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Der große Treck nach Mittelasien in Google My Maps

Von Andreas Tissen (Email), alle seine Berichte.

 

 

1880 bis 1882 machten sich insgesamt 143 mennonitische Familien auf den Weg nach Mittelasien.
Der sogenannte „große Treck nach Mittelasien“ bestand aus vier Reisegruppen. Drei Gruppen kamen aus der Kolonie „Am Trakt“ und eine Gruppe kam aus der Kolonie Molotschna.
Auslöser für den Auszug war die Wehrpflichteinführung in Russland. Zahlreiche Familie aus der Molotschna und Am Trakt beabsichtigten dieser Verpflichtung zu entgehen und beabsichtigten nach Mittelasien zu ziehen. Die mennonitischen Vertreter führte Verhandlungen mit der russischen Regierung. „Der Generalgouverneur von Turkestan, Konstantin von Kaufmann half den Deputierten in Petersburg die Genehmigung zur Übersiedlung für 200 Familien zu bekommen.“ Auf den Spuren der Ahnen (1882-1992). Friesen, Robert.

Gleichzeitig entstand in der Kolonie Am Trakt (nähe Saratow), durch den Prediger Klaas Epp, eine schwärmerische Endzeitlehre. Er bezog die Lehre der Bibel über die Geschehnisse der letzten Zeit sehr einseitig auf sich und seine Gemeinde. Er und seine Gemeinde „Philadelphia“ sollten nämlich eine entscheidende Rolle in dieser Zeit spielen. Um den Trübsalen der letzten Zeit zu entgehen meinte man, „weiter in den Osten“ ziehen zu müssen. Dieser Zufluchtsort war laut Jung Stilling in den Bergen südlich von Samarkand (Shar-i-Sabs), heute Usbekistan. Dort wollte man auf das kommen Jesu warten, welches Klaas Epp für das Jahr 1889 berechnet hatte. Vorher sollten 7 Jahre Trübsal sein. Während der der Trübsal würden Gläubige aus aller Welt in seiner Gemeinschaft Zuflucht finden. Deswegen beabsichtigte man Unterkünfte für diese „Flüchtlinge“ zu bauen. So schloss sich diese religiöse Bewegung, die das Nahen des Antichristen voraussagte, dem „großen Treck nach Mittelasien“ an.

 

 

Der große Treck nach Mittelasien in Google My Maps. Von Andreas Tissen.

 

 

Der Auszug war beschwerlich und abenteuerlich. Man reiste mit Pferdewagen und zu Fuß. Die erste Reisegruppe (10 Familien) aus „Am Trakt“ brauchte ca. 15 Wochen bis Kaplanbek. Hier warteten sie auf die zweite Gruppe (12 Familien) aus „Am Trakt“ und überwinterten gemeinsam in baufälligen Unterkünften.
In der Nähe von Kaplanbek, in Taschkent überwinterten die Auswanderer aus der Molotschna (70 Familien), die sich gleichzeitig auf den Weg nach Mittelasien gemacht hatten. Sie wurden von Abraham Peters angeführt. Er hatte jedoch vordergründig andere Beweggründe für die Auswanderung als Klaas Epp. Peters und seine Leute wollten der Einführung des allgemeinen Wehrdienstes in Russland entkommen. Die Auswanderer hatten abgemacht sich gemeinsam in Mittelasien anzusiedeln. Dazu ist es aber nie gekommen. Obwohl sich die Gruppen anfänglich vereinigten gingen sie später getrennte Wege. Die Peters-Gemeinde aus Molotschna siedelte sich im Talas-Tal an und gründete die Kolonie Aulie Ata (heute Kirgisistan).
Der Kern der Auswanderer aus „Am Trakt“ zogen im Sommer 1881 weiter Richtung Buchara (heute Süd-Usbekistan). Auf dem Pachtland von Wakufdschiri (wenige km südlich von Syrabulak), durften sie sich ansiedeln. Sie bauten Erdhütten und richteten sich ein. Später wurde dieser Ort von ihnen Ebenezer genannt. Jedoch Ende November kamen die Bucharen, vertrieben die neuen Siedler und zerstörten ihre Hütten. Also überwinterten sie in Syrabulak. Hier trafen sie im Sommer 1882 mit der letzten Reisegruppe aus „Am Trakt“ zusammen, die von Klaas Epp angeführt wurde. Einige hatten sich in der Zwischenzeit wieder in Ebenezer (diesmal in Zelten) angesiedelt, wurden aber nach vier Monaten wieder vertrieben. Der Treck zog nun weiter in die Nähe von Nukus (heute Usbekistan). Hier wurde ihnen ein neues Siedlungsgebiet zugewiesen, das sie Lausan nannten. In dieser Gegend wurden sie mehrfach überfallen und ausgeraubt. Aufgrund der unsicheren Lage bot ihnen der Chan von Chiwa ein anderes Siedlungsgebiet an. Fast zwei Jahre später (1884) gründeten 39 Familien südlich von Chiwa ihre endgültige Bleibe, Ak-Metschet. Die anderen Familien zogen teilweise nach Kanada und teilweise in die Kolonie Aulie Ata.
Aus Ak-Metschet wurden sie 51 Jahre später (1935) von den Kommunisten ausgesiedelt und südlich von Duschanbe (heute Tadschikistan) in der Wüste ausgesetzt. Mit großen Schwierigkeiten bauten sie sich neue Unterkünfte. Den Ort nannten sie Neu Ak-Metschet.

Es existieren mehrere Reisebeschreibungen und Tagebücher von Mennoniten, die persönlich an dem Treck teilgenommen haben:

551. Tagebuch: von Martin Klassen (1820 – 1881) (#4698). November 1852 - June 1870 August 1880 - October 1881. Translated by Esther C. (Klaassen) Bergen. Winnipeg, Manitoba, 1993. Revised at Saskatoon, Saskatchewan, 2011. S. 201-225. (englisch)

Tagebuch von Janzen, Hermann (1866-1959) (#387919) in "553. Hermann Jantzen: Im wilden Turkestan. Ein Leben unter Moslems. 3. Auflage, Brunnen Verlag, Gießen, 1997. S. 13-46."

Tagebuch von Janzen, Hermann (1866-1959) (#387919) in " 554. Durchs weite Turkestan. Hermann Janzen. Brunnen Verlag, Giessen/Basel. 2014. S. 13-46."

343. Unser Auszug nach Mittelasien. Bartsch, Franz. Halbstadt, 1907. Steinbach Manitoba, Echo Buch 5, 1948. S. 39-185, 205-212.

Tagebuch: von Johannes Janzen (1823 – 1903) (#343731) in "549. Aus Preußen über Russland und Turkestan nach Amerika. Tagebücher von Elisabeth Schultz (geb. Unruh) 24. Sept. 1866- 1. Sept. 1943 und Johannes Jantzen 6. Okt. 1823 - 5. Mai 1903. Überarbeitet und herausgegeben von Robert Friesen. Lichtzeichen, Lage, 2015. S. 36-77, 86-114, 284- 296."

 

Übersicht der Reisegruppen:

  • Rg1 (Reisegruppe1) (aus Am Trakt): ca. 15 Wochen bis Kaplanbek, 10 Familien
  • Rg2 (Reisegruppe2) (aus Am Trakt): ca. 15 Wochen bis Kaplanbek, 12 Familien
  • Rg3 (Reisegruppe3) (aus Molotschna): ca. 18 Wochen bis Taschkent, 80 Familien
  • Rg4 (Reisegruppe4) (aus Am Trakt): ca. 7 Wochen bis Turkestan, 41 Familien (nach einigen Quellen bestand Rg4 aus 2 Reisegruppen)

In Kolonie Aulie Ata 1881/1882 angesiedelt:
81 (Rg3) - 9 + ca. 15 (Rg4) = ca. 87Familien
(evtl. nicht alle Familien erfasst, es gibt auch unterschiedliche Angaben)

In Lausan 1882 angesiedelt:
10 (Rg1) + 12 Rg2) + 9 (Rg3) + 41 (Rg4) - 15 - 2 = ca. 55 Familien
(evtl. nicht alle Familien erfasst, es gibt auch unterschiedliche Angaben)

Bei Auflösung von Lausan 1884 weitergezogen:

  • 23 Familien nach Amerika
  • 19 Familien nach Kolonie Aulie Ata
  • 39 Familien nach Chiwa (Ak-Metschet)

(evtl. nicht alle Familien erfasst, es gibt auch unterschiedliche Angaben)

 

Ausführliche Auflistung der Reiseteilnehmer in:

342. Mennoniten in Mittelasien. Sammelband. Herausgegeben von Robert Friesen. Samenkorn. Steinhagen, 2011. S. 313-317.

549. Aus Preußen über Russland und Turkestan nach Amerika. Tagebücher von Elisabeth Schultz (geb. Unruh) 24. Sept. 1866- 1. Sept. 1943 und Johannes Jantzen 6. Okt. 1823 - 5. Mai 1903. Überarbeitet und herausgegeben von Robert Friesen. Lichtzeichen, Lage, 2015. S. 295-296.

 

Karten:

Interaktiven Karte: „Der große Treck nach Mittelasien“ bei „My Maps“ von Andreas Tissen. Hier kann man den ganzen Verlauf des Trecks (erste Reisegruppe) verfolgen.

69. Karte “Weg nach Mitteasien 1880“ by W. Schroeder. Mennonite Historical Atlas. First Edition. William Schroeder. Winnipeg. 1990.

 70. Karte “Khiva Region“ by W. Schroeder. Mennonite Historical Atlas. First Edition. William Schroeder. Winnipeg. 1990.

555. Karte der deutschen Siedlungen bzw. Siedlungsgebiete im asiatischen der Sowjetunion: Nord- (sibirien) und Mitteasien. Bearbeitet von Dr. K. Stumpp. In „Heimatbuch der Deutschen aus Rußland“ 1964.

 

Fotos:

Album zu Ak-Metschet und Umgebung von Ratliff, Walter R. auf Flickr.

 

Quellen:
 
 

96. Auf den Spuren der Ahnen (1882-1992), Die Vorgeschichte und 110 Jahre der Deutschen im Talas-Tal in Mittelasien. Robert Friesen. Minden. 2000. S. 52-53, 136-138.

342. Mennoniten in Mittelasien. Sammelband. Herausgegeben von Robert Friesen. Samenkorn. Steinhagen, 2011. S. 313-317.

343. Unser Auszug nach Mittelasien. Bartsch, Franz. Halbstadt, 1907. Steinbach Manitoba, Echo Buch 5, 1948. S. 39-185, 205-212

548. Ak-Mechet (Uzbekistan) in Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (GAMEO). (englisch)

549. Aus Preußen über Russland und Turkestan nach Amerika. Tagebücher von Elisabeth Schultz (geb. Unruh) 24. Sept. 1866- 1. Sept. 1943 und Johannes Jantzen 6. Okt. 1823 - 5. Mai 1903. Überarbeitet und herausgegeben von Robert Friesen. Lichtzeichen, Lage, 2015. S. 36-77, 86-114, 284-296.

550. Die Deutschen in Turkestan bis 1917. Viktor Krieger. Die Rußlanddeutschen - Gestern und heute. Köln. 1992. S. 108

551. Tagebuch: von Martin Klassen (1820 – 1881) (#4698). November 1852 - June 1870 August 1880 - October 1881. Translated by Esther C. (Klaassen) Bergen. Winnipeg, Manitoba, 1993. Revised at Saskatoon, Saskatchewan, 2011. S. 201-225. (englisch)

552. Pilgrims on the Silk Road: A Muslim-Christian Encounter in Khiva. Ratliff, Walter R. Eugene. Oregon. 2010. S. 90-162 (englisch)

553. Hermann Jantzen: Im wilden Turkestan. Ein Leben unter Moslems. 3. Auflage, Brunnen Verlag, Gießen, 1997. S. 13-46.

554. Durchs weite Turkestan. Hermann Janzen. Brunnen Verlag, Giessen/Basel. 2014. S. 13-46.

   
Zuletzt geändert am 11 Januar, 2018