nachfahren sollte. Wir sind denn nur hier in Orenburg. Die Unsern erwarten wir am Schlusse dieser Woche. Die Sache ist eingeleitet; der Governeur hat auch nach Petersburg telegraphirtund sollen wir denn nun bald Bescheid erhalten.
Hier in Orenburg haben wir auch recht viele liebe Briefe von Euch erhalten. Habt Dank, theure Brüder, habt Dank für Eure viele Liebe. Vergelten werden wir sie nicht können, aber auf das große Comptoir des reichen Zahlmeisters, daß er Euch segnen möge mit reichen innerem Segen, in Zeit und Ewigkeit. Die bewilligten Mittel werden unter dem Segen des Herrn ausreichen, zumal einige Familien noch aus eigenen Mitteln reisen und wenigstens theilweise mit eigenem Gelde hinzukommen hoffen. Es kommen 23 Familien und außerdem noch einige junge Leute, die sich uns anschlossen. Wir hoffen außerdem, hier in Orenburg für Pferde und Wagen noch etwas zu lösen. Wenn erstere auch durch die schwere Reise ziemlich herabgekommen sind und letztere durch die vielen Reisen  bedeutend an Werth verloren haben, so wird es doch immer noch etwas geben. Von Lysanderhöh hielten wir Meldung, daß 2000 Rubel dort seien und noch weitere 1000 Rubel angemeldet seien. Wir sind um ein genaues Namensverzeichniß derer gebeten, die da reisen, um die Freibillete (Tickets – E.K.) in Eydkuhnen (ein Ort in der Oblast Kaliningrad, Russland, an der Grenze zu Litauen – E.K.) aushändigen zu können. Wir werden dieses, wenn der Zug ankommt, sogleich zusammenstellen.

J.T. im „Bundes - Bote“

 

Quittung.

Abraham Sudermann, Schatzmeister des Am.Menn.Hilfscom., hat von Abr.Penner, Mt. Lake, Minn., die Summe von $ 86.50 für Aulieata, Asien, erhalten, d.h. zu Auswanderungszwecken. Das Geld war gegeben:
Von A.F., Sr.,                                 $ 2.00
„      P.P.                                             7.00
„      A.A.W.                                       1.00
“ J.N.Jr.,                                            1.50
“   J.F.                                                  .50
“  C.P.                                               1.00
“  G. und C.                                      7.00
„  J.D., Sr.,                               5.00
„  J.F.                                                 4.00
„  D. Sch.                                          5.00
„  D.S.R.                                           4.50
„   J.J.P.                                             1.00
„  J.R., Sr.,                                      20.00                                    
„  P.D., Jr.                                1.00
“  G.L.                                               1.00
“ Ungenannt                                   20.00
Total:                                          $ 86.50

Der Unterzeichnete erhielt und beförderte die folgenden Gaben, die zur Unterstützung solcher Mennoniten einliefen, die von Asien nach Amerika auswandern wollen.
Durch C.P.W. die Collekte vom Missionsfeste
bei Jakob Ehrlichs                      $ 37.39
„ C.P.W. die Collekte von der Vierteljahrsvers.
der Menn. Brüdergem.                  56.04
„ J.P.F., Morrison, Manitoba         1.00
„ Ungenannt von Neuanlage,
Manitoba                                          7.25
Total:                                           101.68

J.F. Harms, Canada, Marion Cs., Kansa

 

   
Zuletzt geändert am 17 Dezember, 2016